Zum Hauptinhalt springen

Man muss weiter blicken

Benedikt Sprenker zur Vermarktung neuer Fruchtarten

Wir haben im Betrieb mittlerweile weite Fruchtfolgen. Gründe hierfür waren der Preisdruck auf die herkömmlichen Marktfrüchte, das Vorbeugen von Resistenzen und die Arbeitswirtschaft. Ein weiterer Aspekt sind Förderprogramme, die alternative Fruchtarten wie Leguminosen lukrativer machen.

Konkret fährt unser Betrieb fünfgliedrige Fruchtfolgen. Auf schweren Böden besteht die Fruchtfolge aus Wintergerste, Winterraps, Winterweizen, Triticale und Ackerbohnen beziehungsweise Sojabohnen. Auf milderen Böden setzt sie sich aus Wintergerste, Mais, Winterweizen, Triticale und Soja zusammen.

Die Ackerbohne ist bei uns seit 2002/03 im Betrieb. Damals war die Förderung entscheidend, die es in Nordrhein-Westfalen gab, weil wir die Ackerbohnen zu dieser Zeit innerbetrieblich noch nicht verwerten konnten. Wir wollten aber eine Frühjahrskultur als fünfte Kultur in die Fruchtfolge aufnehmen, um sie auseinanderzuziehen. Es war außerdem bereits abzusehen, dass wir in die Schweinemast einsteigen werden, was auch zwei Jahre später geschah. Seitdem können wir die Ackerbohnen innerbetrieblich gut verwerten.

Stellenweise haben wir auch etwas mildere Böden, die sich für Sojabohnen eignen. Im Moment ist das Anbauverhältnis der beiden Kulturen halb-halb mit einer Tendenz in Richtung Sojabohne. Das werden die nächsten Jahre zeigen. Wir bauen frühe Bohnensorten an und sind bisher sehr zufrieden damit.

So vermarkten wir

Die Ackerbohnen vermarkten wir innerbetrieblich, indem der Ackerbaubetrieb sie an die Schweinemast verkauft, die eine KG ist. Wenn man die Ackerbohnen auf diese Weise verwertet, sind sie wettbewerbsfähiger als wenn man sie verkaufen muss.

Zwar gibt es mittlerweile einen Markt für Ackerbohnen. Sie werden hier im Raum oft zwischenbetrieblich gehandelt, ohne dass der Landhandel eingebunden ist. Ich verkaufte ebenfalls Ackerbohnen, kaufe sie aber im Moment eher zu, weil wir unsere Schweine nicht ausschließlich über den eigenen Anbau versorgen können. 

Bei den Sojabohnen haben wir ganz am Anfang die ersten paar Tonnen ungetoastet über die fahrbare Mühle einfach im Futter untergemischt. Als die Mengen gestiegen sind, mussten wir aktiv werden und haben uns einen Landhändler gesucht, der gentechnikfreie Sojabohnen braucht. Der hat sie uns dann auch zu einem fairen Preis abgekauft.

Mittlerweise nimmt die Raiffeisen Warendorf eG ebenfalls Sojabohnen ab. Dort wurde eine Toastanlage etabliert, die über das hiesige Sojanetzwerk mit angestoßen und durch uns mit begleitet wurde. Wenn man einen Lkw voll mit Sojabohnen hat, kann man aber auch bundesweit vermarkten.  

Meine Tipps für Einsteiger

Wenn man mit neuen Fruchtarten anfängt, sollte man sich ein Netzwerk schaffen und sich mit anderen Erzeugern, die diese Fruchtarten schon anbauen, vernetzen. Dann muss man sich auch mal ins Auto setzen und nach Süddeutschland fahren, wo Landwirte etliche Jahre mehr Erfahrung mit Sojabohnen haben. Man hat dadurch eine relativ schnelle Lernkurve und macht nicht so viele Anfängerfehler.

Im Vorfeld muss schon klar sein, wo es hingehen soll. Ein Anbau macht keinen Sinn, wenn es keinen Abnehmer gibt. Wenn man die neuen Fruchtarten nicht verfüttern kann, sollte man sich mit dem Händler seines Vertrauens zusammensetzen und mögliche Absatzwege prüfen. Wenn man etwas agiler ist, geht man vielleicht einmal auf eine Tagung oder Messe und spricht dort mögliche Aufkäufer für solche Produkte an. Man muss im Grunde weiter blicken, als der normale Blick des Betriebsleiters sonst ist. Man muss sich umfassender informieren, was in der weiteren Umgebung mit solchen Kulturen passiert. 

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einen Verarbeiter anzurufen. Die Sojabohne, insbesondere aus biologischem Anbau, ist ja auch für die menschliche Ernährung sehr interessant. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man durchaus bei Einkäufern Termine bekommen kann, die an neuen Produkten interessiert sind. Letzten Endes geht es denen natürlich immer um vernünftig große, einheitliche Partien. Dann wird man irgendwann wieder über eine Erfassung nachdenken oder an einen Landhändler oder eine Genossenschaft, die diesen Part übernehmen.

Was außerdem noch wichtig ist

Man muss Vertrauen in den Marktpartner entwickeln, drauf, dass er auf Augenhöhe arbeitet. Dass es auch in schwierigen Zeiten eine Verlässlichkeit gibt, wenn die Ernte mal nicht so gut ausfällt. Gerade weil es sich um Nischenprodukte handelt, sind auch regelmäßige Gespräche über die Entwicklung des Marktes wichtig. Wenn man wie ich an einem Programm mit fünffeldriger Fruchtfolge teilnimmt und auf das Plus an Kulturen angewiesen ist, ist das besonders spannend.