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Ohne uns geht nichts

Wilfried Aulbur über die Bedeutung der Agrarbranche

Die Agrarwirtschaft berührt wie nur wenige andere Wirtschaftszweige das Leben jedes Einzelnen. Da Nahrung und Wasser Grundbedürfnisse sind, ist die Landwirtschaft wesentlich für das Wohlergehen aller Menschen. Ob hoch industrialisierte Erzeuger von Feldfrüchten in den USA oder Brasilien, mittelgroße Getreideanbauer in Europa oder kleine Subsistenzbauern in Indien und China – unsere globale Wirtschaft ist zur Sicherung der Grundnahrungsmittel auf alle angewiesen. Auf diese Weise ist die Landwirtschaft lebenswichtig, was ihre politische Schlagkraft und ihren anhaltenden Einfluss erklärt, obwohl sie in entwickelten Wirtschaftssystemen nur einen Bruchteil der Gesamtbevölkerung stellt.

Die Landwirtschaft steht wegen der globalen Erwärmung, fallender Warenpreise und teilweise hoher Verschuldung unter Druck. Die Verbraucher fordern ökologischen Landbau und nachhaltige Lebensmittel. Wie kann die Industrie darauf reagieren und die Landwirte in dieser herausfordernden Situation unterstützen?

Pflanzenschutzunternehmen, Technikhersteller  und zahlreiche Start-ups überzeugen risikobewusste Landwirte mit Sensoren, robotergesteuerter Automatisierung und digitalen Daten, um die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern und die Verschwendung von eingesetzten Ressourcen zu reduzieren. Die Welt in nachhaltiger Weise zu ernähren und die Landwirte davon zu überzeugen, dass Präzisionslandwirtschaft in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt, ist die entscheidende Herausforderung für alle Beteiligten.

Während neue Technologien, die für Landwirte ein klares und unmittelbares Geschäftsmodell darstellen oder die für den Landbau benötigte Zeit bedeutend reduzieren, sofort und auf breiter Front angenommen werden, bemühen sich viele Start-ups, potenzielle Kunden für die Vorteile ihrer Ideen zu begeistern.

Neue Geschäftsmodelle, bei denen Start-ups aufgrund ihrer Technologien einen Prozentanteil der Ertragssteigerung pro Hektar als Vergütung erhalten, sind vielleicht ein Weg, damit Technologie besser angenommen wird. Sie weisen den Weg in eine Zukunft, in der Start-ups und etablierte Unternehmen mit den Erzeugern erfolgreich zusammenarbeiten.

Weder etablierte Akteure noch Start-ups dürfen die Zusammenarbeit unterschätzen, wenn es darum geht, auf der Innovationsleiter oben zu bleiben und sich ein wichtiges Stück einer schnell wachsenden Präzisionslandwirtschaft zu sichern. Wie die diesjährige Agritechnica herausstellen wird, müssen alle entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten, um eine nachhaltige Lebensmittelproduktion sicherzustellen und zu ermöglichen.

Da technologische Entwicklungen weltweit schnell vor sich gehen, müssen die Unternehmen sicherstellen, dass sie in relevante Innovationssysteme integriert sind. Während Start-ups spezifische Technologien voranbringen, müssen etablierte Unternehmen für ihre Entwicklungspläne einen Portfolioansatz wählen.
Zusammenarbeit bedeutet mehr als nur neue technologische Ideen zu verwirklichen. Alle müssen sich darüber im Klaren sein, dass Lösungen der Präzisionslandwirtschaft integrierte, skalierbare Plattformen erfordern, die über Produkte und Branchen hinweg wirksam eingesetzt werden.

Skaleneffekte und Entwicklungspartnerschaften bilden wesentliche Erfolgsfaktoren, um die Entwicklungskosten zu reduzieren. Da die Landwirtschaft ein sehr komplexes Gebiet ist, werden unterstützende Partner die Zeit bis zur Marktreife spezifischer Anbauprodukte beschleunigen. So lassen sich Marktanteile gewinnen und verteidigen. 

Der Landwirt von morgen wird ein technologiegestützter und -affiner Manager sein. Höhere Qualifikation und aufwändigere Geschäftsmodelle führen hoffentlich zu besseren Margen. So gelingt Nachhaltigkeit für alle Glieder der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette.