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Zuchtviehtransporte: Moral und Gesetz

„Erfolg! Veterinärbehörden verweigern Langstrecken-Tiertransporte“ verkündete die Tierrechtsorganisation PETA am 1. Februar 2019 auf Facebook. Dieser Erfolg wurde wenig später von den ersten Verwaltungsgerichten rechtlich eingeordnet. Denn die betroffenen Zuchtverbände klagten gegen die Verweigerung, Vorlaufatteste für den Export von Zuchtrindern auszustellen.

Die Vorlaufatteste sind notwendig, um Rinder in andere Länder exportieren zu können. Das Verwaltungsgericht Schleswig stellte als erstes von vielen klar, dass die in Frage stehenden Zuchtrinderexporte durchgeführt werden können. Aus Sicht des Gerichts seien alle Bedingungen der europäischen Tiertransportverordnung erfüllt, so dass die Transporte nicht verweigert werden dürften. Doch was war der Hintergrund des Rechtsstreits?

Ein Richter und ein Amtsveterinär veröffentlichten einen Beitrag in einer Zeitschrift für Amtsveterinäre. Die Autoren berichteten, dass sich Amtstierärzte der Beihilfe zur Tierquälerei schuldig machen können, wenn sie Vorlaufatteste für den Export von Zuchtrindern ausstellen oder den Transport von Zuchtrindern genehmigen. Des Weiteren seien die Transportbedingungen nicht immer tierschutzkonform. Einige Amtsveterinäre schienen durch diesen Beitrag verunsichert und weigerten sich Vorlaufatteste auszustellen.

Die Verunsicherung der Behörden ist nachvollziehbar. Allerdings ist nach den Urteilen der Verwaltungsgerichte klar, dass Vorlaufatteste ausgestellt werden müssen und sich Amtsveterinäre nicht beim Ausstellen von Vorlaufattesten der Beihilfe schuldig machen.

Das ureigene Interesse der Zuchtverbände ist es, dass die Tiere vor, während und auch nach dem Transport tierwohlgerecht behandelt werden. Jeder berechtigten Kritik stehen die Zuchtverbände offen gegenüber. Diese muss aber auf Fakten basieren. Die Zuchtverbände stehen dazu, dass geltendes Recht eingehalten werden muss – von allen Beteiligten.