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Wissen ernten

Kürzlich tagte der Fachausschuss Tierhaltung und Tierzucht des Verbands der Landwirtschaftskammern (VLK) in Bonn. Die DLG hörte aufmerksam zu:

Der erste Tag startete mit einem Bericht über das aktuelle Tierseuchengeschehen in Deutschland, vorwiegend die Afrikanische Schweinepest und die Blauzungenkrankheit. Wenngleich es für Letztere Impfempfehlungen gibt, so werden diese international jedoch nicht einheitlich ausgesprochen, so dass das Virus weiter mutieren und sich verbreiten kann.  

Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Afrikanischen Schweinepest unter Wildschweinen liegt bei normalem Verlauf bei ca. 30 km/Jahr. Durch anthropogene Verschleppung macht das Virus allerdings unvorhersehbare Sprünge und erschwert damit die Eindämmung erheblich. Deutlich wird dies aktuell in Asien, wo das Virus völlig außer Kontrolle geraten ist. Es muss daher zwingend an der Anerkennung der Unterschiede zwischen Wild- und Hausschweinen als Voraussetzung für Veterinärzertifikate gearbeitet werden, will man den Export auch nach einem Ausbruch im eigenen Land nicht völlig zum Erliegen bringen.

Im zweiten Teil des ersten Tages berichtete das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über aktuelle Informationen zum Tierschutz. Aufgegriffen wurden hier die Ferkelkastration, die Kastenstandhaltung von Sauen, das staatliche Tierwohlkennzeichen, die Geschlechtsbestimmung im Ei sowie das Thema Tiertransporte. Bei allen Themen arbeitet das BMEL an Lösungen und Fördertöpfen, sieht sich dabei aber auch Kritikern aus unterschiedlichen Richtungen ausgesetzt. Viele Branchenvertreter fordern daher mittlerweile eine umfassende Nutztierstrategie, die alle diese Themen mit berücksichtigt und Planungssicherheit schaffen soll.

Die Nationale Nutztierstrategie und die daraus resultierenden zukünftigen Aktivitäten des BMEL sind aktuell noch nicht final formuliert. Die erneute Überarbeitung der Düngeverordnung und die damit einhergehende Forderung nach einer Reduzierung des Düngebedarfs um 20 Prozent in den „roten Gebieten“ mit Nutztierhaltung verzögern den Prozess nun aufs Neue.

Übergeordnetes Ziel der Strategie sei die Akzeptanz der Tierhaltung als wichtige Säule der Landwirtschaft in der Gesellschaft zu verankern und Handlungsfelder als eine Art „Masterplan“ zu definieren, so das BMEL. Dafür wurden mittlerweile das Bundesprogramm nachhaltige Nutzierhaltung, die staatliche Tierwohlkennzeichnung sowie ein Investitionsförderprogramm als wichtigste Elemente aufgelegt. Das „Kompetenznetzwerk Tierhaltung“ (ehemals Rat für Nachhaltigkeit) wurde jüngst eingerichtet, um den Prozess zu unterstützen.

Weiterhin geplant sind zeitlich begrenzte Kompetenznetzwerke als Informations- und Beratungsangebot für Tierhalter in Deutschland. Hier sollen – ähnlich der Modell- und Demonstrationsbetriebe – Aktivitäten und Erfahrungen gebündelt und zusammengeführt werden.

In einem zweiten Schritt geht es aber auch darum, Wissen (über die Landwirtschaft) in die Gesellschaft zu transportieren. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) ist der neue Informationsdienstleister für das BMEL. Entstanden ist es aus dem ehemaligen aid infodienst e.V. (aid).

Ziel des BZL ist es, durch unabhängige und objektive Information ein besseres Verständnis moderner Landwirtschaft zu fördern und einen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog über Landwirtschaft zu leisten. Um diese Arbeit zu begleiten, tagte kürzlich erstmals die „Fachgruppe Nutztiere, Fischerei, Imkerei“ in Bonn. Hier sind auch Verbände, Wissenschaft und Organisationen als Mitglieder vertreten.

Zunächst wurden das BZL und seine bisherigen Aktivitäten vorgestellt. Dann wurde anhand von drei Schwerpunkten (Ferkelkastration, zukünftige Milchviehhaltung, Feedback zu bisherigen Veröffentlichungen) in Kleingruppen diskutiert, wie die Informationskampagnen des BZL ausgestaltet werden sollten. Das BZL wird mit den Mitgliedern der Fachgruppe im regelmäßigen Austausch bleiben und sich einmal jährlich treffen, Sven Häuser vertritt dabei die Interessen des DLG-Fachzentrums Landwirtschaft in der Fachgruppe.