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Selbst 90 Bodenpunkten geht die Luft aus

Dass der am Standort des Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrums in Bernburg-Strenzfeld vorherrschende Leitbodentyp, die Schwarzerde, der dominierende Bodentyp der Steppengebiete der Nordhalbkugel ist, weiß jeder Landwirt aus seiner landwirtschaftlichen Grundlagenausbildung an Berufsschule und Universität. Dass sich diese Steppenverhältnisse allerdings gerade an diesem Standort zum dritten Mal in kurzer Folge einstellen, ist eine sehr üble Laune der Natur.

Im fünften Jahr in Folge ist der im mitteldeutschen Trockengebiet gelegene Standort gekennzeichnet von durchschnittlichen bis sehr unterdurchschnittlichen Niederschlägen im Vergleich zum langjährigen Mittel von 511 mm. War 2017 (mit 513 mm) noch knapp durchschnittlich, bringen die Jahre 2015 (mit 481 mm), 2016 (mit 361 mm) und 2018 (mit 372 mm) Jahresniederschlag erhebliche Defizite für Boden und Pflanze mit sich.

Mit dieser Historie ist es nicht verwunderlich, dass dann in diesem Jahr selbst dem 90 Bodenpunkte-Standort am Südrand der Magdeburger Börde ertraglich die Luft ausgeht. Zwar beträgt das aktuelle Niederschlagsdefizit zum langjährigen Mittel „lediglich“ rund 30 mm (bis Ende Juni 2019), allerdings war der Vegetationsverlauf von einer ungenügenden Auffüllung der Bodenwasservorräte Ausgangs Winter, einem trockenen ersten Jahresquartal bis Ende April und mit Ausnahme des Mais durchgängig um 0,9°C (Januar) bis 4,5°C (Juni) höheren Monatsmitteltemperaturen gegenüber dem langjährigen Durchschnitt geprägt.

Da verwundert es kaum, dass der Startschuss der Ernte in der Region in der Kultur Wintergerste bereits in der letzten Juni-Woche fiel. Diese erntete, trotz ungünstigen Witterungsbedingungen, dank früher Vegetation, noch akzeptable Erträge von 70 bis 90 dt/ha in der Region.

Seit dem 8.Juli dreht auch der Parzellendrescher am Internationalen DLG-Pflanzenbauzentrum emsig seine Runden über die Systemvergleiche Bodenbearbeitung, Fruchtfolgen, Bewässerung und Phosphordüngung. Erträge von 40 bis 70 dt/ha (je nach Vorfrucht) im Weizen bei niedrigen hl-Gewichten und hohen Proteinwerten, 25 bis 35 dt/ha im Winterraps und etwa 20 bis 25 dt/ha in Sommerdurum und Futtererbse.

So bleibt auch Florian Eißner, seit 1. Juli 2019 verantwortlich für die Versuchsanlagen am Standort, nicht viel mehr, als auf Niederschläge für die verbliebenen Kulturen zu hoffen.

Der 28-Jährige, der nach seiner Promotionszeit bei Prof. Olaf Christen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Thema der Ressourceneffizienzsteigerung in der Harnstoffdüngung, die interessante und abwechslungsreiche Aufgabe am IPZ übernimmt, ist kein Unbekannter in der DLG. So verantwortete der gebürtige Sachse nach seinem Agrarwissenschaftsstudium bereits als Versuchsfeldleiter die DLG-Feldtage 2016 in Haßfurt (Unterfranken), die wohl jeder der Besucher als alles andere als steppenartig empfand.

So bleibt mit Blick auf alle Enttäuschung und Sorge um die Erträge nur ein Satz aus der erfolgreichen Super-Bowl Werbung eines bekannten US-amerikanischen Pick-Up Herstellers: „Maybe next year…“.