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Fruchtfolgen erweitern – darauf kommt es an!

Die ackerbaulichen Problemfelder der getreide- und winterungslastigen Fruchtfolgen sind bekannt: Hohe und kostenintensive Pflanzenschutzintensität, resistente Ungräser, Arbeitsspitzen etc. machen die Erweiterung enger Fruchtfolgen notwendig. Bei der Auswahl der Fruchtarten sind entscheidend:

  • die ackerbauliche Eignung des Standortes (klimatische Eignung, Wasserversorgung etc.),
  • die Vermarktungsmöglichkeit,
  • die Wirtschaftlichkeit der Gesamtfruchtfolge,
  • Wirkungen auf die Arbeitserledigung beziehungsweise Arbeitsspitzen.

Mit welchen Fruchtarten die Folge erweitern?

Eine im Zuge der Fruchtfolgeerweiterung im Fokus stehende Fruchtart ist der Körnermais. Als Sommerung erlaubt er die Entzerrung herbstlicher Arbeitsspitzen und ermöglicht die intensive mechanische Bekämpfung von Ungräsern und Unkräutern. Auch die Ertragsstabilität und die guten Verwertungsmöglichkeiten machen den Mais attraktiv.

Problembereiche des Maisanbaus sind die Erosionsanfälligkeit durch den späten Reihenschluss. Und der späte Erntezeitpunkt verhindert den Anbau auf manchen Standorten, aufgrund der nicht ausreichenden Abreife des Bestandes. Eng mit der Abreife des Körnermais sind die Trocknungskosten verbunden, denn je später die Abreife desto höher die Trocknungskosten und desto weniger wirtschaftlich ist der Körnermaisanbau.

Zunehmend oft genannt wird auch der Hafer. Denn als Sommerung entzerrt er Arbeitsspitzen und ermöglicht die intensive Ungräser- und Unkräuterbekämpfung. Als Gesundungsfrucht ist Hafer wertvoll für die Erweiterung enger Fruchtfolgen. Zunehmend attraktiv machen den Hafer die sich verbessernde Qualität des erzeugten Hafers – so ist das Hektorlitergewicht in den letzten Jahren gestiegen, während der Spelzenanteil und der Anteil nicht entspelzter Körner kontinuierlich gesunken ist. Die verbesserten Qualitäten steigern somit auch die Vermarktungschancen des Hafers.

Im Mittelpunkt der Fruchtfolgeerweiterungen stehen weiterhin die Körnerleguminosen. Als Sommerung brechen sie Arbeitsspitzen und ermöglichen die Unkraut- und Ungrasbekämpfung. Die extensive Bestandesführung und die Stickstofffixierung sind weitere Vorteile. Sind die ackerbaulichen Vorteile unbestritten, ist die Vermarktung mitunter herausfordernd. Potenziale liegen insbesondere in der innerbetrieblichen Futternutzung ebenso wie in der zwischenbetrieblichen Kooperation zwischen Anbauer und Tierhalter. Denn Futterkooperationen erschließen Vermarktungswege abseits des klassischen Handels.

Auch der Anbau an Soja gewinnt an Bedeutung. Neue Züchtungen haben die regionale Anbauwürdigkeit erweitert. Aufschluss über die Anbaueignung von Soja in den unterschiedlichen Regionen gibt das Geoportal des Julius Kühn Institutes JKI Geoportal - Anbaueignung für Sojabohnen. Werden transportwürdige Mengen angeboten („der volle LKW“), können die Sojabohnen bundesweit vermarktet werden. Für die einzelbetriebliche Futternutzung ist ein Partner notwendig, der die Bohnen toastet und für die innerbetriebliche Futternutzung aufbereitet.

Wirtschaftlichkeit: Fruchtfolgeeffekte berücksichtigen, Gesamtfolge wirtschaftlich betrachten

Die ausschließliche Betrachtung der Eigenrentabilität der Fruchtarten für die Anbauentscheidung greift zu kurz. Denn hierbei bleiben fruchtfolgebedingte Ertragseffekte, Intensitäten des Betriebsmitteleinsatzes etc. unberücksichtigt – die Ökonomie der Fruchtfolge ist in diesem Fall unvollständig berücksichtigt. So ist zu erwarten, dass der Rapsertrag in einer vierjährigen Fruchtfolge um 1 bis 2 dt/ha steigt und der Pflanzenschutzaufwand sinkt. Vier- bis siebenfeldrige Fruchtfolgen gewinnen deshalb an Attraktivität.

Für die Kalkulation der Anbauentscheidung ist es deshalb notwendig, auf den Standort bezogen zu kalkulieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Ertragshöhen der angebauten/geplanten Fruchtarten, Fruchtfolgeeffekte (Änderung von Erträgen, Betriebsmittelaufwand, Arbeitsverfassung in Abhängigkeit der Folge). Um passende Entscheidungen zu treffen, ist es von Bedeutung, betriebliche Daten beziehungsweise regionale Statistiken zu verwenden. 

Vermarktung mitdenken, Anbau testen

Die Erweiterung der Fruchtfolge macht es notwendig, schon mit der Anbauplanung die Vermarktung zu organisieren. So macht es Sinn, Vermarktungspartner über die Möglichkeiten der Vermarktung von Soja, Hafer und anderen in Frage kommenden Fruchtarten anzusprechen.

Gleiches gilt bei der geplanten innerbetrieblichen Nutzung beispielsweise von Soja, denn hier sind Partner notwendig, die die Bohnen toasten. Netzwerke mit anderen Anbauern helfen, Erfahrungen bei Anbau und Vermarktung zu sammeln. Und schließlich kommt es am Ende darauf an, den Anbau konkret auf kleineren Flächen zu testen und Erfahrungen zu sammeln.