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Handeln in Umbruchzeiten – DLG-Unternehmertage 2019

Hubertus Paetow zu den Unternehmerherausforderungen unserer Zeit

Obwohl die Trockenheit und Hitzewelle im Juni und Juli im Weizen Ertrags- und Qualitätseinbußen zur Folge hatten, konnte mit regionalen Ausnahmen insgesamt für 2019 eine durchschnittliche Getreideernte eingefahren werden. Die Futterknappheit spitzt sich hingegen bei den Milcherzeugern ähnlich wie 2018 zu: Der dritte Grünlandschnitt ist mager und mancherorts ganz ausgefallen. Zwar hatten auch die Maisbestände unter der Trockenheit gelitten, doch die Regenfälle der letzten Wochen machen dennoch Hoffnung auf eine zufriedenstellende Ernte.

Auch wenn die trockenheitsbedingten Herausforderungen für uns Landwirte akut in den Vordergrund rücken, so bleiben uns im Hinterkopf stets auch die grundsätzlichen Handlungsfelder erhalten:
Die gesellschaftlichen Anforderungen an Tier-, Umwelt- und Klimaschutz werden in Zukunft unsere Rahmenbedingungen mehr denn je bestimmen. Staatliche Regulierungen auf der einen Seite und Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels auf der anderen Seite werden zunehmen. Der LEH ist es auch, der durch die Kennzeichnung von Haltungsverfahren und mit Nachhaltigkeitskriterien zunehmend für Differenzierung im Fleisch- und Milchmarkt sorgt. Und auch die Produkte aus dem Ökolandbau haben ihren Weg in die Regale der Supermärkte gefunden.

Anders als in der Vergangenheit steht nicht mehr allein der Fortschritt im Mittelpunkt, der eine Steigerung von Effizienz und Produktivität bringt und damit leicht zu erfassen ist, sondern es sind die zunehmenden Anforderungen an die Produktionsverfahren selbst, die uns Landwirten Veränderungen in der Erzeugung, der Vermarktung und letztendlich in der gesamten Wertschöpfungskette diktieren. Ob Biodiversität, Artenvielfalt, Humusaufbau, Stickstoffeinträge oder Pflanzenschutzmittelintensität – mehr denn je prägen Verbesserungen der Umweltbilanz und der Klimawirkungen sowie weiche Faktoren rund um das Thema Tierwohl die unternehmerischen Rahmenbedingungen.

Auch wenn einige Ziele aus produktionsbezogener Sichtweise miteinander konkurrieren und eine noch zu lösende Aufgabe aller Beteiligten darstellen, ist unternehmerisches Handeln in diesem sich ändernden Umfeld der zentrale Erfolgsfaktor. Das gilt sowohl für die Weiterentwicklung der Verfahren in Ackerbau und Tierhaltung als auch für die Vermarktung der Produkte. So ist bei einer erweiterten Fruchtfolge neben der Auswahl einer pflanzenbaulich vorzüglichen Fruchtart auch die wirtschaftliche Attraktivität ausschlaggebend. Eine aktive Erschließung neuer Absatzwege, die den erbrachten Mehraufwand für Umweltleistungen honorieren, ist dazu unumgänglich. Die Erzeugung von Milch und Fleisch unter hohen Tierwohlstandards verlangt eine Umgestaltung der Ställe, die Anpassung der Tierbetreuung und benötigt schließlich ein Vermarktungskonzept mit Zugang zu zahlungsbereiten Verbrauchern.

Vor allen Entscheidungen steht aber die Ideensammlung für die optimale, auf den Betrieb zugeschnittene Lösung sowie der Austausch von Erfahrungen im Vordergrund. Die DLG-Unternehmertage in Magdeburg bieten eine ausgezeichnete Gelegenheit dazu. Ich lade Sie herzlich zu den DLG-Unternehmertagen ein.