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Arbeiten am Comeback der Linse

Bis vor hundert Jahren war die Linse in Deutschland noch weit verbreitet. Heute dagegen ist die traditionelle Kulturpflanze eine Nischenkultur und fast nur noch in traditionellen Anbaugebieten wie der Schwäbischen Alb anzutreffen. Dabei sprechen gute Argumente dafür, dass Landwirte wieder vermehrt Linsen in Deutschland anbauen: Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch, bevorzugen regionale Bioprodukte und wissen um den Wert alter Kulturpflanzen.

Weil der heimische Linsenanbau nur noch regional von Bedeutung ist, ist die mitteleuropäische Linsenzüchtung in den letzten Jahrzehnten zum Erliegen gekommen. Ein Bündnis aus Wissenschaftlern, Züchtern und Praktikern will das ändern und Linsen hierzulande wieder heimisch machen. Das ist das Hauptziel eines dreijährigen Züchtungsprojektes, das vom Zentrum Ökologischer Landbau der Universität Hohenheim (ZÖLUH) koordiniert wird und im Februar 2019 gestartet wurde.

Eine Besonderheit des Projektes ist der interdisziplinäre Ansatz, bei dem Experten für Züchtung und Pflanzenbau der Universitäten Hohenheim und Göttingen sowie des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) und des Keyserlingk-Instituts eng zusammenarbeiten. Zudem sind von Anfang an landwirtschaftliche Betriebe eingebunden. Das gewährleistet eine große Expertise und einen starken Praxisbezug.

Das Projekt ist Teil der Eiweißpflanzenstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Diese verfolgt das Ziel, den Anbau von Linsen und anderen Hülsenfrüchten in möglichst viele Regionen auszudehnen. Damit dies gelingt, ist es erforderlich, das Sortenspektrum zu erweitern und die vorhandenen Sorten an unterschiedliche Umwelt- und Standortbedingungen anzupassen.

Denn aufgrund der fehlenden züchterischen Bearbeitung gibt es nur wenige Sorten, die sich für die hiesigen Klimabedingungen und für den konventionellen wie den ökologischen Anbau eignen. Entscheidend ist es deshalb, ertragsstarke und widerstandsfähige Sorten zu züchten. Wichtig sind daneben gesunde Inhaltsstoffe, eine günstige Eiweißzusammensetzung und ein möglichst niedriger Gehalt an antinutritiven Inhaltsstoffen. In einer Kombination aus Selektion und Feldversuchen wollen die Züchter geeignete Genotypen identifizieren und dazu genetische Ressourcen aus der Genbank IPK Gatersleben nutzen.

Aufbauend auf einem Screening von 100 in der Genbank eingelagerten Mustern (Genbankakzessionen) sind eine Charakterisierung vielversprechender Zuchtlinien und deren Leistungsprüfung im Praxisanbau vorgesehen. Dafür werden ausgewählte Zuchtlinien mit Leindotter als Stützfrucht an verschiedenen Standorten angebaut – denn die Linse ist eine zarte rankende Pflanze, die einen kräftigen Partner braucht und nicht in Monokultur angebaut werden kann.

Die Zuchtlinien werden hinsichtlich ihrer Eignung für den ökologischen Anbau, den Gemengebau und ihrer Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern bewertet. Als Ergebnis erwarten die Forscher ein erweitertes Sortenspektrum, das unseren Speiseplan bereichert und Landwirte ermutigt, Linsen bei uns wieder im großen Stil anzubauen.  

Autorin: Nina Weiler, Freie Journalistin