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Nmin-Werte im Frühjahr 2019

Ludger Deters über neue Spielregeln bei der Düngung

Im Zuge der Erstellung der Düngebedarfsermittlung sind wir Landwirte auf neue Fragen gestoßen, die bis dato eher einen geringen Stellenwert hatten. Wie lassen sich die unterschiedlichen Boden-Nmin-Werte in die Düngung einbeziehen? Wo kommen die großen Unterschiede in den Werten her? Was muss ich als Landwirt ändern, um langfristig hohe Erträge bei gleichzeitig reduziertem Düngeraufwand zu erzielen? Schlussendlich bleibt dann noch die überschüssige Gülle für zu wenig günstige Flächen. Es lässt sich daher gut darstellen, dass Nmin-Werte als schwer kalkulierbare Faktoren mit sehr großem Einfluss auf die Düngung gelten.

Für unseren Betrieb im Emsland mit Viehhaltung, Biogas und Ackerbau machen die derzeitigen Auswirkungen von niedrigen Erträgen aus 2018 und teils hohen Nmin-Werten im Frühjahr 2019 nachdenklich. Die Folge ist, dass auf Einzelflächen letztlich nicht einmal der aus der Düngebilanz zulässige organische Dünger ausgebracht werden dürfte. Ich darf Sie jedoch beruhigen, die Situation ist nicht aussichtslos, sondern bietet auch neue Lösungen und die nötige Motivation zum Umdenken.

Im biologischen Ackerbau haben das Nährstoffmanagement und vor allem die Nmin-Werte im Boden einen sehr hohen Stellenwert, da bei dieser Form des Ackerbaus grundsätzlich mit geringeren Nährstoffkonzentrationen zu wirtschaften ist. Neben ausgeweiteten Fruchtfolgen sind vor allem der Zwischenfruchtanbau mit ständiger Begrünung sowie eine ausgewogene organische Düngung Grundbausteine ihres Wirtschaftens. Ziel sind natürlich ebenfalls hohe Erträge, um hohe Nährstoffmengen im Boden zu vermeiden. Falls die Erträge ausbleiben, müssen die Nährstoffe möglichst effizient über den Winter mit ins Folgejahr gebracht werden, um die Nährstoffe nicht zu verlieren.

Wir haben in unseren eigenen Untersuchungen festgestellt, dass es einen erkennbaren Zusammenhang zwischen niedrigen Nmin-Werten und Zwischenfruchtanbau unter Berücksichtigung der Humusgehalte gibt. Silomaisflächen ohne Winterbegrünung sind die besten Negativbeispiele. Als positiv hingegen sind Ackergras beziehungsweise winterharte Zwischenfrüchte oder sogar einfache Begrünung nach Sommerungen zu nennen. Entweder sind die Nmin-Gehalte dort erstaunlich niedrig oder die Werte in der Krume im Vergleich zum Unterboden verhältnismäßig hoch. Folglich ist der Stickstoff nach hohen Winterniederschlägen ausgewaschen und damit verloren oder aber vom Zwischenfruchtbestand aufgenommen beziehungsweise festgehalten worden.

Kritiker werden nun sagen, dass in anderen Regionen ohnehin das Wasser schon fehlt, dann baue ich sicherlich nicht auch noch wasserzehrende, unproduktive Kulturen im Winter an. Aber auch bei etwas höheren Niederschlägen im Emsland sind die Winterniederschläge auf den flachgründigen Böden spätestens jedoch im März/April versickert. Das heißt für uns, dass auch wir dann von regelmäßigen Niederschlägen abhängig sind, um stabile Erträge zu erzielen – und dennoch arbeiten wir mit Winterbegrünung.  

Gülle, Mist und Co. gelten für uns als nicht austauschbarer Volldünger und hilft uns, die weitere Hauptnährstoffversorgung sicher zu stellen, Mineraldünger einzusparen und ganz nebenbei Humus aufzubauen. Doch warum hat die Düngung mit Gülle regional einen so schlechten Ruf? Liegt es an der fehlenden Nährstoffeffizienz und/oder sind es die Transport- und Ausbringungskosten?

Sicher ist, dass es bei der Effizienz noch jede Menge Baustellen gibt. Seien da nur folgende Stichpunkte zu nennen: Gülleseparation, Lagerraum, Nährstoffanalyse, Einarbeitungszeiten, Nitrifikationshemmer, N/S-Verhältnis, Ansäuern und so weiter. Für uns stellt sich die Frage daher in erster Linie nicht, wohin mit der Gülle? Sondern wie bekomme ich sie effizienter eingesetzt? Daher sehen wir die Lage nicht so ernst, denn aus Erfahrung wissen wir, dass zum Beispiel Mais und Zuckerrüben ohnehin schon nur mit organischer Düngung auskommen.

Um letztlich die Frage vom Anfang weiter zu beantworten, bleibt aus unserer Sicht die Nutzung aller bereits vorhandenen Instrumente immer wieder einzusetzen. Darunter zählt die Ermittlung des vorhandenen Wurzelraumes, Anlage von Düngefenstern und natürlich die Methoden der digitalen Landwirtschaft. Mit Hilfe von Ertrags-/Biomassekarten sowie sensorgesteuerter Düngung lassen sich neue Erkenntnisse sammeln.

Es bleibt somit weiterhin spannend im Ackerbau, daher wünsche ich allen Lesern ein zufriedenes Jahr und viel Erfolg beim Ausprobieren.