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Was die DLG-Spitzenbetriebe beschäftigt

Trotz (oder gerade wegen) der zahlreichen Herausforderungen für Schweinehalter, wie zum Beispiel die sich ausbreitende ASP, die teils unbeantworteten „K-Fragen“ oder die erneute Überarbeitung der Dünge-Verordnung kamen 170 Schweinehalter und Berater aus dem gesamten Bundesgebiet zur 18. Konferenz des DLG-Forums Spitzenbetriebe Schwein kürzlich nach Göttingen.

Dr. Jörg Bauer machte bereits in seiner Begrüßung deutlich, wie wichtig gerade in diesen Zeiten Kooperationen und Allianzen sind, um diese Herausforderungen anzugehen. Dialogbereitschaft, Vertrauen und Respekt aber auch die Fähigkeit zur Selbstkritik spielen hier eine wichtige Rolle – genau wie in der ältesten Form der Kooperation: der Ehe beziehungsweise Partnerschaft.  

Die jährliche Umfrage bei den Spitzenbetrieben hat gezeigt, dass einerseits die Leistungen gesteigert, zeitgleich aber auch die Verluste gesenkt werden konnten. Erfolgreiche Ferkelerzeuger und Mäster haben allerdings das Problem, dass sie aufgrund der Planungsunsicherheit Investitionen in die Modernisierung von Ställen zurückhalten oder in andere Betriebszweige stecken: 55 Prozent der befragten Ferkelerzeuger und 74 Prozent der Mäster planen nämlich aktuell ihre nächsten Investitionen außerhalb der Schweinehaltung!

Die Betriebsgröße hat unter dem Strich keinen gerichteten Einfluss auf die direktkostenfreien Leistungen, wohl aber aufgrund von Degressionseffekten auf die Kosten. Die Direktkosten haben den größten Einfluss auf das Betriebszweigergebnis, von daher haben Betriebe mit geringeren Kosten bessere Chancen auf ein positives Ergebnis.

Ferkelerzeuger, die im letzten Jahr ihre Ferkel über Erzeugergemeinschaften vermarktet haben, hatten zudem unter dem Strich höhere Erlöse. Auch aus diesem Grund macht es also Sinn, sich über Kooperationen Gedanken zu machen.  

Kooperation auch innerhalb der Wertschöpfungskette und mit Behörden

Vieles deutet darauf hin, dass sich auch die Schweinehaltung stärker vertikal integriert. Markenfleischprogramme beziehungsweise diverse Labelinitiativen der Privatwirtschaft oder auch das staatliche Tierwohllabel lassen dies zumindest vermuten. Dass damit nicht automatisch der Verlust der unternehmerischen Freiheit einhergeht, zeigte Philipp Beckhove, Schweinemäster und Hähnchenmäster aus Nordrhein-Westfalen, auf.

Er präsentierte eine Vision, in der auch in der Schweinehaltung durch eine starke partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ferkelerzeuger, Mäster und Schlachthof eine hochwirtschaftliche Produktion für alle Partner möglich ist. 55 Prozent der Teilnehmer sahen die Vision in einer Spontanumfrage prinzipiell für umsetzbar, wenngleich dafür noch einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden muss.

Rechtsanwalt Heiner Thölke machte in seinem Vortrag deutlich, wie wichtig der Kontakt und das Gespräch zu Nachbarn, NGOs aber auch zur Gemeinde und den Genehmigungsbehörden sind, wenn ein Stallbauprojekt erfolgreich umgesetzt werden soll. Auch wenn das viel Zeit und zum Teil auch Überwindung kostet: Am Ende lohnt es sich, denn ohne Einbindung Betroffener vorab wird „viel Geld verbrannt“, was letztlich in die Ställe investiert werden könnte.

Brigitte Barkhaus, Geschäftsführerin der LBH-Steuerberatungsgesellschaft in Friedrichsdorf gab im Plenum einen Überblick und im Arbeitskreis einen tiefen Einblick in die steuerliche Entwicklung bei Kooperationen. Sie zeigte auf, was bei der Entwicklung von Kooperationen und Personengesellschaften zu beachten ist. Vor allem die Teilnehmer im Arbeitskreis konnten hier gezielt Fragen an die Expertin richten, auf was auch bei der Vertragsgestaltung zu achten ist.

Das Menschliche nicht vergessen!

Da die Basis jeglicher Zusammenarbeit das persönliche Gespräch und der Umgang miteinander ist, stand bei der Abendveranstaltung das „Menschliche Miteinander“ im Fokus. Bruder Paulus Terwitte zeigte, dass gegenseitige Abhängigkeit kein Fluch, sondern ein Segen ist. Für ihn ist es ein Segen, dass keiner ohne den Anderen kann. Kooperation bedeutet für ihn, gemeinsam ein Werk zu vollbringen, das der Einzelne nicht vollbringen kann.

Dass das Miteinander auch Pflege und Tradition braucht und welche Grundbedürfnisse und Gefühle bei Kooperationen berücksichtigt werden sollten, wurde aus dem Vortrag von Anneken Kruse deutlich. Als sozioökonomische Beraterin und Mediatorin bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen konnte sie von vielen Erfahrungen beim Umgang mit unvermeidlichen Problemen im Rahmen von Kooperationen berichten.

Alles in allem haben die Teilnehmer der 18. Konferenz zum Forum Spitzenbetriebe Schwein, das zusammen mit den Beratungsorganisationen der Länder durch die DLG organisiert wird, neben einer Standortbestimmung des eigenen Betriebs auch zahlreiche Informationen zum Schwerpunktthema Kooperationen in der Schweinehaltung mitgenommen. Vor allem die intensiven und praxisnahen Diskussionen in den parallelen Arbeitskreisen werden von den Teilnehmern geschätzt.

Wichtigster Baustein der Zusammenarbeit ist letztlich miteinander zu reden, daher lautet das Motto: Schweigen ist Silber, (miteinander) REDEN ist Gold!