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Sortenprüfung Mais – wie praxistauglich ist NIRS?

Welche Maissorte ist die „richtige“ für meinen Standort und für meine Verwertungsrichtung? Dies soll die Sortenprüfung beantworten, die seit Jahrzehnten vom Bundessortenamt (Register- und Wertprüfungen) in Verbindung mit den Bundesländern (Landessortenversuche) und dem Deutschen Maiskomitee erfolgreich organisiert und durchgeführt wird.

Dabei streben alle Beteiligten ständig nach höherer Effizienz und Präzision. Große Erwartungen setzt man in die online-Messung der wertgebenden Inhaltsstoffe direkt bei der Ernte mittels mobiler NIRS-Technik. Was für die Feuchte bereits hinreichend genau funktioniert, ist bei Stärke, Rohprotein etc. noch nicht zur Gänze ausgereift.

Deshalb befasste sich der DLG-Ausschuss für Versuchswesen in der Pflanzenproduktion (ViP) auf seiner Sitzung kürzlich im DLG-Haus in Frankfurt intensiv mit den bestehenden Herausforderungen.

Bisher werden die Proben der einzelnen Sorten zwar bereits mit NIRS, aber erst nach der Ernte im Labor analysiert. Zusätzlich erfolgen stichprobenartig nass-chemische Kontrollmessungen. Jede dieser Methoden hat ihre eigene Sensitivität für Unterschiede und ihre eigene Robustheit gegenüber Fehlern. Das bedeutet, dass einzelne, mit unterschiedlichen Messmethoden gewonnene Messwerte nicht vergleichbar sind.

Nun kommt es bei der Sortenprüfung mehr auf das Ranking untereinander als auf die absoluten Gehalte an Inhaltsstoffen an. Unterschiedliche Messwerte sollen aber auf Sortenunterschieden und nicht auf Fehlern bei der Analyse beruhen! Deshalb treten Kriterien wie das Probenhandling in den Vordergrund: Wie repräsentativ ist die Probe? Wie wird sie verpackt und verwechslungsfrei gekennzeichnet? Wieviel Zeit vergeht zwischen Probenahme und Analyse? Ist eine Kühlkette nötig und wie wird sie eingehalten?

Vor diesem Hintergrund hat die direkte NIRS-Messung auf dem Feld scheinbar nur Vorteile. Bei näherem Hinsehen sind aber Randbedingungen „wie im Labor“ einzuhalten: Eine online-Inhaltsstoffmessung mit NIRS im Rahmen der Sortenprüfungen von Mais kann nur gelingen, wenn aktuelle Kalibrationen verwendet, die Arbeitsabläufe sorgfältigst eingehalten und Kontrollmessproben aus demjenigen Material gezogen werden, das auch die Messköpfe passiert hat. Das Bundessortenamt wird im Frühjahr zu einer Klausur einladen, um hier weiter zu kommen.

Ebenso hohe Aufmerksamkeit widmeten die 37 Teilnehmer der Ausschusssitzung den neuen Anwendungsbestimmungen beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel, die nicht nur die Versuchstechniker, sondern auch „normale“ Landwirte betreffen.

Weitgehend unbemerkt von der landwirtschaftlichen Praxis sind hier Anforderungen ins Spiel gekommen, die sich nicht in der Beschaffung der „richtigen“ Gummihandschuhe erschöpfen. Seit September 2017 gilt eine neue BVL-Richtlinie „Persönliche Schutzausrüstung für den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“ (BVL 17/02/09). Eine geeignete Schutzausrüstung besteht aus Schutzanzug, Handschuhen, Kopfschutz, Augen- und Atemschutz, Gummischürze und Fußschutz.

Die erforderliche Ausrüstung wird von der Zulassungsbehörde für jedes Pflanzenschutzmittel individuell festgelegt, denn sie ist abhängig von den Eigenschaften des Mittels und der Anwendungsweise. Auf der Packung eines Pflanzenschutzmittels steht, welche Ausrüstung vorgeschrieben ist. Wenn im Einzelfall keine spezielle Schutzausrüstung vorgesehen ist, sind zumindest ein langärmeliges Hemd und lange Hosen zu tragen.

Um Ihre Gesundheit nicht zu gefährden, sollten Sie bei der Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel niemals auf die Schutzmaßnahmen verzichten! Wer an näheren Informationen interessiert ist, wende sich gerne an den Ausschussgeschäftsführer.