Zum Hauptinhalt springen

Weniger Winter, mehr Sommer im Ackerbau

Bereits im dritten Jahr zeigt sich der Raps im Herbst als Problemkultur. Aufgrund der ausgeprägten Trockenheit in einigen Ackerbauregionen, so auch im Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrum (IPZ) in Bernburg, war der Feldaufgang während der vergangenen Jahre mehr als bescheiden. Das Verbot der Neonikotinoid-Beize und die eingeschränkte Herbstdüngung zeigen Konsequenzen: Der Aufwand, einen ordentlichen Rapsbestand zu etablieren, steigt immens. Schließlich nehmen niedrige Produktpreise für Raps vielen Landwirten die Lust an der Kultur.

Die Trockenheit lässt regional auch bei der Weizenaussaat Zurückhaltung walten. Die anteilige Winterweizenanbaufläche wird teils heruntergefahren, um das Risiko schwacher Bestände vor dem Winter zu vermeiden. Die Anbaustrukturen ändern sich. Fragen nach Alternativen im Anbau und in der Betriebsorganisation werden lauter gestellt.

Die Hoffnung auf ausreichend Niederschläge stirbt jedoch zuletzt. So wetten die Ackerbauern auf ausreichend Niederschläge bis zum nächsten Frühjahr, um dann mit Sommerkulturen durchzustarten: Zuckerrüben, Erbsen und Mais stehen ganz oben auf der Liste. Zuckerrüben können wegen ihrer vergleichsweise langen Standzeit spätere Niederschläge gut nutzen. Bei Erbsen kommt es vor allem auf eine ausreichende Wasserversorgung während der Blüte an. Bleibt diese aus, bricht der Hülsenansatz ein und die Erträge bleiben niedrig. Mais kann als C4-Pflanze vergleichsweise gut hohe Temperaturen und Trockenheit tolerieren – sofern er wenigstens im August zur Kolbenbildung wieder ausreichend Wasser erhält. Doch auch diese Kulturen sind kein Goldesel. So ist es entscheidend, die Vermarktung bereits früh zu klären, um die Abnahme zu sichern.

In der Betriebsorganisation heißt der Strategiewechsel „weniger Winter-, mehr Sommerkulturen“, sprich: eine Umstellung der Feldarbeitstage vom Herbst auf das Frühjahr. Arbeitsspitzen können so im Herbst etwas entzerrt werden, während Zuckerrüben, Erbsen und Mais im Frühjahr direkt nacheinander in den Boden kommen. Die Planung sollte dann ganz gut laufen.

Ob diese Umstellungen nur kurzfristige Notmaßnahmen bleiben oder die Zeitverschiebung in das Frühjahr sich als eine längerfristige Strategie erweist, müssen Wetter- und Marktentwicklungen im kommenden Jahr zeigen.