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Ausschuss Schwein „on tour“

Dieser Tage informierte sich eine achtköpfige Gruppe aus dem DLG-Ausschuss Schwein über die Schweinehaltung in Österreich. Mit freundlicher Unterstützung der Firma Schauer konnten innerhalb von zehn Stunden fünf Betriebe beziehungsweise Unternehmen im Raum Linz/Wels besichtigt werden. Eines hatten die Exkursionsziele gemeinsam: Das Tierwohl stand bei allen oben an.

Zunächst wurde die Bioforschungsstation der Fachschule Raumberg-Gumpenstein in Thalheim bei Wels besichtigt. Hier sammelt man bereits seit 15 Jahren Erfahrung mit freien Abferkelsystemen und hat mit der „Welser Bucht“ auch ein eigenes Haltungssystem mitgestaltet. Auch zum Gruppensäugen liegen bereits fundierte Erkenntnisse vor, die der Leiter Dr. Werner Hagmüller gerne mit der Gruppe teilte. Seine Empfehlung lautet: „Gruppensäugen ist nur was für Profis und nicht für Säugezeiten von vier Wochen oder weniger geeignet“. Im Abferkelstall spielt für ihn das Stallklima eine entscheidende Rolle, um Erdrückungsverluste im Griff zu halten. Unterschiedliche Klimazonen für Sau und Ferkel müssen daher ganzjährig ermöglicht werden.

Im Laufe des Tages wurden auch zwei konventionelle Betriebe besucht, die beide mit Auslauf gebaut sind und im Mastbereich mit Gruppengrößen von 20 bis 24 Tieren arbeiten. Das Platzangebot liegt bei 1,1 bis 1,4 m²/Tier. Die sogenannten „Tierwohlställe“ zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass im Stallbereich mit zum Teil automatischer Stroheinstreu gearbeitet wird, um somit eine klare Buchtenstrukturierung zu erzielen: Stall = eingestreuter Ruhebereich (mit wenig Licht, was in Österreich zulässig ist), Auslauf = Aktivitäts-, Fress- und Kotbereich.

Einer der beiden Betriebe arbeitet im Außenbereich zusätzlich mit einer Kot-Harntrennung, was laut Betriebsleiter zu 80 Prozent weniger Emissionen an der Quelle führt. Ein Lösungsansatz, um den Zielkonflikt Tierwohl/Umweltwirkung zu entschärfen und Emissionen aus der Tierhaltung gezielt zu reduzieren. Die Stallbaufirma arbeitet bereits an weiteren Konzepten, um NH3 erst gar nicht entstehen zu lassen.

Was beide Betriebe gemeinsam haben, ist auch die Vermarktung der Tiere. Denn mit dem Tierwohlschlachthof Hütthaler haben beide einen verlässlichen Partner in der Nähe, der seinerseits feste Verträge mit Hofer, Rewe und Lidl abgeschlossen hat und somit Tierwohl lückenlos vom Stall bis zur Ladentheke garantiert. Das Besondere ist, dass bereits über 50 verschiedene Wurst- und Fleischartikel im Sortiment mit der Eigenmarke „Hofkultur“ versehen sind.

Der gläserne Schlachthof Hütthaler war ein weiteres Highlight im Rahmen der Ausschussreise. Beeindruckt war man vom durchdachten Konzept, was einen respektvollen Umgang mit dem Einzeltier und eine schonende Schlachtung zum Ziel hat. Nach diesem Ziel wurde der Schlachthof konzipiert, in dem etwa 500 Tiere pro Tag an drei Tagen in der Woche geschlachtet werden. Auf Anfrage erhalten interessierte Verbraucher die Möglichkeit, den Prozess über eigens eingerichtete Besucherplattformen vorgestellt zu bekommen. Die „bauernreine“ Schlachtung und Zerlegung wird mittels RFID-Chips gewährleistet, so dass auch verarbeitete Produkte rückverfolgt werden können.

Die abschließende Werksbesichtigung der Firma Schauer rundete das Programm dahingehend ab, als dass man einen Einblick in die Entwicklung und Fertigung des Unternehmens bekam. Besonders interessiert war man auch hier an den „Tierwohlprodukten“, die in den letzten Jahrzehnten – oft mit ausgiebiger Praxiserprobung - entwickelt wurden. Das mittlerweile global agierende Familienunternehmen aus Prambachkirchen feiert dieses Jahr sein 70-jähriges Bestehen und wird auch auf der EuroTier 2020 wieder dabei sein.