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Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft im Verbund

In einem Fachpodium diskutierten Andreas Dörr, Landwirt aus Bayern, Stefan Canz von Nestlé, Ajit Mathai, App-Gründer aus Indien sowie Liam Condon von der Bayer AG über die Herausforderungen und Chancen der digitalen Transformation.

Dabei gingen die Diskussionsteilnehmer auch auf die gesellschaftlichen Erwartungen bei den Themen Effizienz, Tierwohl, Lebensmittelsicherheit und Transparenz ein. Ebenso wurden Lösungsansätze für gemeinsame Standards und Regulierungsmöglichkeiten hinterfragt.

Laut Andreas Dörr, Landwirt aus Bayern, hat die Digitalisierung der Landwirtschaft das Potenzial, Ökologie, Ökonomie und hochwertige Nahrungsmittelproduktion miteinander in Einklang zu bringen. Hierbei ist die Vereinfachung von Arbeitsprozessen genauso wichtig wie neue Möglichkeiten für eine nachhaltige ressourcenschonende Landwirtschaft.

Der damit verbundene Transformationsprozess ist jedoch eine große Herausforderung. Nicht jeder Landwirt wird die neue Technologie im eigenen Betrieb implementieren können und daher möglicherweise Strukturwandel verpassen.

Er ist der Meinung, dass nicht betriebssensible Daten von intelligenten Algorithmen zum Nutzen für die Landwirtschaft ausgewertet werden dürfen und müssen. Hier sieht Dörr noch großes Potenzial. Sensible Betriebsdaten hingegen müssen Eigentum des Landwirtes bleiben. Abschließend ist Dörr wichtig, dass der Landwirt die Funktionalität hinter der modernen Technik versteht, um nicht in eine Abhängigkeit zu geraten.

Liam Condon, Mitglied des Vorstandes der Bayer AG, ging auf die Chancen der Digitalisierung ein. Diese ermöglicht es Landwirten, auf der Grundlage von Daten präzisere Entscheidungen zu treffen. Dadurch können sie unter Einsatz von weniger Ressourcen nachhaltiger und ökonomischer wirtschaften. Auch die vom Konsumenten zunehmend geforderte Transparenz in der Lebensmittelherstellung, sowie eine Verbesserung beim Umweltschutz kann durch die Digitalisierung der Landwirtschaft begünstigt werden.

Maßgeschneiderte Innovationen können für jede Betriebsgröße angeboten werden. Damit verschiebt sich langfristig auch das Geschäftsmodell von Bayer hin zu einem ergebnisorientierten Modell. Ein solches Modell kann folgendermaßen aussehen: Der Landwirt gibt prozentual Teile seines Gewinnes ab, welche mit der neuen Technologie erwirtschaftet wurden. Um mögliche Gewinne für den Anbieter Bayer prognostizierbar zu machen, muss aber eine große Datenmenge erhoben werden.

Ajit Mathai, App-Gründer aus Indien, bevorzugt bei der Digitalisierung eine Bottom-up Lösung, bei welcher der Landwirt im Mittelpunkt steht. Diese Lösungen sind zugeschnitten auf das individuelle Problem vor Ort und helfen dem Landwirt, nicht in Abhängigkeit zu geraten. Die Datenhoheit muss ebenfalls beim Landwirt bleiben. Wenn diese Forderungen eingehalten werden, hat die Digitalisierung keine Nachteile für den Einzelnen. Aus seiner Sicht ist das Smartphone ein unverzichtbares Werkzeug und hat im Zuge der Digitalisierung das Potenzial, Landwirtschaft „Cool“ zu machen und mehr junge Menschen für den Beruf zu begeistern.

Stefan Canz von der Firma Nestlé ist in seinem Bereich insbesondere für kleinbäuerliche Betriebe in Entwicklungsländern zuständig. Er sieht das Potenzial der Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Landwirte suchen nach intelligenten Lösungen für einen Mehrwert, Verarbeiter wollen wettbewerbsfähige Produzenten und der Konsument verlangt mehr Transparenz.

Auch er sieht, ähnlich wie Ajid Mathai, eine Bottom-up Lösung als erfolgsversprechend an. Intelligente Lösungen würden nicht aus dem Silicon Valley kommen. Die Digitalisierung bringt nur dann etwas, wenn es am Ende des Tages tatsächlich Mehrwert schafft.