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Hofübergabe

Volker Henties zur optimalen Gestaltung einer vorweggenommenen Erbfolge

Ein Teil des Lebenswerks des landwirtschaftlichen Unternehmers ist die geordnete Unternehmensnachfolge, die sicherstellt, dass die erreichte Lebensleistung sicher einer geeigneten Nachfolge zugeführt wird. Die geordnete Unternehmensnachfolge stellt besondere Anforderungen an zivil- und gesellschaftsrechtliche Gestaltungsmöglichkeiten. Zudem sind steuer- und förderrechtliche Besonderheiten zu beachten.

Bei alledem dürfen aber die persönlichen Belange des abgebenden Unternehmers und diejenigen des Übernehmers sowie beider Familien nicht außer Acht gelassen werden. Gleiches gilt für die Frage, welche Folgen die Unternehmensnachfolge in den Familien möglicher Kooperationspartner haben kann.

Für die optimale Gestaltung einer Unternehmensnachfolge ist eine gründliche Analyse der familiären, betrieblichen und rechtlichen Ausgangssituation unerlässlich. Sodann sind die Zielvorstellungen des abgebenden und des übernehmenden Unternehmers und deren Familien herauszuarbeiten. Schließlich sind geeignete Verträge zu entwickeln, mit denen das Unternehmen mit seiner vorgegebenen Ausgangssituation auf die herausgearbeitete Zielvorstellung überführt wird. Im Zusammenhang mit der Unternehmensnachfolge stehen zumeist Überlegungen zur Absicherung des Übergebers und seiner Familie, zu erbrechtlichen Gestaltungen und zu Abfindungen an Kinder an, die an der Betriebsübertragung nicht teilnehmen.

Die Komplexität einer Unternehmensnachfolge bedingt die Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmer mit ihren Rechtsanwälten, Steuerberatern, Notaren, Unternehmensberatern und Banken. Die Unternehmer sollten bedenken, dass eine gute Unternehmensnachfolge nicht im „Schnellschuss“ erfolgen kann, sondern zwischen den ersten Vorüberlegungen bis zum Abschluss der Betriebsübertragung Monate, zuweilen auch Jahre liegen. Eine rechtzeitige Beschäftigung mit dieser Thematik ist daher zu empfehlen.

Der Ausschuss für Agrar- und Steuerrecht der DLG stellt mit diesem Merkblatt zusammen, welche Vorüberlegungen anzustellen sind, um erfolgreich eine Betriebsübertragung im Wege vorweggenommener Erbfolge durchführen zu können. Das Merkblatt ist in Form einer Checkliste aufgebaut, die diskussionswürdige Themenbereiche, nicht aber Lösungen aufzeigt. Es richtet sich sowohl an den Landwirt als auch an seine Berater. Die Checkliste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Einzelfallbezogen sind andere Themen zu berücksichtigen. Erkannte Problembereiche sollte der Agrarunternehmer mit seinen Beratern besprechen.

Die Checkliste umfasst acht Hauptpunkte mit zahlreichen Unterpunkten. An dieser Stelle sei nur auf die acht Hauptpunkte hingewiesen:

1. Familiäre Ausgangssituation

Insbesondere für den Berater, der einen Agrarunternehmer bei der Vorbereitung der Betriebsnachfolge begleitet, ist es von besonderer Bedeutung, sich einen Überblick über die familiären Verhältnisse zu verschaffen. Nur so ist er in der Lage, die unterschiedlichen Anforderungen der Familienmitglieder gegeneinander abzuwägen und einen Lösungsvorschlag zu entwickeln, der den verschiedenen Bedürfnissen gerecht werden kann.

2. Betriebliche Ausgangssituation

Die Aufarbeitung der betrieblichen Ausgangssituation dient dazu, sämtliche betrieblich relevanten Unternehmensbestandteile zu erfassen und einer ersten Bewertung zu unterziehen. Nur wenn sämtliche Bestandteile des Agrarunternehmens und seiner Nebenbetriebe bekannt sind, kann die zukünftige Konzeption entwickelt werden. Zudem ergeben sich bereits aus der betrieblichen Ausgangssituation Weichenstellungen für die Möglichkeiten und Grenzen der Betriebsnachfolge.

3. Rechtliche Ausgangssituation

Die rechtliche Ausgangssituation zeigt den formalen Handlungsrahmen für einen Generationenwechsel auf. Insbesondere die steuerrechtlichen Vorgaben schränken die Gestaltungsmöglichkeiten teilweise deutlich ein. Eine gründliche Auseinandersetzung mit diesen Vorgaben ist daher unerlässlich.

4. Zielvorstellungen der Familie und der Unternehmer

Das Spiegelbild der familiären Ausgangssituation ist die Aufarbeitung der Zielvorstellungen der Familie. So unterschiedlich, wie die Familienverhältnisse sein können, so verschieden sind auch die Erwartungen der Familienmitglieder. Der Vertrag zum Generationenwechsel soll nach Möglichkeit sämtlichen Familienmitgliedern selbst dann, wenn sie nicht unmittelbar an der Betriebsübertragung beteiligt werden, das Gefühl vermitteln, eine allseits gerechte und ausgewogene Entscheidung getroffen zu haben.

5. Zielvariante des zu übertragenden Betriebes

Nicht immer kann oder sollte die betriebliche Struktur des Agrarbetriebes und der Nebenbetriebe in der bisherigen Form weiter betrieben werden. Der Übernehmer des Betriebes kann zum Beispiel andere gesellschaftsrechtliche Anforderungen haben, als der Übergeber. Da das Agrarunternehmen kein statisches Gebilde ist, sondern dynamisch an die persönlichen und die Marktverhältnisse angepasst werden muss, ist diese Aufgabe gerade bei einem Generationenwechsel mit zu beachten.

6. Berater

Für die erfolgreiche Betriebsübertragung ist die Zusammensetzung des Beraterteams wichtig. Ausgangspunkt werden der Steuerberater und der die Familie oft am besten kennende Betriebsberater sein. Vernünftig ist allerdings auch, eine erfahrene Rechtsberatung recht früh zu beteiligen, weil wirtschaftlich richtigen Überlegungen oft rechtliche Grenzen gesetzt sind. Sinnvoll kann es auch sein, einen der Berater als „Projektleiter“ auszuwählen, damit sämtliche Informationen gebündelt werden und an den zuständigen Fachberater weitergeleitet werden.

7. Zeitliche Umsetzung der Generationennachfolge

Eine gut vorbereitete Betriebsübertragung braucht seine Zeit. Dabei geht es vorrangig nicht um die Zuarbeiten der Berater, sondern in erster Linie um die Abstimmung der beteiligten Familienmitglieder untereinander. Die von den Beratern aufgezeigten Möglichkeiten und Grenzen müssen im Familienkreis aufgearbeitet werden. Diese interne Abstimmung läuft neben dem normalen Betriebsgeschehen, und nicht immer finden die Familienmitglieder die Ruhe, sich mit diesem besonderen Thema zu beschäftigen.

8. Kosten

Schließlich müssen die Kosten der Betriebsübertragung im Blick behalten werden. Auch hier gilt: Sparen an der falschen Stelle kann teuer werden!

 

Hier der Link zum kostenlosen Download des Merkblattes Betriebsübertragung im Wege vorweggenommener Erbfolge.Zu den Autoren des Merkblattes gehören außerdem:
– Rechtsanwalt Ingo Glas, Geiersberger Glas und Partner mbB, Rostock
– Anne Carolin Knust, NORD/LB, Hannover
– Dipl.-Ing. Cord Lilie, Stemwede-Haldem
– Steuerberater Felix Meyer, Dr. Gemmeke GmbH, Staßfurt