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Bewegung im Biomarkt

Prof. Ulrich Hamm erkennt positive Aussichten für Landwirte

Zunächst ist festzustellen, dass die Preisschwankungen auf den wichtigsten Agrarmärkten im Biobereich in den letzten zehn Jahren sehr viel geringer als für konventionelle Produkte waren. Während es zum Beispiel bei Milch und Schweinefleisch eine Berg- und Talfahrt der konventionellen Preise gab, blieben die Biopreise über viele Jahre hinweg sehr stabil. Die im Sommer 2016 extrem niedrigen konventionellen Preise für Schweinefleisch (1,30 Euro/kg SG) und Milch (0,23 Euro/l) und die hohen Biopreise von 3,75 Euro/kg SG beziehungsweise 0,47 Euro/l haben in der Folge zu einem Umstellungsboom auf den Biolandbau geführt.

Dennoch blieben die Biopreise auf ihrem hohen Niveau, weil die Nachfrage nach Bioprodukten weiter gestiegen ist. Das gilt insbesondere für deutsche Bioprodukte, die häufig knapp waren, weshalb steigende Bioimporte getätigt werden mussten. Wenn jetzt der Discounter Lidl eine mittelfristige Kooperation mit Bioland eingegangen ist und weitere Lebensmittelhändler Kooperationen mit Bioverbänden haben, wird das die Nachfrage nach deutschen Bioprodukten weiter ankurbeln und nicht die Preise drücken.

Derzeit ist zu beobachten, dass manche Biomolkereien wie auch schon 2009 und 2016/17 sehr zögerlich mit der Aufnahme neuer Lieferanten sind. Das hat aber weniger etwas mit dem mittelfristigen Absatz als vielmehr mit der kurzfristigen Aufstockung von Verarbeitungskapazitäten und den bestehenden Lieferverträgen mit dem Handel zu tun.

Wenn weitere Molkereien beginnen wollen, zusätzlich Biomilch zu verarbeiten, dann benötigen sie eine Mindestmenge, unterhalb derer sich das Engagement nicht lohnt, weder in der Verarbeitung noch im Absatz. Ähnliches gilt für Schweinefleisch. Man muss sich nur einmal vergegenwärtigen, wie viele Schweine Discounter wie Aldi oder Lidl kontinuierlich benötigen, um neue Bioprodukte (zum Beispiel Schweinefilet, -schnitzel, -gulasch, -wurstwaren) bundesweit einzulisten.

Das bedeutet, dass solche kurzfristigen Aufnahmestopps auch künftig auftreten werden. Biolandwirten ist zu empfehlen, sich starken Erzeugergemeinschaften anzuschließen, die Mengen bündeln und mit neuen Verarbeitern verhandeln können.

Mittelfristig gibt es keine Anzeichen für ein Abflachen der Nachfrage nach Biolebensmitteln. Das Gegenteil ist viel wahrscheinlicher angesichts der öffentlichen Debatten um Insektenschutz, Grundwasserbelastungen durch Nitrat und Pestizide, intensive Tierhaltung etc. Grundsätzlich ist es immer sinnvoller, in Wachstumsmärkte (Bio) zu investieren als in schrumpfende (konventionell). Der Biomarkt bietet Landwirten weiterhin attraktive Absatzmöglichkeiten.