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Weniger ist Mehr!? – Deutsche Düngeexperten diskutieren die Düngeverordnung

Die 2017 novellierte DüngeVO ist in Kraft und wird „im Lande“ umgesetzt – ungeachtet der aktuellen Diskussion um die Nachforderungen aus Brüssel aufgrund des EuGH-Urteils vom letzten Sommer. Dieses Thema betreffend ist das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) in engem Kontakt mit Brüssel, so dass die drohenden Strafzahlungen bisher noch vermieden werden konnten.

Auf Länder- und somit Arbeitsebene steht der Umgang mit den vielen Detailfragen der gültigen Düngeverordnung im Vordergrund. Dies war zu hören auf der gemeinsamen Tagung des Verbands der Landwirtschaftskammern e. V. (VLK) und des Bundesarbeitskreises Düngung (BAD) kürzlich in Würzburg.

So hat in Niedersachsen die Landwirtschaftskammer eine eigene Düngebehörde eingerichtet, um die divergierenden Interessenlagen (Beratung und Kontrolle) besser voneinander zu trennen. Hier finden Landwirte aktuelle Informationen und einen umfangreichen Frage-Antwortkatalog.

„Jede Jeck es anders“ – ebenso Standorte, Kulturen, Düngemittel…

Zahlreiche Detailfragen werden in den Muster-Vollzugshinweisen der Bundesländer vom 30. Mai 2018 beantwortet: So gilt das Aufbringen von Trestern und Ernteresten im Gemüseanbau innerhalb von fünf Tagen nach der Ernte noch nicht als „Düngung“.

N-arme Komposte unterliegen keiner Sperrzeit, ihre N-Fracht muss aber zumindest in Anteilen mit bilanziert werden. Aber nicht alles, was Sie kompostieren, wird auch zu Kompost im Sinne der Düngeverordnung: Kompostierte Wirtschaftsdünger bleiben Wirtschaftsdünger! Ist es Düngung, wenn Sie mit inkrustiertem Saatgut auch N ausbringen? – Nein, denn dieser wird zu „passivem Stickstoff“. Und Ihre Rollrasenflächen werden dem Zierpflanzenanbau zugeordnet.

Hätten Sie´s gewusst? Die Muster-Vollzugshinweise Ihres Bundeslandes finden Sie auf den entsprechenden Beratungsseiten, hier als Beispiel die Fassung aus NRW.

Erste Erfahrungen der Bundesländer zeigen, dass die Düngebedarfsermittlung sehr starr angelegt ist, was vor dem Hintergrund der Trockenheit in 2018 in vielen Regionen verstärkt zum Ausdruck kommt.

Hohe Nmin-Werte in tieferen Bodenschichten sind anzurechnen, sind aber aufgrund mangelnder Feuchte für die Pflanzen oft nicht erreichbar. Die Absenkung der P-Kontrollwerte wird zum Problem, wenn darunter die N-Effizienz leidet. Erheblichen Verwaltungsaufwand sehen die Länder in der Überwachung der Sperrfristen für die unterschiedlichen Düngemittel.

Rote Gebiete – doppelt sensibel

Viel Energie und Hirnschmalz ist in die Abgrenzung der Roten Gebiete geflossen, die meist in Zusammenarbeit mit wasserwirtschaftlichem Know-how erfolgt. In Bayern ist sie gemarkungsscharf, in anderen Ländern auch anders gerastert.

Große Herausforderung für die Labore ist der damit verbundene Anstieg des Probenaufkommens; nicht immer erhielten die Landwirte rechtzeitig ihre Ergebnisse. Auch scheint noch nicht jeder Landwirt den sensiblen (= kühl haltenden) Umgang mit Nmin-Proben verinnerlicht zu haben, so dass fragwürdig hohe Werte entstanden.

Bayern bietet ein online-Simulationsmodell an, mit dem – auf Basis von Nmin-Werten einer Kultur von einem Schlag – die Nmin-Werte der anderen, mit der gleichen Kultur bestellten Schläge errechnet werden können. Künftig sollen bereits ab 1. November Nmin-Proben gezogen werden können, um die Probesaison zu entzerren. Das bayerische Simulationsmodell kann aus solch frühen Werten Nmin-Gehalte für die Frühjahrsdüngung prognostizieren.