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Zwischen Fair Trade & Chlorhühnchen

Beim 4. Landwirtschaftsdialog an der Universität Hohenheim in Stuttgart diskutieren am 15. Januar von 18:00 bis 21:30 Uhr Vertreter von Wissenschaft und Landwirtschaft, interessierte Bürger sowie Studierende, welche Chancen und Risiken der internationale Agrarhandel birgt. Ob es immer Gewinner und Verlierer geben muss und welche Einflussmöglichkeiten über Entscheidungen an der Supermarktkasse bestehen. Alle Teilnehmer sind eingeladen, ihre Meinung beim Digi-Voting und in Diskussionsrunden einzubringen.

Tomaten aus Marokko und Bananen aus Ecuador: Der internationale Agrarhandel ermöglicht es, auch in Deutschland nahezu ganzjährig Früchte zu genießen, die vor Ort nur saisonal oder gar nicht wachsen würden.

Aus Sicht der Verbraucher birgt der Handel über Ländergrenzen hinweg jedoch auch Risiken. Ein Beispiel sind die sogenannten Chlorhühnchen aus den USA: Dieses Geflügel wird vor dem Verpacken im Chlorbad desinfiziert. In Deutschland ist diese Methode unzulässig, allerdings besteht die Sorge, dass das mit Chlor behandelte Fleisch über Importe auf den hiesigen Markt gelangen könnte.

Zudem steht der Agrarhandel der EU im Verdacht, in anderen Teilen der Welt Schaden anzurichten – so wird angeführt, dass afrikanische Kleinbäuerinnen und -bauern nicht mit Importen von billigen Geflügelteilen oder Milchpulver aus der EU konkurrieren können und dadurch wertvolle Einkommenschancen verlieren, mit denen sie die Armut überwinden könnten. EU-Importe von Soja, Rindfleisch und Palmöl werden als Ursache für die Abholzung tropischer Regenwälder gesehen.

Auf dem 4. Hohenheimer Landwirtschaftsdialog beleuchten Vorträge die Chancen und Risiken des internationalen Agrarhandels und das Potenzial von Handelsabkommen und Umwelt- und Sozialstandards. Beiträge kommen von:

  • Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz (MLR), Baden-Württemberg
  • Prof. Dr. Christine Wieck, Leiterin des Fachgebiets Agrar- und Ernährungspolitik, Institut für Agrarpolitik und Landwirtschaftliche Marktlehre, Universität Hohenheim
  • Dr. Klaus-Dieter Schumacher, Analyst und Unternehmensberater im Bereich Agrarmärkte sowie Agrar- und Handelspolitik
  • Stefan Dürr, Ekosem-Agrar AG

Zwischen den Vorträgen gibt es die Gelegenheit für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, eigene Kommentare und Fragen in die Diskussion einzubringen. Spannend wird auch die Frage, ob sich das Meinungsbild der Besucherinnen und Besucher im Laufe des Abends verändert: Per Digi-Voting können sie zu Beginn und zum Ende der Veranstaltung abstimmen.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Hintergrund

Mit der Veranstaltungsreihe „Hohenheimer Landwirtschaftsdialog“ schaffen die Fakultät Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim und die Junge DLG/Team Hohenheim ein Forum, in dem Vertreter aus Wissenschaft, der landwirtschaftlichen Praxis und der Politik, Studierende und die interessierte Öffentlichkeit über gesellschaftlich umstrittene Themen der Landwirtschaft diskutieren können.

Damit möchte die Universität Hohenheim ihre wissenschaftliche Expertise stärker in die öffentliche Diskussion um die Zukunft der Landwirtschaft einbringen.