Zum Hauptinhalt springen

Effiziente Bewässerung – Tropfen für Tropfen

Ansätze und Innovationen zur Verbesserung der Wassernutzungseffizienz und zur effizienten Bewässerung sind aktuell stark gefragt. Und so fanden sich Ende Mai 50 Landwirte, Berater und Interessierte am Internationalen Pflanzenbauzentrum (IPZ) der DLG ein, um sich über neue Entwicklungen im Anbau und Bewässerung zu informieren. Im Rahmen eines Feldtages am 29. Mai wurde in Vorträgen und in einer Versuchsbesichtigung das Wasser zum Thema gemacht.

Den ersten fachlichen Input gab Stefan Gille (Hochschule Anhalt) zum Sojaanbau in Trockengebieten. Die Hochschule verfügt über langjährige Untersuchungen zum Anbau der „neuen“ Kultur. Die wachsende Nachfrage nach einheimischer Produktion wirft verschiedene Fragestellungen auf. Welche Bodenbearbeitungsverfahren und Reihenweiten eignen sich für den Anbau? Wie wirken sich Mikronährstoffdüngung und Stickstoffdüngung zur Blüte aus? Oder welche Sorten sind auf diesem Standort empfehlenswert?

Als Fazit lässt sich festhalten: Die vorhandenen Sorten reifen am Standort in Bernburg sicher ab. Da auf Grund von Sommertrockenheit Ertragsdepressionen drohen, sind frühe Saatzeitpunkte sowie Böden mit hohem Wasserspeichervermögen oder möglicher Bewässerung zu bevorzugen. Besonderes Augenmerk sollte auf der Beimpfung und auch der Unkrautregulierung liegen. Für die Zukunft stellt Soja aber sicher eine interessante Kultur zur Erweiterung der Fruchtfolge dar.

Im Anschluss berichtete Kai-Uwe Eisenhut (Netafim Deutschland) über die Möglichkeiten der Tropfbewässerung im Ackerbau. Das System bietet durch verminderte Verdunstung, verringerten Abfluss und die Niederdrucknutzung nicht nur Einsparungspotential in der Wassermenge, sondern auch bei den Energiekosten.

Die besondere Konzeption des druckkompensierenden Tropfers sorgt für gleichmäßige Bewässerung und verhindert ein Einwachsen der Wurzel. Verlegetechnik ist sowohl für unterirdisch als auch für oberirdisch verlegte Tropfschläuche vorhanden.

Für oberirdisch verlegte Schläuche steht zudem entsprechende Bergetechnik zur Verfügung. In zum Beispiel Kartoffeln, Erdbeeren und Spargel ist das System längst bewährt und auch in anderen Ackerbaukulturen wie Weizen und Sojabohnen lassen sich signifikanten Mehrerträge generieren.

Den Abschluss der Vortragsreihe machte Dirk Borsdorf (Irriproject), der die Versuchsanlage am IPZ und das Projekt Irrimode (http://www.irrimode.de/) vorstellte. Das seit zwei Jahren und noch weitere drei Jahre laufende Projekt untersucht die standortangepasste, vollautomatische Echtzeitprozessoptimierung von solarbetriebener Bewässerung. Die Ziele liegen auf der Hand:

  • Anpassung des Wasserbedarfs an die tatsächlichen Pflanzenbedürfnisse und Automatisierung des Prozesses,
  • Optimierung der energetischen Situation für die Bewässerung,
  • Verminderung und Vermeidung der Nährstoffausträge,
  • Datenerfassung, Digitalisierung und Modellierung der Stoffströme sowie
  • vollautomatische Echtzeitprozesssteuerung der Bewässerung.

Da die Tropfschläuche bereits im Zuge eines Vorgängerprojektes im Herbst 2014 verlegt wurden, lassen sich bereits jetzt erste Erkenntnisse zur Praxistauglichkeit des Systems festhalten. So zeigte sich, dass der Tropfschlauch an Ort und Stelle liegen bleibt und nicht im Boden „hoch wächst“. Die minimale Bodenbearbeitung (nicht wendend) hatte keinen Einfluss auf die Tropfschläuche.

Die Steuerung über das solargetriebene Steuergerät mit WEB-Zugriff funktioniert zuverlässig. Und so läuft auch die solarbetriebene Wasserversorgung. Dennoch benötigt es noch viel Erfahrung über die tatsächliche Verteilung des Wassers im Boden sowie den Zugriff der jeweiligen Anbaukulturen auf das unterirdisch applizierte Wasser. Zusätzliche Feuchtesonden werden installiert, um die horizontale Wasserbewegung besser in den Modellen abzubilden.

Anschließend ging es dann „Raus auf’s Feld“, um die Versuchsanlage und Technik vor Ort zu beurteilen. Fragen zur möglichen Bodenbearbeitung, zum Anbau verschiedenster Kulturen sowie Wartung und Pflege der Anlage standen dabei im Vordergrund.

Und so bleibt nach einem Tag mit viel Diskussionsstoff und Austausch unter Teilnehmern und Referenten das Fazit: Die innovative Technologie verspricht großes Potential auch in klassischen Ackerbaukulturen, wenngleich es für alle Partner noch viel zu lernen gibt.