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Tierärztliche Bestandsbetreuung ist existenziell

Eine vertraglich geregelte veterinärmedizinische Bestandsbetreuung Schweine haltender Betriebe ist Standard. Die regelmäßige und planbare Betreuung dient dazu, die Gesundheit des Einzeltiers, von Tiergruppen und dem Bestand zu erhalten, wiederherzustellen oder erforderlichenfalls zu verbessern. Sie versteht sich als Einheit von Diagnostik, Prophylaxe, Therapie und Beratung.

Während des diesjährigen DLG-Forums Spitzenbetriebe in Göttingen, das unter dem Thema „Kooperationen in der Schweinehaltung“ stand, wurde der Zusammenarbeit der beiden Berufsgruppen im Arbeitskreis „Vet meets Farmer“ besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Alle Beteiligten waren sich einig, dass Tierärzte und Schweinehalter gewissermaßen symbiotisch zusammenwirken. Leiden, Schäden und Krankheiten zu verhüten, lindern und zu heilen, sind die Aufgaben des Tierarztes und das Ziel des Schweinehalters. Nur gesunde Tiere können vermarktet werden, bringen die gewünschten Leistungen und haben niedrige Produktionskosten.

Föderale Unterschiede

In der lebhaft und offen geführten Diskussion wurden als besondere Herausforderung für die Zukunft die aus den gesetzlichen Änderungen und dem Strukturwandel in der Schweinehaltung resultierenden Folgen angesprochen. Bei der Umsetzung des Arzneimittelgesetzes (AMG) im Zusammenhang mit der Novelle der Verordnung über tierärztliche Hausapotheken (TÄHAV) zeigen sich für beide Berufsgruppen erhebliche Konsequenzen auf. Die föderale Organisation bewirkte unterschiedliche Herangehensweisen in den Bundesländern. Nach dem Prinzip der Praktikabilität geschaffene Lösungen gewährleisten weiterhin eine qualitativ hochwertige komplexe Bestandsbetreuung. Grenzen und Einschränkungen entstehen, sobald insistierende Vorgaben die umfängliche nutzbringende Bestandsbetreuung erschweren.

Sachkundenachweis und zusätzliches Fachpersonal

Als interessanter Vorschlag wurde der Erwerb eines speziellen Sachkundenachweises angeregt. Dieser könnte z.B. spezielle Schulungen der Tierhalter/Mitarbeiter für alle umzusetzenden Tätigkeiten umfassen, die im Zusammenhang mit der Erhaltung/Wiederherstellung der Tiergesundheit stehen. Darüber hinaus wäre es auch hilfreich, wenn Veterinärmedizinisch-technische Assistenten, angeleitet von Tierärzten, für die Bestandsbetreuung landwirtschaftlicher Betriebe eingesetzt werden könnten. Bisher ist diese Berufsgruppe in der Regel nur in den Kontrollbehörden tätig.

Begründen lassen sich diese Vorschläge in erster Linie durch eine Frage: Wird es zukünftig ausreichend Tierärzte mit dem notwendigen, von der zuständigen Tierärztekammer bestätigten Fachwissen zur Bestandsbetreuung für die 20.000 Betriebe mit Schweinehaltung geben? Nicht zuletzt ist auch mit der Umsetzung des „Nationalen Aktionsplans zur Einhaltung der Rechtsvorschriften in Bezug auf das Schwänzekupieren beim Schwein“ und der zukünftig notwendigen Kastration unter Betäubung damit zu rechnen, dass der Bedarf an Fachtierärzten für die Tierart Schwein ansteigen wird!

Praktikable Lösungsansätze sind gefragt, um die tierärztliche Bestandsbetreuung in Zukunft zu sichern. Praktiker und Tierärzteschaft sollten diese daher gemeinsam mit der Politik rasch auf den Weg bringen!

Autoren: Dr. Simone Müller, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) und Sven Häuser, DLG-Fachzentrum Landwirtschaft