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China pusht

Philipp Schulze Esking über den internationalen Schweinemarkt

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich in allen Provinzen Chinas ausgebreitet. Dadurch kam es zu massiven Bestandskeulungen und die chinesischen Schweinehalter erzeugen im laufenden Jahr 2019 rund 2,5 Mio. t weniger Schweinefleisch. Zum Vergleich: Das entspricht der Hälfte der in Deutschland jährlich produzierten Menge. Durch den starken Produktionsrückgang steigt das Einfuhrvolumen auf rund 2 Mio. t, ein Plus gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 500.000 t.

An dieser Situation dürfte sich zunächst wenig ändern, denn die chinesischen Sauenhalter haben ihren Bestand, verglichen mit dem Vorjahr, um rund ein Fünftel abgestockt. Zu erwarten ist deshalb, dass das Inlandsangebot weiter sinkt und der Importbedarf Chinas über das laufende Jahr hinaus hoch bleibt.

Wie stark die Importe tatsächlich wachsen hängt maßgeblich von der Entwicklung des Inlandsverbrauchs in China ab, denn die Verbraucherpreise sind aufgrund der großen Angebotslücke stark gestiegen und könnten den Konsum von Schweinefleisch bremsen. Dennoch ist von steigendem Importbedarf auszugehen, von dem auch die Europäischen Schweinehalter profitieren dürften. Denn die EU liefert mit 56 Prozent den größten Anteil der chinesischen Einfuhren.

Doch inwiefern die EU-Erzeuger tatsächlich von den steigenden Importmengen profitieren, hängt auch davon ab, wie sich die internationalen Wettbewerber aufstellen. So haben vor dem Handelskonflikt die USA rund 20 Prozent der chinesischen Importe geliefert. Durch die chinesischen Strafzölle ist der Anteil der Importe an den Schweinefleischeinfuhren nach China stark auf nun noch 7 Prozent gesunken. Dies zeigt das große Potenzial von Lieferungen aus den USA, sobald die chinesische Regierung Handelsrestriktionen lockern würde. Zudem haben die USA trotz der Zölle bis Anfang April die größte Menge Schweinefleisch seit den vergangenen sechs Jahren nach China geliefert.

Dass die Schweinehalter in Deutschland an den steigenden Exportmengen in Form steigender Produktion teilhaben erscheint fraglich, denn der Schweinebestand in Deutschland sinkt. Bestimmend für die hiesige Produktion sind die zunehmenden Anforderungen, wie zum Beispiel durch die Vorgaben der Düngeverordnung, die TA-Luft oder die steigenden Anforderungen an das Tierwohl. All diese Vorgaben führen zu steigenden Erzeugungskosten und schmälern die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Auch das Risiko eines Ausbruches der ASP besteht weiterhin. So ist in Belgien in den letzten Wochen bei 25 Wildschweinen die ASP festgestellt worden. In Polen ist die ASP in den westlichen Landesteilen festgestellt worden. Ein Ausbruch in Deutschland könnte weitreichende Folgen für den Handel mit Schweinefleisch haben, sofern nicht sichergestellt wird, dass nicht betroffene Regionen weiter liefern dürfen.

Die Schweinehalter in Deutschland profitieren von der Lage in China insbesondere durch die gestiegenen Schweinepreise infolge der Knappheit auf dem Weltmarkt. Steigende Preise im Inland bieten darüber hinaus auch die Gelegenheit, den Verbraucher auf langfristig höhere Fleischpreise einzustellen und ihn gleichzeitig an den Kosten für neue Tierwohlanforderungen zu beteiligen.