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Dürre Aussichten

Da Weizen meist ohne Bewässerung angebaut wird, ist der natürliche Niederschlag vor und während der Vegetationsperiode entscheidend für eine gute Ernte. Weizen kann Trockenphasen relativ lange gut überstehen und hat einen vergleichsweise geringen Wasserbedarf. Aber langanhaltende Dürreperioden wirken sich auch bei ihm negativ aus. So waren lange Trockenperioden ein Mitauslöser der Nahrungsmittelpreiskrise von 2007 bis 2008 (Headey, 2009). Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Dürren zukünftig in mehreren wichtigen Weizenanbaugebieten gleichzeitig auftreten und ernste Versorgungsengpässe eintreten? Das hat ein internationales Team unter Beteiligung der Universität Göttingen nun untersucht.

Drei Szenarien für die Zukunft des Weizens

In dieser Studie wurde die Wahrscheinlichkeit gleichzeitiger Dürreperioden in geografisch entfernten Weizenanbaugebieten auf verschiedenen räumlich-zeitlichen Skalen abgeschätzt und eine repräsentative Auswahl globaler Klimamodelle und Emissionsszenarien berücksichtigt.
Die Projektionen zeigen ein beunruhigendes Bild: Bis zum Ende des Jahrhunderts würde demnach das Risiko für extreme Dürreperioden, die wichtige Anbauregionen gleichzeitig treffen, im schlimmsten Fall auf das Drei-bis Vierfache ansteigen. Damit könnten bis zu 60 Prozent der derzeitigen Weizenanbaugebiete gleichzeitig betroffen sein.

Sollten wir entsprechend des Pariser Klimaabkommens das Zwei-Grad Ziel noch erreichen, würde sich das Risiko zwischen 2041 und 2070 im Vergleich zu den beiden anderen Szenarien zwar erheblich verringern, aber trotzdem im Vergleich zu heute verdoppeln. Insgesamt hat Europa mit den meisten Dürren bei allen Szenarien zu rechnen. Europa würde also mehr als jede andere Region von einer Verringerung der Treibhausgasemissionen profitieren, prognostizieren die Beteiligten.

Weltweite Ernährungssicherheit gefährdet

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass unter den künftigen Klimabedingungen das Risiko für Extremereignisse stark erhöht ist. Dies würde wahrscheinlich alle Marktteilnehmer treffen, angefangen von direkten Einflüssen auf Subsistenzlandwirte bis hin zu preisbedingten Veränderungen auf den internationalen Märkten, schreiben die Autoren.

„Wenn die Wahrscheinlichkeit, dass solche Ereignisse gleichzeitig passieren, aufgrund des Klimawandels weiter zunimmt, hat das deutliche Auswirkungen auf das zweite Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen, den Hunger in der Welt bis 2030 zu eliminieren“, betont der an der Studie beteiligte Wissenschaftler Reimund P. Rötter von der Universität Göttingen. Denn die Studie belegt, dass selbst die stärksten in den Szenarien angenommenen Reduktionsmaßnahmen die Zunahmen von Dürren nicht verhindern können.

Es muss etwas getan werden!

Das macht rechtzeitige Anpassungsmaßnahmen dringlich erforderlich. Die Forscher appellieren daher an die Politik, ambitionierte und wissenschaftsbasierte Maßnahmen zu ergreifen sowie Rahmenbedingungen zu schaffen, um den bevorstehenden Herausforderungen – auch auf sozialer Ebene – entgegenzuwirken.

Aber auch gezielte Maßnahmen auf landwirtschaftlicher und züchterischer Seite müssen angestoßen werden. Dabei geht es beispielsweise um eine Verlegung der Anbauzeit, ein Umstieg auf vollständige oder teilweise Bewässerung, die Steigerung der Wassereffizienz in der Landwirtschaft sowie neue Sorten mit erhöhter Trockenheits- und Hitzetoleranz. Und das gilt nicht nur für den Weizenanbau, sondern auch für viele andere Feldkulturen.

Dies ist ein Auszug aus einem Beitrag auf der Plattform pflanzenforschung.de. Weitere Informationen unter Trockenheit bedroht viele Anbauregionen weltweit