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Positive Bilder aus dem Schweinestall

Christoph Becker meint, dass ein Großteil der Ställe verändert werden muss

Ich habe kürzlich meinen ersten Facebook-Auftritt für meinen Betrieb erstellt und brauchte dafür positive Bilder aus dem Schweinestall. Ich stellte fest: Selbst bei einem Aussenklimastall unter den Bedingungen des deutschen Tierschutzlabels ein schwieriges Unterfangen. Kaum möglich, ein Foto zu machen was der Verbraucher als "positives" Bild einschätzen würde.

Leider brauchen wir gerade diese Bilder, um aus der Diskussion rauszukommen. Lange Erklärung was mit dem Ringelschwanz passiert oder eben nicht interessiert den Großteil der Verbraucher nicht. Mit einem einfachen Bild mit Schweinen im Auslauf auf Stroh wäre viel mehr getan.

Ich habe als junger Landwirt keine Lust mehr, von den Medien in die Ecke gedrängt zu werden. Ich will und kann frohen Mutes und voller Motivation in die Zukunft schauen. Aber dafür muss ich eben bereit sein, auch etwas zu verändern und zu akzeptieren.

Wenn wir als Landwirte uns gegen Veränderungen sträuben und alle Veränderungen (Ringelschwanz, Platzangebot, Stallumbauten) nur zögerlich und nach vielen Diskussionen annehmen, werden wir auch auf Dauer die Getriebenen sein. Auf Dauer müssen wir proaktiv werden und selber die Richtung mitgestalten.

Die Diskussion um die Tierhaltung wird zudem anhalten, solange wir nicht emotional positivere Bilder erzeugen können. Um diese zu produzieren, brauchen wir langfristig den Außenauslauf und auch Stroh in irgendeiner Form.

Das Schwein ist das intelligenteste Nutztier, das wir haben. Sobald ich diesen Satz verinnerlicht habe und ehrlich zu mir bin, kann ich nicht mehr glauben, dass eine reine Befriedigung des Nahrungsbedürfnisses ausreicht. Mehr machen wir in klassisch konventionellen Ställen nicht. Glauben Sie wirklich, dass das Schwein, das normalerweise mehr als die Hälfte seiner Zeit mit Wühlen verbringt, durch ein hängendes Holzstück in seinem Beschäftigungstrieb ausreichend beschäftigt ist?

Warum verteidigen wir diese Ställe bis auf Letzte? Lassen Sie uns akzeptieren, dass wir die Ställe verändern müssen, nicht als Vorwurf an konventionelle Landwirte oder an unsere Väter, die diese Ställe gebaut haben. Der Weg, der bisher in der Schweinehaltung beschritten wurde, war ja in seiner jeweiligen Zeit immer der richtige. Aber jetzt müssen wir akzeptieren, dass ein Großteil unserer Ställe verändert werden muss. Und das müssen wir nicht nur akzeptieren, sondern sogar fordern, um proaktiv zu handeln. Und in diesem Zuge gehört natürlich dazu, dass diese Veränderungen nur gegen höheres Entgelt möglich sind.

Natürlich gibt es viele Hindernisse auf dem Weg. Das Durcheinander bei den Labeln und die mit Sicherheit schwierige Genehmigungssituation für die Außenausläufe sind nur zwei von den Punkten. Aber es macht einen Unterschied, ob man diese Punkte motiviert einfordert oder nur widerwillig akzeptiert.

Und ab und zu werden auch einige Punkte nur vorgeschoben. Die Anzahl der Landwirte, die denken, sie würden keine Baugenehmigung für einen Außenauslauf bekommen, ist mit Sicherheit größer als die Anzahl der Landwirte, die tatsächlich einen negativen Bescheid von der Genehmigungsbehörde bekommen haben.