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„Was muss“ und „was kann“ Landtechnik von morgen leisten?

Hubertus Paetow zur Agritechnica 2019: Global Farming - Local Responsibility

Die Landwirtschaft konnte in den letzten 100 Jahren eine beispiellose Entwicklung verzeichnen. Internationale Handelsströme verknüpfen weltweit spezialisierte Anbausysteme und schaffen globale Waren- und Stoffkreisläufe. Grund dieser Entwicklung war der technische Fortschritt, der in Zeiten zunehmender weltweiter Liberalisierung der Handelsbeziehungen und speziell der Agrarmärkte, besonders gedeihen konnte.

Dabei gilt gestern, als auch heute Ernährungssicherung als oberste Prämisse. Die Unterschiede liegen in der Zielerreichung, bei der anders als bisher jede Maßnahme auch an der Umweltwirkung und am Beitrag zum Klimaschutz gemessen wird. Um mit den gegebenen Ressourcen noch effizienter umzugehen und zugleich mehr zu erzeugen, werden von uns allen weitere Anstrengungen verlangt. Denn ein guter Teil der Produktionssteigerungen in der Vergangenheit wurden durch den vermehrten Einsatz von Fläche und Betriebsmitteln erreicht – beides ist nicht unendlich steigerbar, sowohl Fläche als auch sinnvoller Betriebsmitteleinsatz sind begrenzt.

Schlüssel dazu ist eine nachhaltige Intensivierung unter Nutzung ressourcenschonender Produktionsverfahren. Eine nachhaltige Landwirtschaft soll Produktivität mit Ressourcen- und Umweltschutz in Einklang bringen. Dazu brauchen alle Landwirte auf der Welt unabhängig von der Größe ihrer Betriebe entsprechendes Know-how und ihren lokalen Bedingungen angepasste Technologien. Obwohl Klimawandel, Ressourcenschonung und Welternährung globale Aufgaben darstellen, stellen die Wechselwirkungen vor Ort speziell in der Landwirtschaft doch unterschiedliche Herausforderungen dar.

Auch das aktuelle Erntejahr verdeutlicht, wie unterschiedlich die Gegebenheiten vor Ort sind. Während es in Deutschland regional zu dürrebedingten Ertrags- und Qualitätseinbußen kam und auch die Rapsaussaat durch die bis dato anhaltende Trockenheit erschwert wurde, konnten Marktfruchterzeuger in Frankreich, aber auch in anderen Teilen der Welt, wie in Russland und der Ukraine eine umfangreiche Weizenernte einfahren.

Gleiches gilt für die Ziele, unter denen Landwirte weltweit agieren. Wenngleich wir Landwirte hier in Europa und Deutschland mit zunehmenden Einschränkungen bei der Düngung und im Pflanzenschutz wirtschaften müssen, braucht der Landwirt in Afrika Infrastruktur und Hilfsmittel mit denen er überhaupt wirtschaften kann. Landtechnik muss auf alle unterschiedlichen Gegebenheiten Antworten finden, um auch in Zukunft die zentrale Rolle zu haben, wenn es darum geht, Lösungen für aktuelle Herausforderungen wie Umweltschutz, Biodiversität oder den Klimawandel zu finden.

Für uns Landwirte in Deutschland heißt das also, dass Landtechnik uns Lösungswege an die Hand geben muss, um den Anforderungen aus Politik und Gesellschaft mit einem gut gefüllten produktionstechnischen Werkzeugkasten zu begegnen. Dieser Werkzeugkasten umfasst innovative, aber auch traditionelle Verfahren. Dazu gehört ein noch effizienterer, schlagkräftigerer und termingerechterer Pflanzenschutz, aber auch die Rückkehr der mechanischen Unkrautbekämpfung. Dazu gehört eine Bodenbearbeitung, die Bodendegradation, Humusschwund und Schädlingsdruck vorbeugt. Dazu gehört eine präzisere, kleinräumigere und effektivere Applikation von Mineral- und Wirtschaftsdüngern, aber auch die Möglichkeit, vorhandene Technik entsprechend nachrüsten zu können. Neben der darauf angepassten Saatgut- und Bestelltechnik, gehört auch eine Vielfalt an Innovationen in Bewässerungstechnik, Verfahrenstechnik, Erntetechnik und den Traktoren selbst dazu, aber auch die Weiterentwicklung digitaler Systeme vom Sensor bis hin zum Farm-Management-Informationssystem, das sich mit notwendigen Drittsystemen vernetzt. In einer zunehmend digitalisierten Agrarbranche stehen dafür viele innovative Technologien zur Verfügung.

Um weiterhin unseren Beitrag im internationalen Warennetzwerk aufrechterhalten und gleichzeitig die Verantwortung auf dem eigenen Betrieb für Produktionsfaktoren und der Akzeptanz in der Bevölkerung nachkommen zu können, öffnet die Agritechnica unter dem Leitthema „Global Farming – Local Responsibility“ vom 10. bis 16. November 2019 das Schaufenster der Innovation in Hannover.  

Die globale Plattform der Landtechnik für Information, Inspiration und Diskussion mit Agrarexperten aus aller Welt bietet auch 2019 mit 2.800 Ausstellern aus 52 Ländern ein vielfältiges Angebot. Lassen Sie sich von unserem Fachangebot mit den DLG-Specials „Protecting Yield and Nature“ und “Acre of Knowledge” begeistern. Nutzen Sie die Anwesenheit von Experten und Fachleuten und tauschen Sie sich mit Kollegen und Ausstellern am Objekt über Strategien und Alternativen aus. Ich lade Sie herzlich auf die Agritechnica 2019 ein!