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Intensive Landwirtschaft und Biodiversität

Studien zum Thema Intensivierung der Landwirtschaft gibt es viele, ebenso zum Erhalt der Biodiversität. Allerdings befassen sich nur wenige mit beiden Aspekten zugleich, also dem Erhalt von Biodiversität bei einer Steigerung der Erträge. Dazu sichtete jetzt ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig im Rahmen einer Metastudie 9.909 Studien.

Gesucht wurden Daten, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Ertragssteigerung und Artenverlust in konventioneller Landwirtschaft (Ackerbau, Grünlandbewirtschaftung, Forstwirtschaft) befassten. Zu diesem Thema fanden sie allerdings nur 115 Studien. Die insgesamt 449 untersuchten Flächen waren zudem über den gesamten Globus verteilt, betrafen also Landwirtschafts- und Ökosysteme aus allen Teilen der Welt.

Ertrag kontra Artenreichtum

Für eine bessere Einordnung wurden die verschiedenen land- und forstwirtschaftlichen Nutzungsintensitäten in „gering“ (zum Beispiel manuelles Hacken, geringer Viehbesatz auf der Fläche), „mittel“ (beispielsweise Bearbeitung mit kleinen Maschinen, moderater Düngereinsatz) und „hoch“ (etwa intensiver Dünger- und Pestizideinsatz, hoher Viehbesatz auf Flächen, Kahlschlag in Wäldern) eingeteilt. Anschließend wurden die Auswirkungen von Änderungen in der Intensität der Bewirtschaftung auf die Artenvielfalt berechnet.
Im Einzelnen ergab sich folgender Zusammenhang zwischen Intensivierung und Artenverlust:

  • Intensivierung auf zuvor mittelstark genutzten Flächen: Ertragssteigerung +84,9 Prozent, Artenverlust 22,9 Prozent
  • Intensivierung auf zuvor bereits intensiv genutzten Flächen: Ertragssteigerung +15,2 Prozent, Artenverlust 6,1 Prozent
  • Moderate Intensivierung auf zuvor wenig intensiv genutzten Flächen: Ertragssteigerung +6,0 Prozent, Artenverlust 7,7 Prozent
  • Starke Intensivierung auf zuvor wenig intensiv genutzten Flächen: Ertragssteigerung +28,0 Prozent, Artenverlust 12,1 Prozent

Keine Win-Win-Situation

Insgesamt zeigte sich, dass eine Ertragssteigerung immer mit einem Artenverlust einhergeht. Die erhoffte „Win-Win-Situation“ (Ertragssteigerung bei gleichbleibender Artenvielfalt oder sogar Steigerung der Artenvielfalt) konnte nicht gefunden werden. Allerdings zeigen die Ergebnisse, dass gerade bei Systemen mit niedriger Nutzungsintensität (zum Beispiel in Afrika südlich der Sahara) Ertragssteigerungen erreichbar sein sollten, ohne dabei große Artenverluste zu verursachen. Dazu müssten kleine Intensivierungsschritte behutsam durchgeführt werden.

Pflanzenvielfalt schützt Insekten

In einer zweiten Studie untersuchte ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig, wie sich eine veränderte Pflanzenzusammensetzung auf einer Wiese und in einem Wald auf den Artenreichtum auswirkt. Dazu veränderten sie auf je einer Versuchsfläche die Artenzusammensetzung und bestimmten anschließend die vorkommenden Insektenarten aller drei Trophieebenen (Herbivoren, räuberische Insekten bzw. Prädatoren  und Parasitoide).

Dabei zeigte sich, dass ein Reichtum an Pflanzenarten auch zu einer Zunahme von Insektenarten und zu einer Erhöhung der Individuenzahl führt. Das liegt aber nicht nur allein an der Vielfalt der verschiedenen Pflanzenarten, sondern auch an dem Effekt, den diese auf die Struktur des Habitats haben. So sind insbesondere große Bäume aufgrund ihrer Langlebigkeit, der vielen verschiedenen Mikrohabitate sowie aufgrund ihres Einflusses auf das Mikroklima sehr wichtig für die Insekten.
Aber auch die Pflanzenvielfalt auf der Wiese hat einen positiven Effekt: Viele verschiedene Pflanzenarten sorgen für eine strukturelle Vielfalt in mehreren Ebenen, so dass die einzelnen Insektenarten in den verschiedenen „Etagen“ günstige Habitatbedingungen finden können.

Struktur schafft Vielfalt

Die Ergebnisse belegen, dass diese Komponenten für den Erhalt der Artenvielfalt von fundamentaler Bedeutung sind. Die Forscher warnen davor, diese Zusammenhänge angesichts der fortschreitenden Strukturverluste in der Landschaft zu ignorieren. Stattdessen sollten durch bestimmte Maßnahmen, wie spätere Termine für die Mahd oder die Erhaltung von Altbäumen, wichtige Grundvoraussetzungen für den Erhalt der Artenvielfalt geschaffen werden.

Beide Studien zeigen, dass einiges an Fingerspitzengefühl nötig ist, um bei intensiver Landwirtschaft die Artenverluste so gering wie möglich zu halten. Trotzdem sollte es möglich sein, beides in Einklang zu bringen.

Dies sind Auszüge aus einem Beitrag auf der Plattform pflanzenforschung.de.. Weitere Informationen unter Ein hoher Preis für viel Ertrag.