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„Wie digital bist Du?“ Ergebnisse einer Umfrage

Wohl keine Innovation durchdringt die Landwirtschaft derzeit so massiv wie die Digitalisierung, und entsprechend intensiv wird sie diskutiert. Unabhängig von Struktur und Betriebsgröße können neue, digitale Werkzeuge den Landwirt bei seiner täglichen Arbeit unterstützen und entlasten.

Während und nach der DLG-Wintertagung haben wir Landwirte zur aktuellen und zukünftigen Nutzung digitaler Werkzeuge auf ihren Betrieben befragt. Hier stellen wir die Ergebnisse vor, die sich aus den Antworten der 144 Teilnehmer ableiten lassen.

Als wichtigstes Anwendungsfeld definierten die Befragten, von denen über 100 Teilnehmer ihren Betriebsschwerpunkt im Ackerbau haben, Dokumentationsanwendungen im Ackerbau. Neben der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben geht es den Teilnehmern aber auch um eine knallharte Wirtschaftlichkeitsanalyse ihrer Produktion, unter anderem mit dem Ziel, Betriebsmittel effizienter einzusetzen, aber auch um – auf Basis von umfassenden Farm-Management-Systemen – Unterstützung bei ackerbaulichen und Betriebsmanagement-Entscheidungen zu erhalten.

Dies spiegelt auch die Frage nach den Hausaufgaben für die Digitalisierung in der Landwirtschaft wider: Mit Abstand das wichtigste Entscheidungskriterium für den Einsatz digitaler Werkzeuge ist eine fundierte Kosten-/Nutzen-Analyse für den jeweiligen Betrieb. Die digitale Infrastruktur vor Ort (z. B. 5 G), die Datensicherheit oder gar herausgearbeitete Praxisrelevanz fallen dagegen teilweise deutlich ab.

Bereits vorhanden bzw. in der konkreten Anschaffungsplanung sind vor allem Ackerschlagkarteien – über 78 Prozent der Befragten mit Betriebsschwerpunkt Ackerbau nutzen ein solches System, bei der Tierhaltung steht dieses digitale Werkzeug mit 81,6 Prozent Nutzung sogar noch höher im Kurs. Der Trend geht aber zu Farm-Management-Systemen. Rund die Hälfte der Befragten geben hier ein hohes Interesse an, auch hier waren die Zustimmungsraten bei den Tierhaltern durchaus noch höher als bei den Ackerbauern. Tierhalter nutzen zu über 50 Prozent eine Herdenmanagement-Software, aber auch Apps oder Stand-alone-Lösungen für bestimmte Aufgaben der Tierhaltung sind beliebt. Bei den Ackerbauern stehen Apps oder Software für die Schädlingsbekämpfung mit einer regelmäßigen Nutzung von über 71 Prozent ebenfalls hoch im Kurs.

Auf der anderen Seite geben zusammengenommen rund 48 Prozent der Befragten an, kein Interesse an einzelnen, bestimmten digitalen Werkzeugen zu haben. Bei Plattformen zum Datenaustausch und Cloudsoftware begründen diese Landwirte ihr Desinteresse schwerpunktmäßig damit, dass sie den Schutz ihrer betrieblichen Daten für unzureichend halten (jeweils über 50 Prozent). Hinzu kommen bei Farm-Management-Systemen auch noch Kostengründe für die Anschaffung. Nicht vom Nutzen der Anwendungen überzeugt sind Landwirte vor allem von Software und Tools aus dem Tierhaltungsbereich: Unter den Landwirten, die kein Interesse an der Nutzung haben, stellen jeweils über zwei Drittel den Nutzen von Apps und Software zur Emissionsüberwachung oder für die Tierbetreuung und -überwachung bzw. von Herdenmanagementsystemen in Zweifel.

Wie wichtig das Thema Praxistauglichkeit für die aktuelle oder künftige Verwendung digitaler Werkzeuge ist, lässt sich daraus ableiten, mit wem sich die Befragten gerne über das Thema Digitalisierung austauschen würden. Rund 80 Prozent der befragten Landwirte suchen hier nach einem Erfahrungsaustausch mit Berufskollegen, die bereits stark digitalisierte Betriebe führen, gefolgt von rund 60 Prozent, die sich gerne mit Entwicklern von digitalen Lösungen für die Landwirtschaft austauschen wollen.