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Den Waldboden stabilisieren

Erinnern Sie sich noch an den „sauren Regen“ und das „Waldsterben“ der 1980er-Jahre? Lokale Waldschadenbilder waren schon vorher bekannt, aber seit Mitte der 1970er-Jahre veränderte sich die Symptomatik: So erreichten Waldschadenbilder mit starken Schädigungen mehrerer Baumarten eine weite geographische Verbreitung und traten auch weitab von Industriestandorten auf.

Hinzu kam eine breite Kommunikation dieser Themen in die Publikumsmedien. Damit wurde das Waldsterben eines der bedeutendsten Umweltthemen in den deutschsprachigen Ländern. Man war sich quasi sicher, dass der Waldbestand in Gefahr und die Wälder in naher Zukunft großflächig vom Absterben bedroht seien.

Ursachen und Abhilfen

Ursächlich für die Waldschädigung sind mit dem „sauren Regen“ Niederschläge, deren pH-Wert mit etwa 4,2 bis 4,8 zu bestimmen war. Durch aus der Luft aufgenommene Abgase liegen diese somit deutlich unter den sonst für reines Regenwasser gemessenen pH-Werten von 5,5 bis 5,7. Insbesondere bei der Verbrennung schwefelhaltiger fossiler Brennstoffe, das heißt Kohle und Erdöl, entstehen in der Atmosphäre letztlich Schweflige und Schwefelsäure, die durch den Regen wieder aus der Luft herausgewaschen werden.

So ist auch nachvollziehbar, dass vor allem Wälder geschädigt wurden, die in Regionen mit häufigen und ergiebigen Niederschlägen und im Vergleich eher niedrigen Jahresdurchschnittstemperaturen liegen, das heißt vor allem in Wäldern der höheren Mittelgebirgslagen und in den Alpen.

Zur Abhilfe wurden zwei wesentliche Strategien genutzt: Bis heute zielen immer weiter verschärfte Maßnahmen zur Luftreinhaltung auf eine Bekämpfung des sauren Regens als Ursache der Schäden ab. Verpflichtende Rauchgasentschwefelungsanlagen bei Kraftwerken und Entfernung des Schwefelanteils aus Kraftstoffen führten dazu, dass entsprechende in den 1980er-Jahren eingeführte international gültige Grenzwerte heute de facto nicht mehr überschritten werden. Ganz eliminieren lässt sich ein Säureeintrag in die Atmosphäre allerdings nicht, denn in modernen Motoren entstehende Stickoxide tragen – neben anderen Schadwirkungen – auch über die Bildung von Salpetriger beziehungsweise Salpetersäure zur Versauerung des Regens bei.

Damit kommt der Bodenschutzkalkung als zweiter Strategie ebenfalls eine wichtige Bedeutung zu. Sie ermöglicht eine lokale Bekämpfung der Symptome durch Neutralisieren saurer Niederschläge und somit der Stabilisierung des Boden-pH-Werts.

Bodenschutzkalkung

Wie in der modernen Landwirtschaft, wird heute auch im Forstbereich bedarfsorientiert gehandelt, das heißt der aktuelle Zustand des Waldbodens bestimmt, ob eine Kalkung erfolgen sollte. Hierzu werden für den jeweiligen Standort aktuelle Säurebelastungen bestimmt und zum Beispiel auch auf Basis der Einschlagmenge Nährstoffbilanzen aufgestellt.

Hinzu kommen die Bestimmung der Nährstoffversorgung der Bäume über Nadel- und Blattanalysen sowie Bodenproben. Sinkt der pH-Wert im Wurzelraum des Mineralbodens unter 4,2 und/oder fällt die Basensättigung auf unter 20 Prozent, ist eine zeitnahe Bodenschutzkalkung angezeigt. Gestützt auf GPS-basiertes, digitales Kartenmaterial werden überwiegend im Herbst und Winter per Hubschrauber entsprechende Kalkmengen ausgebracht.

Im Bundesland Baden-Württemberg beispielsweise werden im Rahmen einer landesweiten Waldboden-Fruchtbarkeitsstrategie seit den 1980er-Jahren rund 15.000 ha Waldfläche pro Jahr gekalkt. Der positive Effekt wurde in den Bodenzustandserhebungen, also langfristig angelegten Bodenuntersuchungsreihen, eindrucksvoll bestätigt. Auf gekalkten Flächen steigt der Boden-pH signifikant deutlicher an als im Landesschnitt, außerdem verbessert sich die Calcium- und Magnesium-Belegung am Austauscher bis in eine Tiefe von 60 cm.

Auf die Qualität kommt es an

Die Forstbehörden in Baden-Württemberg setzen seit rund zehn Jahren Gemische aus Kalkstein (Dolomit), Holzasche und Wasser für die Bodenschutzkalkung ein.

Holzasche hat sich als Ersatz des früher verwendeten Kaliumsulfats bewährt, um einen über Bodenproben nachgewiesenen Kalium- und Phosphormangel auszugleichen. Qualitätsgesicherte Holzaschen waren aber regelmäßig nicht oder nicht regional und in ausreichenden Mengen verfügbar. Auch erfasste die reine Qualitätssicherung der Holzaschen nicht die gleichbleibende, hohe Qualität des verwendeten Dolomitkalks, was im Rahmen von Ausschreibungen zu einem erheblichen Mehraufwand führte, um vergleichbare Angebote zu erhalten.

In Kooperation mit der Forstdirektionsabteilung des Regierungspräsidiums Freiburg und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt des Landes Baden-Württemberg hat das DLG-Testzentrum deshalb eigene Qualitätskriterien für Dolomit-Holzasche-Gemische zur Bodenschutzkalkung im Wald entwickelt. Basis sind DLG-geprüfte Dolomitkalke, das heißt solche, die bereits ein DLG-Qualitätssiegel tragen. Hinzu kommen Holzaschen, die entweder der RAL-Gütesicherung unterliegen oder die Anforderungen des DLG-Prüfrahmens erfüllen und ein Endprodukt mit nachgewiesener, gleichbleibend hoher Qualität sicherstellen.

Fazit und erste Produkte

Für die Forstbehörden ergeben sich über den Einkauf definierter und qualitätsgesicherter Produkte erhebliche Vereinfachungen bei der Ausschreibung und Vergabe der Bodenschutzkalkungsmaßnahmen. Außerdem schafft das DLG-Qualitätssiegel hier mehr Rechtssicherheit im Rahmen der Förderung von EU, Bund und Land. Inzwischen haben die drei Unternehmen Gförer, Trollius und Zimmermann insgesamt sechs Produkte erfolgreich zur Prüfung vorgestellt, deren Prüfberichte sukzessive kostenfrei auf www.DLG-Test.de zur Verfügung stehen.

Allen gemein ist, dass sie auf einen DLG-geprüften Dolomitkalk mit eigenem DLG-Qualitätssiegel aufsetzen. Die zugesetzte Holzasche muss in der Wareneingangskontrolle kontinuierlich alle Anforderungen hinsichtlich Glühverlust, Nähr- und Schadstoffgehalten einhalten. Auch das Endprodukt wird kontinuierlich und engmaschig auf wichtige Qualitätskriterien, wie Nährstoff- und Feuchtegehalt, pH-Wert, Glühverlust und Mahlfeinheit, kontrolliert.

Die Autorin: Dagmar Pfau, DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel
d.pfau@DLG.org

Hier der Link zu den DLG-Prüfberichten