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Pflanzenschutzmittel und Gesundheit

Dr. Markus Röver zu den neuen Anwendungsbestimmungen

In der Vergangenheit wurden Anwendungsbestimmungen für Pflanzenschutzmittel hauptsächlich zur Verringerung von Risiken im Naturhaushalt eingesetzt. Ein Beispiel hierfür stellen die Abstandsregelungen zum Schutz von Gewässern dar.

Zwischen dem Schutz des Naturhaushalts und dem Gesundheitsschutz besteht jedoch im Hinblick auf die Ableitung von Maßnahmen zur Risikominimierung grundsätzlich kein Unterschied. Daher wurde 2018 eine Vereinheitlichung der Regelungen beim Naturhaushalt und bei der Gesundheit herbeigeführt. Zukünftig werden in beiden Bereichen Anwendungsbestimmungen erteilt, wenn Maßnahmen zur Risikominderung notwendig sind.

Anwendungsbestimmungen als Ergebnis der Risikobewertung

Bei der Zulassung werden Pflanzenschutzmittel umfassend geprüft und bewertet. Um die Gesundheit zu schützen, werden alle möglichen Aufnahmepfade in den menschlichen Körper betrachtet. Für Anwender von Pflanzenschutzmitteln und Personen, die Nachfolgearbeiten in behandelten Kulturen durchführen, kann eine Aufnahme von Pflanzenschutzmitteln in den Körper über die Haut oder über die Lungen bei der Atmung erfolgen.

Über Berechnungsmodelle wird abgeschätzt, wie hoch die Belastung von Anwendern bei bestimmten Arbeiten (Befüllen der Spritze, Anwendung, Reinigung und so weiter) ist. Diese europaweit harmonisierten Modelle basieren auf realen Messungen, bei denen die Versuchspersonen Pflanzenschutzmittel unter Praxisbedingungen anwendeten. Die errechneten Werte werden mit einem toxikologischen Grenzwert, der annehmbaren Anwenderexposition (AOEL), verglichen.

Ergibt die Bewertung, dass bei der Anwendung in einer bestimmten Kultur der Grenzwert für den Anwender und/oder Personen, die Nachfolgearbeiten ausführen, überschritten ist, können Risikominderungsmaßnahmen das Risiko vermindern. Üblicherweise kommt hierfür Arbeitskleidung oder persönliche Schutzausrüstung (PSA) zum Einsatz. Es werden gestuft nur so viele Risikominderungsmaßnahmen vorgesehen, wie mindestens notwendig sind, um den Grenzwert einzuhalten. Lässt sich die Aufnahme und damit das Risiko nicht ausreichend verringern, kann keine Zulassung erfolgen.

Persönliche Schutzausrüstung wird nur dann als Anwendungsbestimmung vorgeschrieben, wenn sie zum Schutz der Gesundheit notwendig ist. Ohne deren Verwendung kann eine Überschreitung des Grenzwertes und damit ein gesundheitliches Risiko nicht ausgeschlossen werden.

Begleitende Maßnahmen

Durch die Änderung 2018 wurde bei Behörden, Praktikern und Verbänden das Bewusstsein für die Bedeutung von Auflagen zum Gesundheitsschutz geschärft. Es wurde deutlich, dass die neue Regelung intensiv durch Kommunikationsaktivitäten begleitet werden muss. Überdies stellte sich heraus, dass die Verfügbarkeit geeigneter PSA eingeschränkt ist und neue Elemente der persönlichen Schutzausrüstung berücksichtigt werden sollten. Im Folgenden sind Maßnahmen und Aktivitäten genannt, die seitens des BVLs initiiert und vorangetrieben wurden.

Dr. Röver wird im Rahmen des Forums Pflanzenbau auf der Agritechnica in Halle 15, Stand G30, am 11. November um 15.30 Uhr zum Thema „Pflanzenschutzmittel sicher anwenden - Neue Anwendungsbestimmungen im Gesundheitsschutz“ sprechen. Hier der Link zu dem VeranstaltungskalenderForum - Pflanzenbau live