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Bullen oder Bären – wer behält die Oberhand?

Klaus-Dieter Schumacher zur Situation auf dem internationalen Getreidemarkt

Optimisten hegen weiterhin die Hoffnung, dass die Präsidenten Chinas und der USA Ende des Monats den Handelsstreit beilegen und erwarten dann zusätzliche Nachfrage und steigende Preise. Pessimisten sehen es genau anders herum, und es erscheint völlig offen, wer letztlich Recht bekommen wird.

Sehr viel klarer erscheinen dagegen auf den ersten Blick die Aussichten für die neue Getreideernte. Noch vor rund vier Wochen rechnete die Mehrzahl der Marktteilnehmer mit einer guten bis sehr guten Weltgetreideernte. Das US-Landwirtschaftsministerium hielt Mitte Mai sogar eine Rekordproduktion für möglich und erwartete – nach nur einem Jahr des Abbaus – einen Wiederanstieg der Lagerbestände bis zum Ende des Wirtschaftsjahres 2019/20. Entsprechend schlecht war die Stimmung im Markt.

Heute hat sich dieses Bild stark verändert. Hierfür sind vor allem zwei Ursachen zu nennen. Zum einen bleibt die Anbaufläche für Mais in den USA aufgrund starker Regenfälle um 3 bis 4 Mio. ha hinter den Erwartungen zurück. Da das nasse und kalte Wetter zudem die Entwicklung der Bestände beeinträchtigt, wird zudem mit unterdurchschnittlichen Erträgen gerechnet. Die deshalb zu erwartende kleinere Maisernte in den USA, dem wichtigsten Ausfuhrland für Mais, war der maßgebliche Auslöser für die jüngsten Preisanstiege, da die weltweite Versorgung mit Futtergetreide im Gegensatz zu den Erwartungen schlechter als im letzten Jahr sein dürfte. Wie groß der Bestandsabbau sein wird, lässt sich noch nicht sagen. Sollte es während der Bestäubungsphase in der zweiten Juli-Hälfte trocken und heiß werden, könnten die Ertragsverluste noch höher ausfallen, die Bestände stärker abgebaut werden und die Preise weiter steigen.

Wichtig für den Getreidemarkt wird daneben die weitere Wetterentwicklung in Russland sein. Dort ist es in einigen wichtigen Anbauregionen bereits seit rund drei Wochen überdurchschnittlich warm und trocken. Deshalb müssen die Prognosen, dass sowohl die Weizen- als auch die Gerstenernte in diesem Jahr höher als 2018 ausfallen, mit Vorsicht betrachtet werden. Sollte die Trockenheit anhalten und insbesondere die Weizenproduktion wie 2018 nur rund 72 Mio. t erreichen, würde dies zu einem Bestandsabbau in den großen Exportländern führen. Profitieren dürfte dann insbesondere die EU, da sich wesentlich früher als in den letzten Jahren Exportchancen eröffnen sollten.

Weiter steigende Preise erscheinen damit auf den ersten Blick wahrscheinlicher als wieder sinkende Notierungen. Hoch bleiben aber die politischen Risiken, die zumindest kurzfristig fallende Preise bewirken können. Und es ist zu früh, von einer wirklich engen oder dramatischen Versorgungslage zu sprechen. Deshalb sollten zwischendurch sich bietende Vermarktungschancen zumindest für Teile der neuen Ernte genutzt werden.