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Tierwohl in der Milchviehhaltung

Unsere Familie bewirtschaftet zusammen mit unseren langjährigen und motivierten Mitarbeitern einen Milchviehbetrieb in Oberhessen. Wir halten 260 Milchkühe mit weiblicher Nachzucht an insgesamt zwei Standorten. Das Jungvieh steht zur Aufzucht auf einem Pachtbetrieb. Unsere Kühe werden dreimal täglich gemolken und haben zurzeit eine durchschnittliche Milchleistung von ca. 12.700 kg.

Das Wohl unserer 260 Milchkühe stand für uns schon immer im Vordergrund. So wurde der erste Bauabschnitt unseres Milchviehstalles 2004 recht großzügig für damalige Verhältnisse geplant (3,80 m breiter Futtergang und 3,00 m breiter Laufgang). Im Jahr 2013 wurde der Stall um 30 m verlängert. Dies geschah unter dem Hauptaspekt mehr Platz für trockenstehende Kühe und Transitkühe zu schaffen.

Seitdem haben wir feste Gruppen, in denen unsere Kühe abkalben, und erst wenn die letzte Kuh aus dieser Gruppe gekalbt hat, wird eine neue Gruppe aus sechs Tieren zusammengestellt. Frisch abgekalbt kommen die Tiere in einen Strohstall (Gruppenhaltung bis maximal 17 Kühe). In diesem Abteil befinden sich alle Tiere mit Hemmstoffen in der Milch. Im Anschluss daran kommen die Kühe in eine der drei melkenden Gruppen und bleiben in dieser, bis sie erneut trocken gestellt werden. Alle melkenden Gruppen erhalten die gleiche Ration Futter. Eine Überbelegung findet man in unserem Betrieb seit etwas über einem Jahr nicht mehr, angefangen bei den Kälbern, bis hin zu den zu melkenden Kühen.

Dadurch, dass wir nicht nur dreimal täglich melken, sondern auch je nach Jahreszeit zwei- bis dreimal füttern und unseren Kühen an den Stirnseiten der Laufgänge Ausweichfuttertröge zur Verfügung stellen, können wir in einem dreireihigen Liegeboxenlaufstall ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1,2 gewährleisten. Hierdurch finden kaum noch Verdrängungen statt. Dazu trägt auch bei, dass die erstlaktierenden und rangniederen Kühe ab der zweiten Laktation in einer Gruppe sind, die anderen älteren Kühe dann in einer der anderen beiden Gruppen.

Die Liegeboxen werden einmal im Monat mit einem Strohkalkgemisch eingestreut, zusätzlich werden die Boxen zweimal wöchentlich mit Kalk und zweimal wöchentlich mit Häckselstroh drüber gestreut.

Um bei hohen Außentemperaturen den Hitzestress im gesamten Stall zu reduzieren, versuchen wir auch im Sommer durch Ventilatoren in allen Bereichen eine ausreichende Luftzirkulation zu schaffen. Es hängen über dem Laufgang drei große Deckenventilatoren, über dem Vorwartebereich hängt ein zusätzlicher Ventilator, genauso wie im Strohbereich, und im Melkstand ist ein Lüftungsschlauch aufgehängt worden.

Ein ganz wichtiger Punkt, der in unseren Augen zu mehr Tierwohl in der Milchviehhaltung führt, ist, dass wir gezielt darauf achten, dass die Kühe möglichst wenig Stress haben, sei es durch Überbelegung, Futterkonkurrenz oder Rangordnungskämpfe.

"Tierwohl in der Milchviehhaltung – Vorteile für Kuh, Verbraucher und Landwirt" lautet das Thema von Julia Hewecker, das sie am 4. September auf denDLG-Unternehmertagen halten wird.