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Kükentöten

Michael Grashorn sagt, die Geflügelwirtschaft ist auf ein mögliches Verbot gut vorbereitet

Die vorliegende negative genetische Korrelation zwischen Legeleistung und Wachstumsvermögen beim Huhn hatte dazu geführt, dass Mitte des letzten Jahrhunderts spezielle Zuchtrichtungen für Eier- und Hühnerfleischerzeugung entwickelt wurden. Dies führte zu einem deutlichen Abfall in der Wachstumsleistung der männlichen Tiere in der Zuchtrichtung Eier, so dass eine ökonomische Mast der Hähne nicht mehr möglich war. Daher wurde die Tötung der männlichen Eintagsküken in der Brüterei eingeführt.

Inzwischen wird diese Praxis von der Öffentlichkeit zunehmend thematisiert. Verbreitet wird die Auffassung vertreten, dass das Töten der Hahnenküken den Tatbestand von § 17 Tierschutzgesetz (TierSchG vom 18.07.2016) erfüllt, da die angegebene nicht vorhandene Ökonomie der Mast keinen vernünftigen Grund für das Töten der Tiere darstellt. Entsprechend wurde vom Bundesland NRW ein Erlass verabschiedet, der diese Praxis in den Brütereien untersagen sollte. Gegen diesen Erlass wurde geklagt, wobei die Entscheidung jetzt beim Bundesverwaltungsgericht liegt, das sein Urteil am 13. Juni 2019 verkünden will.

Die Geflügelwirtschaft hat sich mit zunehmender Kritik an dieser Praxis intensiv mit Alternativen auseinandergesetzt. Als nachhaltigste Lösung wird die Beibehaltung der intensiven Zucht auf Legeleistung bei gleichzeitiger Entwicklung von Verwendungsmöglichkeiten für die Hahnenküken oder die Geschlechtsbestimmung im Brutei (in ovo) angesehen, da ein Rückgang zu Zweinutzungsgenotypen die Ressourcenverwertung sowohl bei der Eier- als auch bei der Fleischerzeugung deutlich verschlechtern würde.

Die Aufzucht der Hähne in Form von Bruderhahn-Konzepten ist bei einer Kofinanzierung über das Ei zwar realisierbar, erfordert aber den Aufbau von Mastplätzen und Vermarktungswegen für das Fleisch. Dieser Weg wird inzwischen vor allem in der Bio-Eiererzeugung beschritten, aber auch konventionelle Betriebe haben schon Vermarktungsstrukturen aufgebaut. Allerdings lässt sich hier nur ein kleiner Anteil der Hähne verwerten.

Die in ovo-Geschlechtsbestimmung erfordert demgegenüber keine Veränderung der Produktionsstrukturen und wird daher von der Branche als Königsweg angestrebt. Die Geschlechtsbestimmung mittels Hormonanalyse am 9. Bruttag ist bereits im Testeinsatz und kann wohl kurzfristig die bisherige Praxis des Tötens der Hahnenküken ersetzen. Allerdings wird der Bestimmungszeitpunkt als zu spät angesehen, so dass weiter intensiv an alternativen Verfahren geforscht wird. Die Raman-Spektroskopie und die Magnetresonanztomographie erscheinen hier als besonders erfolgversprechend.

Unabhängig vom anstehenden Urteil hat die Geflügelwirtschaft sich bestens darauf vorbereitet, das Töten der männlichen Küken in naher Zukunft überflüssig zu machen.