Zum Hauptinhalt springen

Anforderungen im Ackerbau meistern

Ackerbauern sehen sich neuen und vertieften Anforderungen gegenüber, die sich letztlich aus den zunehmend konkretisierten Ansprüchen der Gesellschaft ableiten. Auch wenn nicht so viele Verbraucher tatsächlich das kaufen, was sie bei Befragungen erwarten, wächst die Nachfrage nach bio & vegan, regional, klimaneutral oder energieeffizient produzierten Lebensmitteln.

Diesem „mainstream“ folgt auch die Politik; Frau Klöckner will mit dem staatlichen Tierwohllabel den Verbraucher besser informieren und überlässt Frau Schulze die „Rettung“ der Insekten durch Begrenzung des chemischen Pflanzenschutzes. In Kürze erwartet die EU-Kommission von Deutschland bessere Düngeregeln zum Schutz des Grundwassers.

Wie können Landwirte darauf reagieren und die Anforderungen erfüllen?

Cord-Constantin Paeschke bewirtschaftet einen luf Betrieb im Regenschatten des Harzes und setzt auf standortangepasste Fruchtfolgen und Bestandesführung im Sinne des Integrierten Pflanzenbaus. Blattfrüchte (inklusive Mais) erreichen knapp 50 Prozent Anbauanteil, und auf den leichteren Flächen kommt Roggen zum Einsatz. Gärreste aus der Biogasbeteiligung werden gezielt zu den Blattfrüchten ausgebracht.

Überhaupt ist ihm der Humuserhalt wichtig, so sind Zwischenfrüchte Standard, die nach seinen Erfahrungen die Wasserversorgung der Folgefrüchte positiv beeinflussen. Den Pflug setzt er dann ein, wenn er gebraucht wird; Beikräuter und -gräser versucht er eher über die Fruchtfolge in die Schranken zu weisen.

Schon in seinem Plenumsvortrag auf den DLG-Unternehmertagen hatte Ludger Deters über seine Strategien zur Pflanzenernährung berichtet, die auf den an seinem leichten Standort im Emsland anfallenden Wirtschaftsdünger hin ausgerichtet ist. Dabei setzt er auf Analysen von Boden, Pflanze und Düngemittel, um Nährstoffbedarf und -zufuhr möglichst genau zu bestimmen. Seine moderne Ausbringtechnik hilft ihm, das auch termingerecht auf dem Acker umzusetzen. Kalk ist ihm für alle Bodenfunktionen unentbehrlich, hier sollte nicht gespart werden.

Tjard Ommen berät Ackerbaubetriebe im Raum Oldenburg und an den Küsten. Mit einem Gesellschafter betreibt er die plantus GbR, die pflanzenbauliche Versuche durchführt. Seine Werkzeuge sind Fruchtfolge und Bodenbearbeitung, die er an die jeweilige Situation anpasst. Beide entfalten, durchdacht angewandt, positive Hygienewirkungen auf den Boden, die Etablierung der Bestände und vermindern die Konkurrenz durch andere Organismen. Hohe Raps- und Getreideanteile ohne Sommerungen haben diese Wirkungen in der Vergangenheit stark zurückgedrängt.

Ommen setzt in seinem Beratungsgebiet auf „moderne“ Fruchtfolgen mit Sommerungen wir Kartoffeln, Mais und Ackerbohnen. Letztere passen gut auf gute Böden und haben mittlerweile eine regionale Marktposition aufbauen können. Da ein nennenswerter Anteil in die Humanernährung fließt, ergeben sich auch auskömmliche Deckungsbeiträge in der Fruchtfolge.

Eine Fruchtfolge ist aber erst „rund“, wenn auch die Bodenbearbeitung dazu passt sowie Sortenwahl, Düngung und Pflanzenschutz auf die veränderten Verhältnisse zugeschnitten sind. Querdenken ist gefragt!

In der Diskussion wird angemerkt, dass die engen Fruchtfolgen – rückblickend – zu lange Stand der Technik waren. Raps-Weizen-Weizen passte auf vielen Standorten, war einfach zu mechanisieren und zu führen. Bei der Wieder-Erweiterung ist aber standortspezifisch vorzugehen: Ackerbohne, Mais, Lupine, Sonnenblume, Kartoffel und diverse andere haben spezifischere Ansprüche; es gilt, sie passend einzusetzen und gegebenenfalls parallel die Märkte zu entwickeln. Hier sind Zuchtfortschritte dringend nötig, aber auch erst erwartbar, wenn der Nachfragedruck wächst.

Vergessen werden darf nicht, dass mit weiteren Fruchtfolgen zwar eine Risikostreuung und ein Entzerren von Arbeitsspitzen möglich wird, sich aber gleichzeitig der Maschinenpark ausdehnen kann, zum Beispiel für mechanische Beikrautregulatoren (Hacke, Striegel).

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, möchten Zuhörer, die nach „Biodiversität als Fruchtfolgeglied“ fragten. Dem wollte das Podium nicht so recht folgen, denn die Wirkung entfalte sich besser auf mehrjährig genutzten, schwächeren Standorten.

Weitere Informationen zum Arbeitskreis Ackerbau sowie zu den DLG-Unternehmertagen 2019 in Magdeburg finden Sie als DLG-Mitglied hier (https://www.dlg.org/de/landwirtschaft/veranstaltungen/dlg-unternehmertage/tagungsunterlagen/)