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Der Markt guckt aus dem Fenster

Jens Hottendorff zu den Vermarktungschancen 2019 für Getreide

International befinden sich die Getreidebestände auf der Nordhalbkugel ohne nennenswerte Auswinterungsschäden bei einem frühen Vegetationsstart in einer sehr guten Verfassung. In den USA sind über 60 Prozent der Weizenbestände mit gut bis sehr gut bewertet. Von unseren größten Wettbewerbern im Exportgeschäft, den Schwarzmeeranrainern Rumänien, Ukraine und Russland werden, Stand heute, die Ernten des Vorjahres in 2019 mindestens wieder in ähnlicher Größenordnung eingefahren bis teils deutlich übertroffen.

Die deutsche Getreideernte 2019 sieht der Deutsche Raiffeisenverband aktuell in Höhe des fünfjährigen Durchschnitts bei 47,6 Mio. t Getreide und somit 25 Prozent über dem Vorjahr. Der Winterweizen soll 24,1 Mio. t (+23 Prozent), die Wintergerste 9,9 Mio. t (+34 Prozent) und der Roggen 3,6 Mio. t (+65 Prozent) bringen. Die Prognose für die Winterrapsernte liegt bei traurigen 3,2 Mio. t, 11,6 Prozent unter dem Vorjahr, was auf die deutliche Flächenreduktion zurückzuführen ist.

Der Markt hat die bearishen Prognosen im Bereich Getreide schon lange mit sinkenden Preisen quittiert. Besonders die Funds haben auf sinkende Preise gesetzt und sich massiv short verkauft. Das einzige bullishe Argument sind heute nur diese Short-Positionen, die schnell den Markt wiederbeleben können, wenn die Funds ihre Meinung ändern.

Im Bereich der Vorkontrakte ist es derzeit sehr ruhig, die neue Ernte wird aktuell von der Landwirtschaft nicht beachtet. Zu groß sind die Befürchtungen, dass der fehlende Regen wieder zu massiven Ertragseinbußen führen könnte. Insgesamt ist für die neue Ernte zum aktuellen Zeitpunkt weniger Getreide vorkontrahiert worden als in den Vorjahren – leider aus heutiger Sicht, denn da wäre mehr zu holen gewesen!

Auch wenn uns die Preise hierzulande derzeit sehr niedrig erscheinen, zeigt der internationale Vergleich, dass der Weizen an der Matif in Dollar je Tonne teurer ist als beispielsweise in Chicago. Die nächsten Preisausschläge nach oben sollten von der Landwirtschaft also genutzt werden, um weitere Kontrakte abzuschließen.

Derzeit guckt der Markt aus dem Fenster. Bei dem aktuellen „Wettermarkt“ sind solche Ausschläge durchaus möglich. Es lohnt sich also, den Markt und die Wetterberichte genau zu beobachten und seine Chancen zu nutzen.