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Raps benötigt dringend Nachfrageimpuls aus der Biokraftstoffverwendung

Stephan Arens zur aktuellen Situation auf dem Rapsmarkt und zur Zukunft des Rapsanbaus

Es ist schon fast zum Haareraufen: Da liegen die Rapspreise trotz historisch kleiner Ernten auf einem niedrigen Niveau und suchen dringend nach Preisimpulsen. Und dennoch singen Vertreter verschiedener Umweltverbände in der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) der Bundesregierung weiterhin und trotz besseren Wissens das Hohelied der Tank-Teller-Diskussion. Die NPM soll Vorschläge erarbeiten, wie klimafreundliche Mobilität gestaltet werden soll. Durch die Ablehnung der NGOs sollen Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse (Raps, Getreide, Zuckerrüben etc.) dabei keine Rolle mehr spielen, weil die Verwendung der Rohstoffe in Biokraftstoffen die Agrarpreise steigen lässt. Welch ein Irrsinn! Genau das Gegenteil ist der Fall: Der Absatzmarkt Biokraftstoffe wird dringend benötigt, um die Erzeugerpreise zu stabilisieren.

Die Rapsnotierungen bewegen sich seit Wochen nicht von der Stelle. Für die Ernte 2019 wird bereits mehr gezahlt, weil das Interesse an alterntigem Raps schwindet. Warum ist dies in dieser Saison so früh der Fall? Weil sowohl Käufer als auch Verkäufer von Raps derzeit abwarten. Die Ölmühlen mussten sich mangels Verkaufsbereitschaft heimischer Erzeuger bis zum Saisonende mit Importen versorgen. Diese sind noch gut eingedeckt und warten hinsichtlich der Kontrakte ex Ernte vorerst noch ab. Vielen Landwirten sind die Gebote der Abnehmer immer noch zu niedrig und hoffen aufgrund der niedrigen Rapsanbaufläche zur Ernte 2019 auf steigende Preise. Es könnte sein, dass wir mit einem hohen Lagerbestand in das neue Wirtschaftsjahr starten.

Die Witterung ist derzeit – mal wieder – der größte Unsicherheitsfaktor. Die überdurchschnittlich hohen Temperaturen in den vorangegangenen Monaten und regional unzureichende Niederschläge fördern die Verunsicherung hinsichtlich der Feldbestandentwicklung. Doch vorerst sieht es gut aus, Trockenstress an Pflanzen ist noch nicht sichtbar. Die Landwirte sind nach den Erfahrungen des Vorjahres besonders vorsichtig und werden wohl keine Mengen in den Verträgen stehen haben wollen, die sie ex Ernte nicht liefern können.

Aber zurück zum Absatzmarkt Biokraftstoffe. Durch die permanente Weigerung der Umweltverbände, die Potenziale der Biokraftstoffe aus nachhaltigen Agrarrohstoffen anzuerkennen, verhindern sie tatsächlichen Klimaschutz durch Biokraftstoffe der ersten Generation. Das niedrige Preisniveau und die am Markt verfügbare Mengen zeigen: Biodiesel aus Raps beispielsweise könnte viel mehr zur Reduktion der CO2-Emissionen im Verkehr beitragen. Und damit zur Schonung des Bundeshaushaltes. Denn im Falle der Nicht-Erfüllung der Klimaschutzvorgaben müssen Verschmutzungsrechte zugekauft werden. Dieses Geld fehlt zur Finanzierung nationaler Klimaschutzmaßnahmen. Deshalb kritisiert die Ufop, dass das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zur ersten Sitzung des Klimakabinetts Biokraftstoffe in der Land- und Forstwirtschaft als Maßnahme nicht vorgeschlagen hat.

Der Rapsanbau hat in den vergangenen Jahren vor allem witterungsbedingt sein Potenzial nicht ausschöpfen können. Dennoch bleibt er für den Ackerbau in Deutschland und in Europa eine unverzichtbare Fruchtfolgekomponente. Dies wissen auch die Landwirte. Außerdem ist der heimische Raps die wichtigste Nicht-GV-Proteinquelle in Europa und für die Milchviehhalter unabdingbar. Aber es braucht stabile Absatzmärkte auf der Ölseite. Hier wäre ein klares Bekenntnis der heimischen Biodieselindustrie zum Rohstoff Raps sehr hilfreich. Schaut man sich die Anbaufläche für Nachwachsende Rohstoffe an, wird klar, dass die stoffliche Nutzung die Lücke nicht schließen kann. Auch die chemische Industrie kauft Pflanzenöle im Ausland, fraglich ist, zu welchen Nachhaltigkeitsstandards. So ist die Förderung der Bioökonomie aus Sicht der heimischen Landwirtschaft „wirkungslos“. Im Gegenteil: Die Bioökonomiestrategie fördert geradezu den Import von Rohstoffen, weil Herkunfts- und Anbauland bisher keine Rolle spielen.

Wie gesagt: Es ist zum Haareraufen!