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Bio-Getreide und -Ölsaaten

Berthold Dreher und Andreas Engemann zur Ernte und der Lage auf den Märkten

Öko-Weizen

Beim Weizen fallen die Qualitäten deutschlandweit sehr gemischt aus. Es gibt Partien mit sehr hohen Klebergehalten, teilweise auch jenseits der 35 Prozent. Zugleich gibt es viele Partien von Futterqualität auf dem Markt. Die Qualitäten im Mittelfeld sind eher selten und regional eher im Süden Deutschlands zu finden. Es gibt einige fallzahlschwache Partien, da es doch einige Regenschauer zur Ernte gegeben hat.

Weizensteinbrand ist leider ebenfalls noch bei einigen Partien ein Thema. Diese bodenbrütige Pilzkrankheit kann für Nichtvermarktbarkeit der Partien sorgen. Daher ist eine Vorabuntersuchung des Saatguts bei Nachbau unbedingt erforderlich. Ertragsmäßig zeigen sich die Landwirte größtenteils zufrieden. Der Absatz des Futterweizens ist momentan noch stockend, da sich die Futterwerke mit regionaler Ware eingedeckt haben sowie eher die Umstellungsware bevorzugen.

Öko-Dinkel

Die Dinkelernte ist sowohl qualitativ als auch, auf den ersten Blick, quantitativ gut ausgefallen. Auf den zweiten Blick fallen jedoch geringere Ausbeuten auf. Der Dinkel hat unter dem heißen Sommer gelitten. Die Kerne sind eher klein geblieben. Hinzu kommt, dass der Dinkel teilweise später gedroschen wurde. In Verbindung mit dem bereits genannten Regen ist es zu einigen fallzahlgeschädigten Partien gekommen. Diese finden jedoch ihren Weg als Flockenware.

Generell ist der Dinkel nicht reichlich vorhanden und die meisten Partien sind kontraktlich bereits gebunden. Hinzu kommt, dass der Dinkel teilweise mit Auflaufgetreide verunreinigt ist. Speziell mit Roggen stellt das ein Problem dar, da die Körner nicht durch eine Reinigung separiert werden können.

Öko-Hafer

Der Hafer ist in vielen Teilen Deutschlands sehr leicht. Das resultiert ebenfalls aus dem heißen Sommer und eher trockenen Frühjahr. Partien mit Hektolitergewichten über 52 kg sind umworben. Teilweise kann man das gewünschte Hektolitergewicht noch durch eine Aufreinigung erzielen. Einige Partien werden aber dennoch in die Futterschiene laufen müssen.

Öko-Roggen

Wie vor der Ernte schon vermutet, haben wir eine Flut an Roggen. Die Fallzahlen sind weitestgehend in Ordnung bis gut. Es ergeben sich kaum Neugeschäfte. Das Angebot ist groß und die Kundenseite ist zurückhaltend. Es wurden sogar schon Partien konventionell vermarktet.

Öko-Futter

Der Futtermarkt gestaltet sich aktuell ruhig. Es ist ausreichend Ware vorhanden und die Käufer halten sich zurück. Die Ausnahmen bilden hier die Leguminosen. Durch den heißen Sommer hat es bei den nationalen Landwirten Ertragseinbußen gegeben. Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen sind begehrt und das hohe Preisniveau vom Vorjahr wird bestätigt. Die gegebenenfalls fehlenden Mengen im Bedarf werden durch osteuropäische Ware aus Polen oder dem Baltikum gedeckt. Triticale ist national ausreichend vorhanden, wobei es lokal ungleich verteilt ist.

Die Körnermaisernte steht vielerorts in den nächsten Tagen an. Nach einer drei- bis vierwöchigen Regenpause in großen Teilen Deutschlands reifte der Mais schneller ab als zunächst vermutet. Aufgrund von noch immer anhaltendem Grundfuttermangel im Silomaisbereich, bleibt abzuwarten, welche Partien vielleicht doch nicht durch den Mähdrescher geerntet werden. Deutschlandweit stehen die Bestände erneut sehr inhomogen. Von katastrophal kleinen Beständen im Osten Deutschlands bis hin zu prächtigen Beständen im Süden.

Öko-Raps

Durch die schwierigen Aussaatbedingungen (große Trockenheit 2018) ist die Aussaat bei Öko-Raps in der gesamten EU stark eingeschränkt gewesen.

Auf Grund der Trockenheit sind auch die Anbauflächen in Deutschland für Öko- und Verbandsraps deutlich zurückgegangen. Die Absatzmärkte im Bereich Öko-Rapsöl und Öko-Rapskuchen steigen kontinuierlich. Vor und während der Ernte konnte noch Öko-Raps zu 900,- Euro ab Erzeugerbetrieb gehandelt werden. Zwischenzeitlich liegen die Forderungen der Erzeuger bei 1.000,- Euro/t oder darüber. Die Knappheit macht sich in allen Handelsstufen bemerkbar.

Öko-Sonnenblumen

Die Anbaufläche bei Öko-Sonnenblumen Linoleic und Higholeic weitet sich durch die Umstellung vieler Betriebe auf ökologischen Landbau deutlich aus. Es werden weit größere Mengen an Öko-Sonnenblumen und Verbandssonnenblumen Bioland, Naturland und Biokreis angeboten.
Allerdings stockt in diesem Bereich vor allem der Absatzmarkt bei Verbandsölen.

Im Bereich Sonnenblumenkuchen ist der Markt hingegen noch lange nicht gesättigt. Hier gibt es immer noch große Importe aus den Nachbarländern, aber auch aus Drittländern wie Ukraine und China. Sehr intensiv wird aktuell der Öko-Palmölverzicht von größeren Verarbeitern diskutiert. Dies würde sich nochmals deutlich auf den Absatzmarkt Sonnenblumenöl Higholeic niederschlagen und einen großen Bedarf auslösen.

Öko-Sojabohnen

Durch die großen Bemühungen der letzten Jahre wurde der Öko-Sojabohnenanbau in Deutschland deutlich ausgeweitet. Allerdings sind die Preise in den letzten beiden Jahren doch deutlich gefallen. Oftmals kommen bei den Erzeugerbetrieben nur noch 700,- bis 730,- Euro/t an.
Dies dämpft die Ausweitung der Anbaufläche doch deutlich. Aktuell sind die Lager bei Sojabohnen und Sojakuchen komplett geräumt. Bei den Preisen werden derzeit 750,- Euro/t ab Erzeugerbetrieb aufgerufen. Die Bedarfsmengen können natürlich nicht annähernd von deutscher Ware gedeckt werden und auch hier gibt es große Importe aus der EU und vor allem aus Drittländern.

Öko-Leinsaat/Öko-Leindotter

Bei diesen Saaten steigt der Anbau innerhalb Deutschlands stetig, speziell beim Öko-Leindotter entwickelt sich auch der Markt sehr kontinuierlich. Der Großteil dieser Saaten kommt allerdings nach wie vor aus dem EU-Ausland und bei Öko-Leinsaat ist Kasachstan ein Hauptlieferant.