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Lösungen für Umwelt und Tiergerechtheit

Dieser Tage fand im DLG-Haus in Frankfurt am Main die mit rund 70 Teilnehmern besuchte DLG-Fachtagung Nachhaltige Schweinehaltung statt. Vorgestellt wurden die Ergebnisse von zwei Projekten, die über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wurden und sich sehr gut ergänzen.

Wie Nährstoffströme und Treibhausgase sowie Tiergerechtheit in der Schweinehaltung berechnet werden können, stellten Franziska Becker vom Privaten Institut für Nachhaltige Landbewirtschaftung (INL) in Halle und Stephan Ebschke von der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg vor.

Sie zeigten, dass es auf Grundlage von individuellen Betriebsdaten möglich ist, einzelbetriebliche Bilanzen zu erstellen und eine Aussage zum Nachhaltigkeitsstatus zu treffen. Die Unterschiedlichkeit der Betriebstypen bezüglich der Produktionsrichtungen, der Tiergruppen und der Gebäudeausstattung ist gut abbildbar. Einflussfaktoren auf das Nachhaltigkeitsergebnis, wie die Leistung der Tiere, die Fütterung, die Wirtschaftsdüngerlagerung und der Stall, sind gut erkennbar und bilden die Basis für Optimierungspotenziale.

Bei der Auswertung der Indikatoren können unterschiedliche Bezugsebenen gewählt werden (LMZ, Tierplatz, GV, Produkt, essbares Protein). Hervorgehoben wurde, dass die Zielwert- und Grenzwertdiskussion zwischen Stakeholdern und nationalen Projekten abzustimmen sei.

Zur Bewertung der Tiergerechtheit erläuterte Ebschke wie im Projekt vorgegangen wurde, um eine ganzheitliche, praktikable Status-Quo-Erhebung der Tiergerechtheit mit Analyse von Schwachstellen zu ermöglichen. Dabei wurden etablierte Methoden, wie Welfare Quality®, KTBL betriebliche Eigenkontrolle, zu Grunde gelegt und harmonisiert. Entstanden ist ein Kriterienkatalog für die Bereiche Haltungsumwelt, Leistung & Gesundheit, äußeres Erscheinungsbild, Tierverhalten.

Wie man Emissionsminderung und Tierwohl in einem Stall realisieren kann, stellten Helmut Döhler von DöhlerAgrar, Untermerzbach und Christian Auinger von Schauer Agrotronic, Prambachkirchen in Österreich, vor.

Im neu entwickelten Niedrig-Emissionsstallsystem werden Schweine in einem Außenklimastall mit innenliegendem gekapselten Komfortbereich unter Berücksichtigung aller Tierwohl- und Tiergesundheitsaspekte gehalten. Ziel des neuen Systems zur Haltung von Schweinen ist es, die Ausbildung von Gülle zu verhindern. Hierzu werden die jeweiligen Fraktionen von Kot und Harn unmittelbar getrennt und aus dem Stall entfernt und der Urin sofort im Stall stabilisiert, so dass die Harnstoffhydrolyse unterbunden oder reduziert wird und/oder entstehendes Ammonium/Ammoniak bereits im Stall neutralisiert (und damit vor Ausgasung geschützt) wird. Durch die Verhinderung der Durchmischung von Kot und Harn werden gleichzeitig Geruchs-, Methan- und Lachgasemissionen reduziert.

Es wird eine Minderung der Ammoniakemissionen von 70 Prozent, für Methanemissionen von 90 Prozent und für Geruchsemissionen von 50 Prozent angestrebt. Somit wird das Emissionsminderungspotenzial von Luftfiltersystemen annähernd erreicht, ohne dass der Stall komplett klimatisiert werden muss und den Tieren somit der Zugang zu Frischluft und Umweltreizen verwehrt bliebe.

Ein weiteres Schlüsselmerkmal ist die Berücksichtigung und Einhaltung von Tierwohlkriterien, so dass das Stallsystem unter Einbeziehung der Ansprüche an Tiergerechtheit, Tiergesundheit, Klimaschutz, Umweltschutz und Arbeitsplatzqualität eine gesellschaftlich konsensfähige und langfristig zukunftsfähige Form der Tierhaltung repräsentiert. Erste Wirtschaftlichkeitsberechnungen zeigen, dass sich das System auch in gängigen Praxisställen umsetzen lässt.

Auinger hebt hervor, dass in Österreich das Stallkonzept und die Art der Tierhaltung durch den Discounter Hofer in dem Tierwohl-Projekt „FairHof“ unterstützt wird.

Das Programm wurde abgerundet durch parallel stattfindende Workshops, in denen rege diskutiert wurde zu den drängenden Fragen bei den Themen Indikatoren Umweltwirkungen, Tierwohlstandards im Vergleich und Umgang mit Zielkonflikten. Die Tagungsunterlagen stehen Tagungsteilnehmern und DLG-Mitgliedern [hier] zur Verfügung.

Zu den Projekten:

1. Das Ziel des von der DBU geförderten Projektes „Entwicklung von Indikatoren und eines Analysetools für nachhaltige Schweinehaltung: Fütterung, Haltung, Ressourcen, Klima, Tiergerechtheit“ ist es, Indikatoren für die Schweinehaltung zu entwickeln, mit welchen die Umwelt- und Klimawirkungen der Schweinehaltung analysiert, bewertet und optimiert werden können. Außerdem soll eine Bewertung der Tiergerechtheit vorgenommen werden können. Ein weiteres Ziel ist es, daraus Wechselwirkungen und Zielkonflikte zu beschreiben. Eine wichtige Frage ist zum Beispiel, wie die Emissionen bei den Ausläufen berechnet werden.

Die Methode und die Ergebnisse sollen zu einer Sensibilisierung der Schweinehalter für die Zusammenhänge und Wechselwirkungen der verschiedenen Einflussfaktoren (Bestandsgröße, Fütterungsrationen, Tierleistungen, Stallform, Haltungssystem, Wirtschaftsdüngerlagerung) führen und vertieftes Fachwissen über die Zusammenhänge generieren. Mit Hilfe der Indikatoren kann ein Nachhaltigkeits-Status quo für die Betriebe ermittelt werden, auf dessen Grundlage betriebsindividuelle Verbesserungsansätze erarbeitet werden können. Die detaillierte Nachhaltigkeitsanalyse kann somit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Umweltwirkungen sowie der Tiergerechtheit in der Schweinehaltung leisten.

Die Projektpartner sind: DLG e.V., Fachzentrum Landwirtschaft; Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Lehrstuhl Prof. von Borell; Friedrich-Löffler-Institut; Privates Institut für Nachhaltige Landbewirtschaftung GmbH (INL), Halle

2. Das DBU-Projekt “Konzeptentwicklung für einen zukunftsfähigen und gesellschaftlich konsensfähigen Mastschweinestall unter Einbeziehung der Ansprüche an Tiergerechtheit, Tiergesundheit, Umweltschutz, Klimaschutz und Arbeitsplatzqualität“ gliedert sich in drei Teilprojekte: Konzeptstudie; Ermittlung der chemisch-biologischen und thermodynamischen Mechanismen von Schweineurin; Ausführungsplanung eines Schweinemaststalls (1500 MP).

Im neu entwickelten Niedrig-Emissionsstallsystem werden Schweine in einem Außenklimastall mit innenliegendem gekapselten Komfortbereich unter Berücksichtigung aller Tierwohl- und Tiergesundheitsaspekte gehalten. Es fallen weder Mist noch Gülle an. Kot und Harn werden getrennt erfasst, stabilisiert und zu Düngerprodukten oder als Biogassubstrat weiter behandelt. Die Ammoniakemissionen werden um 70 Prozent gemindert, die Methanemissionen um 90 Prozent.