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Tierwohl steigern, Wertschöpfung sichern

Verändern kann man viel, es bringt aber nur wenig, wenn man nicht selbst voll und ganz hinter der Veränderung steht. Diese sinngemäße Aussage von Christoph Becker bei der Plenumsveranstaltung der DLG-Unternehmertage hat sicher den einen oder anderen Teilnehmer zum Nachdenken angeregt.

Becker begann vor etwa fünf Jahren damit, seine Form der Schweinehaltung mehr auf die Bedürfnisse der Tiere auszurichten und hat dies aus tiefster Überzeugung heraus getan. Sein Fazit heute: Durch die Umstellung profitieren nicht nur die Schweine, sondern auch sein Betrieb, denn die umgesetzten Maßnahmen versetzten ihn in die Lage, an mehreren Tierwohlprogramen teilzunehmen. Dadurch konnten ein Großteil der Mehrkosten gedeckt und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten werden.

Die Erfahrungen, die Becker in den letzten Jahren gesammelt hat, stellt er nicht nur auf DLG-Veranstaltungen zur Diskussion, er teilt sie auch mit Berufskollegen in Netzwerken, wie den Modell- und Demonstrationsbetrieben (MuD). Zwei weitere Praktiker aus diesen Netzwerken zeigten im anschließenden Arbeitskreis auf, was Zukunftsfähigkeit in Bezug auf die Schweinehaltung für sie ganz persönlich bedeutet:

Ralf Remmert aus der Prignitz (Brandenburg) sieht sich mit seinem selbst entwickelten Stallsystem irgendwo „zwischen Konventionell und Bio“. Ausgangspunkt seines Systems ist eine Kot-Harntrennung, welche dazu führt, Emissionen im Stall erst gar nicht entstehen zu lassen. Und das von der Geburt/Abferkelung bis zur Schlachtung. Mit seiner „Schweinetoilette“ leistet Remmert einen aktiven Beitrag zur Entschärfung des Zielkonflikts zwischen Tierwohl und Umweltschutz.

Sein Appell lautet daher: „Wir müssen uns klar darüber werden, was der Kunde will und schauen, ob und wie wir das umsetzen können.“ Über seine Direktvermarktung ist er allerdings auch nah am Kunden dran.

Gleiches gilt auch für Rudolf Brunner aus der Oberpfalz (Bayern), der seinen Betrieb 2009 auf Bio umgestellt hat und nach Naturland-Vorgaben Marktfrüchte und Schweine produziert. Während der Umstellung hat Brunner zahlreiche Erfahrungen sammeln können und gab den umstellungswilligen Betrieben ein paar wertvolle Hinweise mit auf den Weg. Wie zum Beispiel die Empfindlichkeit von Schweinen gegenüber Wetterumschwüngen, was sich anfangs immer in erhöhtem Schwanzbeißgeschehen manifestierte. Heute hat er dieses Phänomen im Griff und produziert sowohl Langschwänze als auch immunokastrierte Eber, die er problemlos vermarkten kann.

Abgerundet wurde der Arbeitskreis durch die Vorstellung des Wertschätze-Programms der Lebensmittelkette Kaufland durch Dr. Clemens Dirscherl. Er zeigte auf, wie sich die Verbraucher-Erwartungen über die letzten 60 Jahre verändert haben und wie die gesamte Wertschöpfungskette darauf reagieren muss. Dabei werden die Ansprüche immer spezieller. Letztlich gehe es darum, Wertschätzung gegenüber dem Tier, dem Fleisch, dem Erzeuger, aber auch dem Kunden auszudrücken. Und das funktioniert nur gemeinsam – bei Kaufland zum Beispiel in Form einer vertraglichen Bindung.

Bei der Frage, wie die Verträge inhaltlich und von der Dauer her gestaltet werden sollten, gingen die Meinungen bei den Teilnehmern erwartungsgemäß auseinander. Fakt ist aber, dass Tierwohlprogramme für Schweinehalter in bestimmten Regionen durchaus eine Chance sein können, Mehrkosten durch Umbaumaßnahmen und Managementanpassungen zu kompensieren. Die Kunst wird allerdings sein, beziehungsweise bleiben, dies auch für die breite Masse der Erzeuger in Deutschland umzusetzen.

Weitere Informationen zum Arbeitskreis Schweinehaltung sowie zu den DLG Unternehmertagen 2019 in Magdeburg finden Sie als DLG-Mitglied hier.