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Das große Sterben

Das Insektensterben ist eins der großen Themen unserer Zeit. Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass die intensive Landwirtschaft eine der Hauptursachen dafür sein könnte. Allerdings waren bisherige Studien oft kleinräumig begrenzt oder konzentrierten sich auf einige ausgewählte Artengruppen.

In einer großangelegten Biodiversitätsstudie haben Forschende unter Federführung des Institutes für Ökologie und Ökosystemmanagement der Technischen Universität München (TUM) jetzt das Artensterben und den Einfluss der intensiven Landnutzung untersucht. Mit beteiligt waren die Julius-Maximilian-Universität Würzburg, die Technische Universität Darmstadt, die Georg-August-Universität Göttingen, die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und die Philipps-Universität Marburg.

Wald und Wiese

Die Untersuchungen wurden auf unterschiedlich genutztem Grünland wie beweideten Wiesen und Mähwiesen sowie in Wäldern und Forsten (unter anderen bewirtschafteter Nadelforst, unbewirtschaftete, naturnahe Wälder in Schutzgebieten) in den Regionen Schorfheide-Chorin (Brandenburg), Hainich-Dün (Thüringen) und der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg) durchgeführt. Alle drei Gebiete weisen eine unterschiedliche Geologie und unterschiedlich intensive land- oder forstwirtschaftliche Nutzung in der Umgebung der Untersuchungsflächen auf.

Auf den 150 Grünlandflächen wurden von 2008 bis 2017 Gliederfüßer (Arthropoden wie Insekten, Spinnentiere, Krebstiere und Tausendfüßler) jeweils im Zeitraum von Juli bis August gesammelt und bestimmt. Auf 30 Waldflächen wurde die gesamte Vegetationsperiode über gesammelt, zusätzlich auf 110 weiteren Waldflächen in den Jahren 2008, 2011 und 2014. Insgesamt wurden über eine Million Arthropoden bestimmt und 2.675 unterschiedlichen Arten zugeordnet.

Alarmierende Ergebnisse

Die Ergebnisse der Auswertungen waren erschreckend: Innerhalb des zehnjährigen Untersuchungszeitraums gingen die Vorkommen von Arthropoden stark zurück, besonders im Grünland:

  • Die Biomasse (das gesamte Gewicht der pro Jahr gesammelten Tiere) nahm im Grünland um 67 Prozent ab, im Wald um 41 Prozent,
  • der Artenreichtum sank im Grünland um 34 Prozent, im Wald um 36 Prozent,
  • die Häufigkeit (Abundanz) der Arten nahm im Grünland um 78 Prozent ab, im Wald konnte kein negativer Trend festgestellt werden.

Seltenere Arten am stärksten betroffen

Im Grünland fand der Artenverlust hauptsächlich unter weniger häufigen Arten statt, einige Arten verschwanden ganz. Besonders betroffen waren Arten, die nicht weit wandern und somit ungünstigen Bedingungen nicht entfliehen konnten.

Auch im Wald nahm der Artenreichtum generell ab. Hier waren vor allem Arten betroffen, die weiter wandern konnten. Aber: Einige der häufigsten Arten, darunter auch invasive Arten und potentielle Schädlinge, verbuchten in ihrer Häufigkeit einen Zuwachs. Die Forscher vermuten, dass der Artenschwund in den Wäldern durch Mechanismen bewirkt wird, die zwar die meisten Arten negativ beeinflussen, aber einige anpassungsfähige Arten begünstigen.

Zudem konnte in Wäldern kein genereller Unterschied bei der Artenvielfalt in bewirtschafteten und unbewirtschafteten Flächen festgestellt werden. Aber: In Wäldern, in denen sich viel Totholz befand oder in denen ein Holzeinschlag stattgefunden hatte, war der Rückgang der Arten weniger stark ausgeprägt. Durch natürlich vorkommendes Totholz, verbleibendes Restholz sowie eine sich ausbreitende krautige Vegetation nach einem Holzeinschlag konnten sich hier vermutlich abwechslungsreiche Kleinhabitate bilden.

Nähe zu intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen

Die Forscher konnten feststellen, dass der Artenschwund durch wenig abwechslungsreiche Landschaften um die untersuchten Flächen verstärkt wird. Besonders im Grünland nahmen die Arten umso stärker ab, je mehr Ackerflächen sich in direkter Umgebung befanden. Die Forscher schlossen daraus, dass intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen in der Nachbarschaft den Artenschwund verstärken. Bei den Waldflächen konnten keine so eindeutigen Einflussfaktoren identifiziert werden. Aber auch hier vermuten die Forscher einen Einfluss der umgebenden Landschaft.

Die Forscher betonen, dass sie aus den Daten nicht ersehen können, was genau den Artenschwund bewirkt. Möglich wären negative Folgen der historischen Landnutzungsänderungen, aber auch moderne Intensivierungsmethoden wie der Wegfall von artenreichen Brachflächen und der verstärkte Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln. Um diese Fragen zu beantworten, müssten weitere Studien durchgeführt werden. Auch der Einfluss des Klimawandels konnte nicht klar abgegrenzt werden.

Dies ist ein Auszug aus einem Beitrag auf der Plattform pflanzenforschung.de. Weitere Informationen unter Verlust von Insekten nimmt alarmierende Ausmaße an