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Ressourcenverwertung optimieren

Ulrich Westrup über Herausforderungen und Chancen in der Milcherzeugung

Sind es in den letzten Jahren eher die Preisschwankungen bei der Milchverwertung gewesen, die Jahr für Jahr zu Einnahme- und damit auch Gewinnschwankungen führten, so erleben wir insbesondere dieses Jahr eine weitere Komponente der Schwankungen. Die Rede ist von der Dürre des letzten Jahres und damit der landesweiten Verknappung sowie Qualitätsminderung des Grundfutters. In dem Sog der Verknappung sind auch die Preise für die Kraftfuttermittel gestiegen.

Dieses war das beherrschende Thema der Gespräche in den Pausen aber auch bei den Arbeitskreisen der 16. Konferenz des DLG-Forums Spitzenbetriebe Milcherzeugung. In den sieben verschiedenen Workshops stand darum die Ressourcenverwertung im Mittelpunkt.

So ein Jahr schärft dann auch den Blick für die effiziente Fütterung. Dass die Futterkosten den größten Kostenblock in der Milchviehhaltung darstellen, ist hinlänglich bekannt. Aber zwischen den Betrieben stellen sich dann doch große Unterschiede von bis zu 8.000 kg Milch je ha Hauptfutterfläche heraus. Da gilt es, Schwachstellen zu analysieren. Die Erntemengen können aufgrund von Bodenunterschieden und Wasserverfügbarkeit sehr stark variieren. Aber die Qualitäten, die gefüttert werden, sind insbesondere abhängig vom richtigen Erntezeitpunkt, der guten Aufbereitung und der Einlagerung des Siliergutes. Eine Herausforderung insbesondere bei der Erstellung einer Langschnittsilage im Mais.

Hohes Verlustpotenzial stellt auch die Entnahme aus dem Silostock da. Dafür gibt ein sogenanntes „TMR-Audit“ wertvolle Hinweise, bei dem insbesondere ein Fokus auf die Nacherwärmung von aufgelockertem Siliergut an der Entnahmefläche gelegt wird. Genauso ist es aber auch entscheidend, dass die Ration, die für die optimale Versorgung der Kühe errechnet wird, auch in den Trog gelangt und dort von den Tieren so aufgenommen wird. Wichtige Hinweise können dabei Schüttelboxergebnisse leisten, um selektives Fressverhalten aufzudecken. Der Unterschied zwischen Restfutter und frisch gefütterter Ration zeigt einem dabei Verbesserungspotenziale auf.

Ein Spiegelbild der guten Fütterung ist die Tiergesundheit. So hilft es, ein ständiges Controlling und Benchmarking der Tiergesundheit zu etablieren, um sowohl für die Fütterung als auch bei der Haltung Verbesserungspotentiale aufzudecken. Wichtigste Aussage ist dabei, Ziele zu definieren, dafür die Daten zu erheben und auszuwerten, um dann daraus Rückschlüsse zu ziehen.

Weiter wurde klar, dass die Einführung der genomischen Selektion in der Milchviehhaltung zu einem Quantensprung zur Verbesserung der funktionalen Merkmale geführt hat. Fast zehn Jahre nach der Einführung der „Genomics“ lassen sich in den Betrieben leicht die genomischen Zuchtwerte in den phänotypischen Leistungen wiederfinden. Dieses führt dann auch zu einem Potenzial für ein Mehr an Langlebigkeit. Der Startschuss für ein weiteres Züchten auf noch mehr Gesundheit beginnt im April mit der Einführung neuer Zuchtwerte, die insbesondere die Euter-, Klauen- und Stoffwechselgesundheit sowie die Reproduktionsleistung im Blick haben.

So kommt aus dem Herz der Branche ein mehr an Tierwohl, da neue Techniken, Wissenszuwachs und Innovationskraft Hand in Hand gehen. Dadurch werden die begrenzten Ressourcen optimaler genutzt oder anders gesagt, wir arbeiten ständig daran, die Potenziale der Nachhaltigkeit zu heben.