DLG e.V. - Im Gespräch mit foodwatch

Im Gespräch mit foodwatch

Auf der jüngsten Exkursion des DLG-Ausschuss Schwein stand zunächst ein Besuch bei Ralf Remmert, Geschäftsführer der Prignitzer Landschwein GmbH in Neudorf auf dem Programm. Es handelt sich hierbei um einen Sauenbetrieb mit 1.300 Sauen, der auch an einer direkt benachbarten Biogasanlage beteiligt ist. Die Besonderheit des Betriebes liegt aber darin, dass die zusätzlich erzeugten 400 Mastschweine über eine eigene Fleischerei mit 106 Mitarbeitern und 16 Filialen den Großraum Berlin mit Fleisch- und Wurstspezialitäten aus der Prignitz versorgen.

Remmert sammelt seit 2014 Erfahrungen mit unkupierten Schwänzen und sieht im Flatdeck den wichtigsten Schlüssel zum Erfolg. Er sagt aber auch, dass die Grundlage bereits während Trächtigkeit gelegt wird und nähert sich somit ganzheitlich dem Problem. Remmert baute seine Ställe nach und nach um und verzichtet seit Herbst 2015 gänzlich auf das Kupieren.

Stets frisch verabreichtes Strukturfutter und Stressreduktion durch gezielte Buchtenstrukturierung, dazu ein gutes Stallklima - und der Grundstein ist gelegt. Dies alles führte letztlich zu einem neuen Stallsystem mit „Schweine Toilette“, die bei der EuroTier durch die Firma BigDutchman vorgestellt und mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Die Ausschussmitglieder konnten sich von der Funktionalität des Systems ein eigenes Bild machen und sind gespannt, wie die weiteren Praxistests verlaufen.

Abends hatte man dann die Gelegenheit, bei einem gemeinsamen Abendessen Matthias Wolfschmidt, Veterinärmediziner und Kampagnenleiter bei foodwatch näher kennenzulernen. Wenn es um Tierhaltung geht, sind sich offenbar viele einig: So, wie es heute läuft, darf es nicht weitergehen. Doch wo genau liegen die Probleme eigentlich und wo müssen wir ansetzen? 

Wolfschmidt ist diesen Fragen aus der Sicht der Verbraucher nachgegangen und hat seine Erfahrungen im Buch „Das Schweine System“ zusammengefasst. Bevor er 2002 zur Verbraucherorganisation foodwatch kam, arbeitete er seit 1995 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag, zuletzt in der Enquete-Kommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“.

Für Wolfschmidt ist der gesundheitliche Tierschutz das wichtigste Thema. Die Branche sollte offen die Probleme benennen und konsequent daran arbeiten. Dabei sei es unerlässlich, auch Politik und Handel damit zu konfrontieren und in die Pflicht zu nehmen. „Der Handel kann nicht weglaufen, er muss seine Ware hier verkaufen“, von daher spielt er eine zentrale Rolle im System.

Andererseits hatten die Ausschuss-Mitglieder auch Gelegenheit, mit Wolfschmidt über die aktuelle Situation auf den Betrieben zu sprechen. In der Diskussion über Stalleinbrüche, Anfeindungen und Ausgrenzung von Kindern von Landwirten und ein damit verbundenes Frustlevel bei Betriebsleitern wurden auch sensible Themen nicht ausgespart.

Das Gespräch diente letztlich für beide Seiten dazu, Verständnis füreinander zu entwickeln und gemeinsam an den Herausforderungen zu arbeiten. Der Ausschuss Schwein wird dieses Art von Gesprächsrunden daher mit weiteren Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Politikern im kommenden Jahr fortsetzen. Potenzielle Kandidaten sind Thomas Schröder vom Deutschen Tierschutzbund, Robert Habeck von Bündnis 90/Die Grünen und Martin Hofstetter von Greenpeace. 

Die Ausschussmitglieder machen sich ein Bild von einem Stallsystem mit „Schweine Toilette“, wie es bei der EuroTier mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Foto: DLG