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Chancen in den eigenen Stärken suchen

Was Dr. Reinhard Grandke 2019 auf die Landwirte zukommen sieht

Für den Landwirt wird es wichtig werden, noch viel genauer und anders als zu früheren Zeiten seine Investitionen vorzubereiten und abzusichern. Wer zukünftig sicher investieren will, der muss sich vorher seine oder seinen Abnehmer suchen und versuchen, seine Investitionen mit langfristigen Verträgen abzusichern oder eigene Vermarktungsstrategien zu entwickeln. 

Dabei spielen Marken eine bedeutende Rolle. Es ist unwahrscheinlich, dass ein staatliches Tierwohllabel zu einer besseren Position der Landwirte beiträgt. Die Differenzierung vom Wettbewerb, die Prozesskontrolle bis zum Landwirt oder Betriebsmittellieferant wird weiter vermehrt von den Lebensmittelkonzernen und Lebensmitteleinzelhändlern wahrgenommen, in eigene Marken und Labels umgesetzt und beim Verbraucher positioniert. Jedes neue Schreckensbild aus einem Stall wird zu dieser Entwicklung beitragen.

Eins ist dabei jedoch sicher: Wer für diese großen Abnehmer produziert, der muss sich anpassen und wird trotzdem weiter unter Kostendruck arbeiten, denn es wird nicht einfacher werden, den Abnehmer zu wechseln. Dies ist auf den ersten Blick ein Nachteil, kann aber auch bedeuten, dass der Landwirt sich wieder mehr auf seine Stärken konzentrieren kann, nämlich Schweine oder Rinder zu mästen, Kühe zu melken oder die gute fachliche Praxis im Ackerbau anzuwenden.

Wer diesem Druck entfliehen will, der muss sich seine Märkte selbst suchen. Dies kann zum Beispiel bedeuten, den Schritt in die Direktvermarktung zu wagen. Warum sollte dies bei landwirtschaftlichen Produkten nicht so funktionieren wie im Weinbau, wo ein Teil der Betriebe ihre Produkte selbst im Wettbewerb vermarktet, oder in Erzeugergemeinschaften, die eigene Produkte und Marken hervorbringen und positionieren. Hier haben nicht nur die Berufskollegen aus dem Ökolandbau gute Erfahrungen gemacht. 

Zum anderen kann man natürlich weiter für den Weltmarkt produzieren. Aber dann ist man von den Rahmenbedingungen des eigenen Produktionsstandortes und den Schwankungen der Märkte abhängig. 

Es ist an der Zeit, die Chancen in den eigenen Stärken zu suchen und die Zukunft für sich selbst zu gestalten.

Übrigens fängt das „DLG-Jahr“ mit der Wintertagung zum Thema „Landwirtschaft am Scheideweg“ an und zeigt interessante Wege, Überlegungen und Strategien für die Zukunft auf.