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Kalk ist nicht gleich Kalk

Kalke sind vor allem Calciumverbindungen, teilweise auch mit Anteilen von Magnesium, die in verschiedenen Zusammensetzungen als natürlicher Bestandteil im Boden vorkommen. Dort regulieren sie den Säuregehalt und somit den pH-Wert des Bodens und verbessern das Bodengefüge. Dabei spielen Calciumbrücken eine wesentliche Rolle, die im Boden für Verbindungen zwischen Humus und Ton sorgen. Sie tragen damit wesentlich zu einem optimalen Wasser- und Lufthaushalt im Boden bei, weil sie Bodenerosion und Staunässe entgegenwirken. 

Calcium im Boden erhöht außerdem prinzipiell die Aktivität von Mikroorganismen. Natürlich profitieren auch die Pflanzen von Calcium und Magnesium im Boden, denn beide Ionen gehören zu den sechs wichtigen Makronährstoffen, die von den Pflanzen in vergleichsweiser hoher Konzentration im Gewebe eingelagert werden und deren Bedarf mehreren kg/ha entspricht.

Nicht zuletzt deshalb hat sich die Bezeichnung „Düngekalk“ für Kalke in der Landwirtschaft durchgesetzt. Pflanzen benötigen Calcium im Wesentlichen für stabile Zellwände und zur Regulation des Stoffwechsels. Ausreichend Calcium im Boden macht Pflanzen damit auch unempfindlicher gegenüber Krankheiten und Schädlingen. 

Magnesium ist das Zentralion des Chlorophylls und ist entscheidend für die Fähigkeit, das Sonnenlicht zu absorbieren. Spätestens beim Auftreten von Chlorosen, einer Mangelkrankheit mit verringerter Chlorophyllbildung, die zu einer typischen gelben Verfärbung der jungen Blätter führt, besteht dringender und akuter Handlungsbedarf.

Einsatzgebiete

Kalkungen werden im Wesentlichen durchgeführt, um einer Bodenversauerung entgegenzuwirken und um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten oder zu verbessern. Dazu sollte man – nötigenfalls über eine Bodenbeprobung – den Ist-Zustand seines Bodens möglichst genau kennen. Je nach Bodentyp definiert man eine Zielgröße für den gewünschten Boden-pH-Wert.

Dieser liegt zum Beispiel bei leichten Böden mit einem Ziel-pH von 5,0 bis 6,0 etwas tiefer als bei schweren Böden mit einem Ziel-pH von 5,5 bis 7,0. Außerhalb dieser optimalen pH-Bereiche sind andere Nährstoffe für die Kulturpflanzen oft nicht ausreichend verfügbar. So werden Calcium, Magnesium, Kalium, Phosphor und Molybdän bei stark sauren Böden zum Teil stärker ausgewaschen oder durch Bindungen im Boden festgelegt. 

Unterhalb eines Boden-pH-Wertes von 3,5 können sich einzelne Ionen, wie zum Beispiel Aluminium, sogar deutlich hemmend auf das Wurzelwachstum und Bodenmikroorganismen auswirken. Bei stark basischen Böden mit einem Boden-pH-Wert von über 8,0 hingegen werden Eisen, Mangan und Bor festgelegt, ab pH 9,0 kann es sogar zu direkten Schäden an Pflanzen kommen. 

Die Beispiele zeigen, welche Vorteile die Einhaltung eines bodenspezifisch optimalen pH-Bereiches hat. Die Kulturpflanzen können bestmöglich, verlustarm und damit kostenoptimiert mit Makro- und Mikronährstoffen versorgt werden und die Boden-Struktureigenschaften sind optimal. 

Im Rahmen einer Gesundungskalkung ist das Ziel, bestehende Defizite auszugleichen, während eine Erhaltungskalkung dem jährlichen Kalkverlust entgegenwirkt. Dieser besteht aus einem kleineren Teil, der aber durchaus in Einzelfällen auch 200 kg CaO pro Hektar und Jahr aus den Verlusten über die abgefahrenen Erntegüter erreichen kann. Hinzu kommt ein noch größerer Verlust durch Auswaschung und Neutralisation, der bei schweren Böden und hohen Niederschlägen durchaus im Bereich von 700 kg CaO pro Hektar und Jahr liegen kann. 

Kalkformen

Welche Kalkformen zum Einsatz kommen, sollte man im Wesentlichen von der Pufferkapazität des Bodens abhängig machen. Bei schweren Böden sind schnell wirkende Kalkformen von Vorteil, während auf leichten Böden eher Kalke eingesetzt werden, die langsamer, aber dafür nachhaltiger wirken.

Als schnell wirksame Kalke auf schweren Böden werden in der Regel Branntkalke (CaO) eingesetzt. Diese haben eine besonders starke Wirkung auf ein verbessertes Bodengefüge und zusätzlich eine phytosanitäre Wirkung. Branntkalk ist mit oder ohne Magnesiumanteil sowie gemahlen oder gekörnt erhältlich. Keine wesentliche Verwendung als Kalkdünger im Ackerbau mehr finden gelöschte Kalke (Ca(OH)2), die durch Wasserzugabe („Ablöschen“) zu Branntkalk entstehen. 

Ursächlich sind hier die Auswaschung von Calcium- und Magnesiumionen, sowie die Neutralisation physiologisch saurer Düngemittel (vor allem Stickstoffdünger), SOx- und NOx-Einträge aus Industrie, der Energieerzeugung und dem Straßenverkehr, die Bildung von Säuren und Kohlendioxid aus Abbauprozessen unter Luftabschluss oder die Atmungsprozesse der Bodenlebewesen.

Industriell erzeugte Kalke sind ebenfalls eine interessante, weil in der Regel in ihren Eigenschaften sehr definierte Alternative. Hier sind insbesondere Konverterkalke zu nennen, die aus Stahlschlacken im Hochofen erzeugt werden, oder der sogenannte Schwarzkalk, der aus der Weiterverarbeitung von Kalkstickstoff stammt. Beide Formen haben eine sehr hohe reaktive Oberfläche und damit eine schnelle Wirksamkeit, die bei Gesteinskalken sonst nur über eine besonders feine Mahlung erzeugt werden können. 

Kohlensaure Kalke werden in der Regel durch das Mahlen gebrochener Kalksteine aus natürlichen Lagerstätten erzeugt. Sie sind kostengünstig und einfach handhabbar und somit die wichtigste Kalkform im Ackerbau. Eher langsam wirkend, beeinflussen kohlensaure Kalke den Säuregehalt im Boden anhaltend positiv. Kohlensaure Kalke sind trocken oder erdfeucht, mit und ohne Magnesiumanteil sowie in Mehlform oder granuliert erhältlich. Sie geben das enthaltene Calcium und je nach Anteil auch Magnesium ebenfalls langsam, aber stetig ab, wobei die Wirkgeschwindigkeit steigt, je größer die reaktive Oberfläche ist, was wiederum stark von der Mahlfeinheit abhängt.

In allen Kalkformen sind einzelne Produkte zu finden, die höhere Anteile mobiler Silikate enthalten. Diese silikatischen Kalke erhöhen im besonderen Maße die Aggregatstabilität des Bodens, und die Aufnahme und Einlagerung von Silikaten erhöhen die Pflanzenresistenz gegenüber Pilzen und Schädlingen. Sie tragen außerdem zur Mobilisierung von Phosphaten im Boden bei beziehungsweise verringern deren Festlegung bei Zufuhr, wodurch insgesamt die Anwendung von Fungiziden, Insektiziden und Phosphatdüngern reduziert werden kann.

Qualität

In der heutigen Zeit intensiver Bodenbeprobungen zeigt sich umso mehr: Kalk ist nicht gleich Kalk. Denn die Effekte jeder Düngergabe können letztlich über diese Messungen nachgewiesen werden. Wie oben beschrieben, haben die Zusammensetzung und die Verarbeitung, wie beispielsweise die Mahlfeinheit, einen immensen Einfluss auf die Wirksamkeit der Düngekalke. Landwirte haben deshalb den Anspruch hoher und vor allem auch gleichbleibender Produktqualität. 

Dem tragen die 40 DLG-geprüften und mit einem DLG-Qualitätssiegel ausgezeichneten Düngekalke Rechnung. Sie erfüllen nachweislich und jährlich wiederkehrend neutral bestätigt die gesetzlichen (Grundstufe) oder erhöhten Anforderungen an die Produktqualität (Premiumstufe). Ergänzend zum gesetzlichen Rahmen mit einer werksinternen Qualitätsüberwachung fordert die DLG-Prüfungskommission aus Wissenschaftlern, Beratern, Landwirten, Hersteller- und Verbandsvertretern mindestens eine Fremdüberwachung von Produktqualität und Herstellungsprozess (Qualitätsaudit) sowie ein Schwermetallmonitoring.

Checkliste für die Praxis:

  • Welche Bodenart?
  • Nur pH-Anpassung?
  • Oder weiterer Nährstoffbedarf, z. B. Magnesium?
  • Erhaltungs- oder Aufkalkung?
  • Benötigte Wirkgeschwindigkeit bzw. Reaktivität?
  • Zeitnahe Ausbringung von Gülle oder Ammoniumstickstoff?
  • Kosten von Dünger und Ausbringung?

 

Autorin: Dagmar Pfau, DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel. 

Zu den DLG-geprüften Düngekalken geht es hier entlang