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Tierernährung

Hubert Spiekers möchte die Umsetzung von Innovationen beschleunigen

Die angewandte Forschung ist grundsätzlich an der Lösung von aktuellen Fragestellungen der Praxis und der Umsetzung der resultierenden Empfehlungen in konkrete Innovationen interessiert. Es ist die Frage, ob es uns immer gelingt diesem Anspruch gerecht zu werden oder eine verbesserte Ausrichtung in Methodik und Umsetzung erforderlich ist. Es wird vielfach eingeworfen, dass zwischen der Wissensgenerierung und der Anwendung zu viel Zeit vergeht. Hierfür gibt es gute Beispiele. Dies soll an zweien aufgezeigt werden.

In der Milchkuhfütterung ist die Phosphorversorgung ein Dauerbrenner. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden daher insbesondere von der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Ernst Pfeffer umfangreiche Arbeiten zur notwendigen Versorgung durchgeführt. Diese führten zu einer Anpassung der Empfehlungen zur Versorgung der GfE (1993).

Vom DLG-Arbeitskreis Futter und Fütterung wurden diese Erkenntnisse aufgenommen und Empfehlungen zur Umsetzung in die Fütterungspraxis unter anderem durch die Einführung P-freier Mineralfutter erarbeitet und publiziert. Eine flächendeckende Umsetzung der Innovation erfolgte nicht. Im Ergebnis sind über 25 Jahre unnötige Mengen an P in die deutsche Landwirtschaft gelangt.

Bei der Schweinefütterung besteht schon seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die Erkenntnis, dass insbesondere beim Futterweizen die Gehalte an Rohprotein erheblich schwanken und eine Analyse angezeigt ist. Ferner zeigte sich, dass mit zunehmendem Rohproteingehalt das Aminosäurenmuster für die Schweinefütterung ungünstiger wird.

Aus Sicht des Pflanzenbaus empfiehlt es sich daher, für Futterweizen Sorten mit geringerem Rohproteingehalt und günstiger Aminosäurezusammensetzung anzubauen und auf eine Anhebung des Rohproteingehalts zum Beispiel durch Spätdüngung zu verzichten. Im Handel sollte wegen der unterschiedlichen Ziele nach Verwertungsrichtung differenziert werden. Dass Weizen mit niedrigen Rohproteingehalten ein Qualitätskriterium für die Fütterung ist, muss sich trotz der klaren Aussagen noch durchsetzen.

Es gibt allerdings auch viele gegenläufige Beispiele, wo neues Wissen gezielt und zeitnah in Innovationen umgesetzt wurde. Der Einsatz von mikrobieller Phytase zur besseren Nutzung des pflanzeneigenen Phosphors bei Huhn und Schwein oder die Fütterung rund ums Kalben zur Optimierung des Laktationsstarts sind gute Beispiele.

Es fragt sich nun, was ist zu tun, um die Innovationen zu befördern. Ein Punkt ist, dass die passenden Fragen in geeigneter Form in der Forschung und der Innovationsgenerierung bearbeitet werden. In der Tierernährung ist das alljährliche Forum Fulda hierzu ein geeigneter und begehrter „Marktplatz“. Ein erfolgreicher Ansatz sind auch die Fachforen der deutschen Agrarforschungsallianz (dafa). Die Innovationsprojekte der BLE haben sich auch sehr positiv entwickelt.

Der unbedingt notwendige Erfolg tritt nur ein, wenn Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Beratung an einen Strang ziehen. Im Bereich Nutztiere steht die „Lizenz zur Produktion“ zur Diskussion. Der kurzsichtige Profit oder überkommene Vorstellungen dürfen hier nicht die auf dem Tisch liegenden Innovationen behindern.