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Integrierter Pflanzenbau im Wandel der Zeit

Für mich als Landwirt in einer Trockenregion Deutschlands, am nördlichen Rand der Magdeburger Börde, stellte sich das Dürrejahr 2018 und auch noch das folgende Jahr 2019 als eine große ackerbauliche Herausforderung dar.

Im Rahmen des Integrierten Pflanzenbaus bündeln wir eine Fülle von Maßnahmen in unserem Ackerbausystem, die eine hohe nachhaltige Intensität des Ackerbaues und eine Steigerung der Biodiversität zum Ziel haben. Eine standortangepasste organische Düngung mit eigenen Gärresten unterstützt das Bodenleben und die Pflanzenversorgung.

So praktizieren wir eine mindestens vierjährige Fruchtfolge mit fast ständigem Wechsel zwischen Halm- und Blattfrucht sowie integrierter Zwischenfrucht vor zum Beispiel Mais oder Zuckerrüben. Diese Fruchtfolge soll sowohl ökologischen als auch ökonomischen Zielen unseres Betriebes gerecht werden.

Außerdem soll durch eine standortangepasste Bodenbearbeitung der Pflanzenschutzmitteleinsatz vermindert werden. Zudem versuchen wir intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen mit extensivem Grünland oder ökologischen Vorrangflächen zu vernetzen, um so die Biodiversität im Betrieb zu erhöhen.

In der hiesigen Trockenregion können Zuckerrübe und Silomais häufig von Niederschlägen profitieren, die für das Getreide schon zu spät kommen. Auch unter erschwerten Anbaubedingungen, zum Beispiel fehlende Beize von Zuckerrübe und Winterraps, bleiben diese Ackerfrüchte trotz ihrer verringerten Marktleistung wichtige Fruchtfolgeglieder. Alternativfrüchte haben entweder schlechtere Marktleistungen (zum Beispiel heimische Leguminosen) oder sind züchterisch noch nicht so stark bearbeitet (Sojabohne). Andere Getreidearten wären ebenfalls nur eine geringe Hilfe, die Fruchtfolge zu strecken.

Auf unseren schluffigen Lössböden und lehmigen Sanden ist es eine ständige Herausforderung, ein optimales Saatbett für die Kulturen zu schaffen, Stroh gut einzumischen oder Ungräser mechanisch zu bekämpfen und gleichzeitig Bodenwasser über die ganze Vegetationsphase bestmöglich zu nutzen. Dazu ein kurzes Beispiel:

Um den Raps überhaupt zum Keimen zu bringen, mussten wir 2018 das in tieferen Schichten noch vorhandene Bodenwasser direkt an das Rapskorn bringen und den Boden anschließend rückverfestigen. Die Aussaat erfolgte dann direkt nach dem Pflug. Viele verschiedene Mulch- oder Direktsaatverfahren konnten das im Dürrejahr 2018 in meiner Region nicht leisten. Auch Niederschlag nach der Aussaat blieb größenteils bei uns aus.

Das Wachstum des Rapses war im Vergleich zu anderen Flächen relativ zügig, sodass auch unter diesen widrigen Bedingungen der Rapsbestand schnell die Reihen geschlossen hat. Häufig ist zu beobachten, dass ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett wie ein Kickstart für Raps wirkt. Restbodenwasser und Nährstoffe nahe am Rapssamen können anscheinend schnell erschlossen werden.

Bei der folgenden Getreideaussaat war der Boden nach wasserzehrenden Vorfrüchten wie Zuckerrüben und Silomais so ausgetrocknet, dass eine tiefere Bodenbearbeitung gar nicht mehr möglich war und das folgende Getreide größtenteils nur als Mulchsaat zu bestellen war. Hier keimte der Weizen erst etwas verspätet nach einsetzendem Niederschlag.

Natürlich soll man sein Ackerbaukonzept nicht ausschließlich nach den Katastrophenjahren ausrichten, es zeigt aber, dass Flexibilität und individuelle Lösungen für unterschiedliche Standorte und vor allem für unvorhersehbare Wetterereignisse immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Das könnte für einige Standorte auch durchaus ein rotierender Pflugeinsatz in der Fruchtfolge sein. Gerade vor dem Hintergrund steigender Resistenzen der Ungräser gegen chemische Wirkstoffe und die politische Unsicherheit, zum Beispiel in der Nutzung von Glyphosat, bleiben wir in unserem Unternehmen bis auf weiteres bei diesem flexiblen Ackerbausystem.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Aussaat 2019 und freue mich auf weitere Diskussionen auf den DLG-Unternehmertagen!

Die DLG-Unternehmertage 2019 finden
am 3. - 4. September 2019 in Magdeburg statt.

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