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Ackerbau

Christel Baum über den gezielten Nutzen von Pilzen im Boden

Mit Verschärfung der Rahmenbedingungen zur Düngung wird es immer schwieriger, unsere Kulturpflanzen adäquat mit Nährstoffen zu versorgen. Bei geringeren Düngemengen müssen die ausgebrachten Nährstoffe besser genutzt werden. Eine effiziente Aufnahme durch die Wurzel ist hier eine wichtige Voraussetzung. Dazu helfen zwar Düngerform, das Timing und die Applikationstechnik, aber die Aufnahme selbst muss die Pflanze allein schaffen. Ganz alleine? Nicht ganz!

Symbiosen mit Pilzen

Mykorrhizapilze leben als Symbionten an den Wurzeln der großen Mehrzahl aller Pflanzenarten. Ihr Hyphennetzwerk ermöglicht eine verbesserte Nährstoffversorgung der Wirtspflanzen und stellt bis zur Hälfte der mikrobiellen Biomasse des Bodens. Damit besitzen Mykorrhizapilze eine hohe bodenökologische Bedeutung für die Bildung und Stabilisierung des Krümelgefüges.

Nährstoffaufnahme

Mykorrhizapilze übernehmen bei ihren Wirtspflanzen eine wesentliche Funktion in der Erschließung der Nährstoffvorräte des Bodens. Der Beitrag der Mykorrhizapilze an der Nährstoffversorgung der Wirtspflanze kann folgende Größenordnung einnehmen: Makronährelemente P: 30-90%, N: 20-40%, S: 10-20% und Mikronährelemente  Zn: 30-80%, Cu 20-60%.

Ursachen einer verbesserten P-Versorgung der Wirtspflanzen sind die Förderung der P-Mobilisierung im Boden und der verbesserte P-Transfer zur Wurzel. Im Vergleich zur Pflanzenwurzel wird durch das Hyphennetzwerk ein etwa 5-fach größerer Einzugsbereich im Boden abgedeckt. Dies beinhaltet auch eine verbesserte Erschließung des Unterbodens.

Die Symbiose beinhaltet im Gegenzug den Assimilatverbrauch durch den Pilzpartner. Wachstumshemmung durch Mykorrhizierung tritt jedoch äußerst selten ein, da der Nährstoffaustausch sowohl durch die Wirtspflanze als auch durch den Pilzpartner reguliert wird.

Mykorrhizapilze im Ackerbau fördern

Neben der verbesserten Nährstoffversorgung der Pflanzen, trägt das Hyphennetzwerk der Pilze wesentlich zu erhöhter Aggregatstabilität im Oberboden, zur Bildung des Krümelgefüges und zum Erosionsschutz bei, daher ist eine Förderung im Ackerbau sinnvoll. Dies ist möglich, da neben den standortspezifischen Bodeneigenschaften und Klimabedingungen auch die Bewirtschaftung, hierbei besonders die Bodenbearbeitung, die Düngung sowie die Fruchtfolgegestaltung einen wesentlichen Einfluss auf die Besiedlungsdichte und Wirksamkeit der Mykorrhizapilze nimmt.

Die Bodenbearbeitung, insbesondere das Pflügen, reduziert die Besiedlungsdichte und verringert die Diversität von Mykorrhizapilzen im Boden. Daher kann reduzierte Bodenbearbeitung und auch zeitweise Bodenruhe zum Beispiel unter mehrjährigem Ackergras oder Luzerne die Besiedlung des Bodens mit Mykorrhizapilzen wesentlich fördern.

Die Düngung, besonders die mineralische N- und P-Düngung, reduziert die Mykorrhizierungsneigung der Pflanzen und hierdurch die Mykorrhizierungswirkung auf die Nährstoffversorgung. Besonders reduzierte P-Düngung fördert die Mykorrhizierung und ihren Nutzen für die Nährstoffversorgung der Pflanzen.

Auch die Fruchtfolge und der Anbau von Zwischenfrüchten, besonders von Phacelia, Grünroggen, Wicken und Klee kann das bodeneigene Inokulationspotenzial (Potenzial der Symbiosebildung zwischen Pilz und Pflanze) mit Mykorrhizapilzen erheblich fördern.

Dies ist ein Auszug aus einer Veröffentlichung des DLG-Ausschuss für Pflanzenernährung in der Reihe DLG-Kompakt. Hier der Link zur Ausgabe 3/2019 Mykorrhizierung im Ackerbau