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Waldsterben 2.0

Maximilian von Rotenhan über die Krise, in der sich unser Wald befindet

Die Folgen des Klimawandels bedrohen unseren Wald in seiner Existenz durch Stürme, Dürre, Waldbrände und Schadorganismen. Unübersehbar sind überall die direkten Folgen der Trockenheit und aufgebrauchten Wasserspeicher: Massenvermehrung von Sekundärschädlingen und das Vertrocknen ganzer Waldflächen. Der Schadverlauf nimmt an Dynamik zu und hat sich zu einer Existenzbedrohung für zahlreiche Waldbesitzer entwickelt.

Der Verband „AGDW – Die Waldeigentümer“ spricht von aktuell 70 Mio. Festmetern Schadholz und einem geschätzten Waldverlust von etwa 110.000 ha. Diese erschreckenden Zahlen bringen auf den Punkt, was wir alle täglich in unseren eigenen Wäldern sehen und ertragen müssen.

Wir sind dem AGDW und dem Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) sehr dankbar, dass sie in der politischen Diskussion angesichts des fortschreitenden globalen Klimawandels unermüdlich klarmachen, dass die nachhaltige Waldbewirtschaftung einen unverzichtbaren Beitrag leistet, um die  Klimaschutzleistung des Waldes für die Gesellschaft und nachfolgende Generationen zu erhalten - und es macht Mut, zu beobachten, dass ihre Argumente zunehmend auch in der Politik gehört werden. Als Geschädigte sind wir weiterhin dankbar darüber, dass auch intensiv über die Honorierung der Ökosystemleistungen des Waldes in Bezug auf den „CO2-Speicher“ gesprochen und verhandelt wird.

Für Schockstarre oder Resignation bleibt uns Waldbesitzern trotz absehbarer horrender Belastungen keine Zeit: Die zur Eindämmung weiterer Schäden unverzichtbare, schnelle Beseitigung von Infektionsherden und die Wiederbewaldung aller Schadflächen mit Mischbeständen aus standortangepassten, klimastabilen Baumarten stehen kurzfristig im Vordergrund. Darüber hinaus sind aber auch unsere intensiven Waldpflegemaßnahmen, um den Wald zu stabilisieren und Mischbaumarten zu integrieren, langfristig fortzusetzen.

Die oft zu hörende Forderung, als Reaktion auf die aktuelle Krise des Waldes, vermehrt Wälder stillzulegen, wäre aber ein Bärendienst für alle Bemühungen zum Schutz des Klimas! Wir benötigen artenreiche Mischbestände aus zuwachsstarken Baumarten, die eine möglichst große Chance haben, mit den sich verändernden Bedingungen zurecht kommen und ein hohes Nutzungspotenzial bieten. Wir werden uns dabei nicht erlauben können, vielversprechende Baumarten aufgrund ideologischer Vorgaben auszuschließen, weil sie seit der letzten Eiszeit in Deutschland nicht mehr verbreitet waren.

Naturverjüngung wird immer dann das Mittel der Wahl bleiben, wenn die vorhandene Bestockung auch unter den sich verändernden Standortbedingungen Perspektiven bietet. Bei gebotenem Baumartenwechsel und zur Baumartenanreicherung ist die Pflanzung jedoch unverzichtbar und wird deshalb zwangläufig deutlich zunehmen.   

Die DLG-Waldtage 2019 vom 13. bis 15. September in Lichtenau kommen gerade zur rechten Zeit. Das gesamte Fachprogramm steht im Zeichen der aktuellen Herausforderungen. Beim Briloner Waldsymposium „Waldwende - zukunftsfähige Strategien für die Forst- und Holzwirtschaft“, dem Herzstück des Kongressprogrammes der Waldtage, kommen alle Betroffenen – vom Naturschutz, über den Waldbesitz und die Baumschulen, bis hin zur Sägeindustrie – mit ihren Sorgen und Ideen zu Wort.

Nutzen Sie die Möglichkeit, sich aus erster Hand zu informieren und an Lösungswegen mitzugestalten.

Wir würden uns freuen, Sie in Lichtenau zu sehen!