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Rapsmarkt

Jost Schliep zur Ausgangslage, den Störfaktoren und Empfehlungen für die Vermarktung

Die erneut bescheidenen Erwartungen für die heimische Rapsernte passen nicht recht zu den aktuellen Rapspreisen an der europäischen Börse in Paris, Matif. Woran liegt das und wie lange kann diese Situation noch bestehen?

A.) Die Ausgangslage für Raps

Die schwierigen Aussaatbedingungen im Herbst reduzierten die Aussaatfläche in Deutschland auf rund 890.000 ha, wobei die Erträge aktuell nur geringfügig besser eingeschätzt werden als im Vorjahr. Daraus resultiert eine Gesamternte von erneut wieder nur um 3 Mio. t. Um die Verarbeitungsziele der deutschen Ölmühlen von min 8 Mio. t zu erreichen, müssen so mindestens 5 Mio. t importiert werden.

Ähnlich ist die Lage in der EU: Reduzierte Anbauflächen besonders in allen ertragsstarken Ländern reduzieren die Ernteerwartungen auf nur noch knapp 18 Mio. t. Auch hier müssen, um die bereits auf 23 Mio. t reduzierten Verarbeitungsziele zu erreichen, mindestens 5,5 Mio. t importiert werden.

Die weltweite Bilanz sieht dagegen durch gute Ernten in der Ukraine und Kanada deutlich entspannter aus. Auch die Bedingungen für die neue australische Ernte haben sich zuletzt verbessert. Insgesamt können daraus die 5,5 Mio. t Importbedarf für die EU ausreichend gestellt werden.

B.) Die Störfaktoren

Aber nicht die Rapsbilanzen allein machen den Markt. An den gut 600 Mio. t Ölsaaten weltweit ist Raps mit 69,5 Mio. t nur zu 11,6 Prozent beteiligt, Soja stellt dagegen mit 362 Mio. t oder 61 Prozent den größten Part und bestimmt entsprechend die Richtung für den gesamten Markt. Und die Sojabilanz ist mit erwarteten Endbeständen von 110 bis 112 Mio. t in diesem und dem kommenden Jahr so schwer wie nie, das entspricht einem Verhältnis der Bestände zum Verbrauch von 33 Prozent oder 110 Tagen, was als sehr gut versorgt gilt und damit deutlichere Preissprünge bremst.

Ein weiteres Problem liegt in der Austauschbarkeit von Rapsöl im Biodiesel, was mit gut 60 Prozent immer noch der größte Absatzmarkt für Rapsöl ist. Der Anteil von Rapsöl als Biodieselrohstoff ist in der EU in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich um 10,75 Prozent oder 700.000 t gefallen, das entspricht 1,6 Mio. t Rapssaat oder der Produktion zweier Ölmühlen. Gleichzeitig hat der Anteil an Palmöl um fast 10 Prozent zugenommen.

Des Weiteren dürfen jährlich bis zu 1,2 Mio. t fertiger Sojaöl-Biodiesel aus Argentinien in die EU eingeführt werden. Die aktuellen Preise von Soja- und Palmöl liegen mit 60,- Euro/t und 250,- Euro/t so weit unter Rapsöl, dass sie gerne als Ersatz für Rapsöl genommen werden, solange es technisch keine Einwände gibt. Diese zeigen sich aber nur im Winter, da Rapsöl die beste Kälteresistenz hat und anders als Soja- und Palmöl bis etwa -10 Grad flüssig bleibt.

Der generell rückläufige Dieselanteil in der Pkw-Flotte kann durch die im Gesetz festgelegten maximalen Einsatzgrenzen von 7 Prozent Beimischung mit mindestens 60 Prozent CO2-Einsparpotenzial nicht durch höhere Beimischungsanteile ausgeglichen werden. Sollte die Wirtschaft in den kommenden Monaten stagnieren und die gefahrenen LKW-Kilometer spürbar geringer werden, wird auch der Biodieselverbrauch stark rückläufig sein.

Zudem bleibt durch die politischen Ziele, innerhalb der nächsten zehn bis 20 Jahre generell Verbrenner von den Straßen zu nehmen, der Wille der Wirtschaft, weiter in Forschung für nachwachsende Kraftstoffe zu investieren, extrem gering.

Die politischen Verwerfungen zwischen Kanada und China durch die Festsetzung der Huawei-Chefin bringen bis zu einer Einigung die kanadische Rapssaat Canola um ihren größten Abnehmer. Kanada wird um die 20 Mio. t Canola ernten, von denen es nur knapp 10 Mio. t selbst verbraucht, die anderen 10 Mio. t müssen exportiert werden.

Das drückt die Canola-Preise mit 60,- bis 70,- Euro/t klar unter heimischen Raps, was den EU-Import trotz der GMO-Belastung (GMO= gentechnisch modifizierte Organismen) interessant macht. Das Öl bleibt im Biodiesel und das Schrot ersetzt Sojaschrot, wo möglich. Insgesamt erwartet man dieses Jahr 1,5 Mio. t Canola statt sonst üblicher 800.000 t.

C.) Empfehlungen für die Vermarktung

Aus dieser Konstellation heraus ist kaum mit einer eigenen, starken Aufwärtsbewegung von Raps zu rechnen. Mögliche Ziele und damit Widerstände am Matif bis in den Herbst hinein sind 375,- Euro für den August-Termin und 380,- Euro für den November-Termin.

Die aktuell bewilligten Prämien der Ölmühlen liegen bereits auf den Kosten der Logistik der Matif-Andienungsplätze beziehungsweise der Importhäfen. Daher ist kaum noch mit deutlich steigenden Prämien zu rechnen.

Die Raps-Vermarktung sollte deshalb bei Erreichen der oben genannten Matif-Kurse, spätestens aber im Herbst, wenn die saisonale Nachfrage nach kälteresistentem Biodiesel (aus Raps) anzieht, mindestens zu einem Drittel erfolgen und das nächste Drittel zu Beginn des Jahres 2020 nachgeschoben werden.