Zum Hauptinhalt springen

Kleiner Nährstoff, große Wirkung

Drei Referenten lud der Ausschuss für Pflanzenernährung am 31. Januar 2019 zum Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) in Kassel, um seine Mitglieder und Gäste über den wichtigen, richtigen aber auch teils fraglichen Einsatz von Mikronährstoffen zu informieren.

Für viele Praktiker ist der Einsatz von Mikronährstoffen bereits zur jährlichen Routine im Bestandesmanagement geworden. Von Kleinstmengen, Kontaktdüngung bis hin zu chelatisierten oder komplexierten Nährstoffen wird vieles auf dem Markt angeboten und auch angewendet. Doch Experten wie Dr. Zorn, TLLL, Jena, oder Dr. Buchholz, Jost GmbH, Iserlohn, beide seit Jahrzehnten mit der Mikronährstoffdüngung im Ackerbau eng verbunden, warnen vor einer allzu routinierten Anwendung. Der Einsatz von Mikronährstoffen ist eine Gratwanderung zwischen Unter- und Überversorgung als auch zwischen Placebo und messbarem Effekt. Wenn sie richtig wirken, können sie die Versorgung mit anderen Nährstoffen maßgeblich verbessern – ganz nach dem Gesetz des Minimums nach Liebig.

Die Gabe von Mikronährstoffen wie Bor, Mangan, Kupfer, Molybdän oder Zink ist nicht nur je nach angebauter Kultur und gar Sorte zu dosieren, sonst  wird hier die Medizin schnell zum Gift und schlägt sich gar negativ im Bestand nieder. Um dies zu vermeiden, müssen erst die Nährstoffmengen im Boden und deren Pflanzenverfügbarkeit überprüft werden. Hier steckt bereits der Teufel im Detail, da je nach Bodenart oder pH-Wert eventuell unterschiedliche Analysemethoden angesagt sind. Selbst, wenn die richtige Düngemenge ermittelt ist, stellt sich die Frage der Applikationsform und –art. Macht die Düngung über den Boden Sinn oder ist eine Blattdüngung zu bevorzugen? Oder ist es gar schon zu spät für eine Mikronährstoffdüngung, da der Bedarf, die Aufnahmefähigkeit oder die Mangelsymptome der Anbaukultur eine Düngung bereits überflüssig machen?

Für den Praktiker heißt das, dass eine Mikronährstoffdüngung genauso gut geplant und strategisch durchdacht sein sollte, wie der Pflanzenschutz: Nichts läuft nach Rezept, Standortkenntnis und Bestandsbeobachtung sind Pflicht und zahlt sich zusammen mit einer ordentliche Beratung meistens aus.

Wie eng die Versorgung des Bestandes mit Mikronährstoffen mit dem Pflanzenschutz zusammenhängt, stellte Dr. Lawson, K&S, Kassel, in seinem Vortrag dar. Bei weiterhin eingeschränkter Neuentwicklung und Wiederzulassung von Wirkstoffen müssen unsere Bestände mindestens über die Nährstoffversorgung möglichst fit gehalten werden, um biotischen und abiotischen Einflüssen die Stirn bieten können. Eine optimale Manganversorgung kann Getreide zu einem gewissen Maß vor Auswinterung und gar Mehltaubefall schützen. Die Versorgung mit Silizium und seiner Wirkung auf Standfestigkeit, sowie der Erhöhung der Toleranz gegenüber pilzlichen Erregern wird regelmäßig diskutiert. Je enger der Spielraum bei den großen Stellschrauben (Hauptnährstoffe und chemische Pflanzenschutzmittel) wird, desto wichtiger werden die kleinen oder Mikro-Stellschrauben.

Die Forschung zu den Mikronährstoffen nimmt wieder Fahrt auf und die Praxis muss sich noch genauer über den Einsatz der kleinen Helfer informieren, um ihr Potenzial zu nutzen und ihre Risiken für die Pflanzengesundheit zu minimieren.