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Der Maiswurzelbohrer ist nicht aufzuhalten

2007 ging das erste Exemplar eines Maiswurzelbohrers in eine der in Bayern und Baden-Württemberg aufgestellten Lockstofffallen. Allein in der Bodenseeregion wurden damals 346 Käfer gefangen.

Wie zuvor schon in anderen europäischen Maisanbauregionen wurden nun auch in Süddeutschland rigide Vorschriften eingeführt mit dem Ziel, den Schädling in den Befallsgebieten auszurotten und seine weitere Verbreitung zu verhindern.

In einigen Regionen war das Konzept erfolgreich, in anderen jedoch nicht: So konnten in der Bodenseeregion Befalls- und Sicherheitszonen 2010 aufgehoben werden.

Dagegen sind in der Rheinebene Baden-Württembergs sowie in Ober- und Unterbayern insbesondere in den letzten beiden Jahren die Zahlen der in den Fallen gefundenen Käfer sprunghaft gestiegen. In Bayern haben sich die Fangzahlen 2018 gegenüber dem Vorjahr vervierfacht (2017: 6.381, 2018: 25.250), in Baden-Württemberg wie schon 2017 ein weiteres Mal nahezu verdoppelt (2017: 64.432, 2018: 113.709).

Als Reaktion darauf hatte das Regierungspräsidium Freiburg bereits 2017 strengere Regeln für die Landwirte in der Rheinebene angekündigt. Die empfohlene Fruchtfolge, Mais maximal in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auf derselben Fläche anzubauen, müsse verbindlich eingehalten werden.

Bis 2014 war der Maiswurzelbohrer noch ein sogenannter „Quarantäneschädling“ und die Vorschriften zur Befallskontrolle und -eindämmung entsprechend streng. Aber mit dem Wegfall des Quarantänestatus wurden die Anbauempfehlungen offenbar nicht mehr ausreichend umgesetzt. Ein Fruchtwechsel ist zurzeit die einzige praktische Methode, um den Schädling in den Griff zu bekommen, denn in Deutschland ist kein Pflanzenschutzmittel mehr zugelassen, mit dem der Schädling bekämpft werden könnte. Seit Ende 2013 ist Mais-Saatgut, das mit bestimmten Insektizid-Wirkstoffen (Neonicotinoide) gebeizt wurde, in der EU nicht mehr erlaubt. Und auch andere Insektizide stehen nicht zur Verfügung.

Doch ob sich allein mit einer Vorschriften zur Fruchtfolge eine weitere Verbreitung des Schädlings eindämmen lässt, scheint inzwischen fraglich. Zu stark ist die Zahl der in den Fallen gefangenen Käfer gestiegen - trotz Fruchtfolge.

Die Landwirtschaft ist auf die Entwicklung wirksamer und umweltverträglicher Bekämpfungskonzepte angewiesen. Eine Methode, die sich in Befallsgebieten in Ungarn und Österreich zunächst als vielversprechend erwiesen hatte, ist der Einsatz von Fadenwürmern (Nematoden), die der Mais über seine Wurzeln anlockt. Nematoden sind natürliche Feinde des Wurzelbohrers, sie dringen in die Schädlingslarven ein und sondern ein Bakterium ab, was diese abtötet. Das Bakterium vermehrt sich dann in seinem abgestorbenen Wirt.

Leider war diese biologische Schädlingskontrolle nicht so erfolgreich wie erhofft. Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes (MPI) für chemische Ökologie in Jena haben nun herausgefunden warum. Die Käferlarven können giftige Abwehrstoffe, die die Maispflanzen über die Wurzeln abgeben, in einer ungiftigen Form speichern und sie später bei Bedarf aktivieren und gegen die eigenen Feinde einsetzen. Der Schädling wandelt sozusagen die pflanzliche Abwehr zu seinem eigenen Schutz um.

Die Wissenschaftler vom MPI in Jena wollen nun herausfinden, wie der Schädling die Verteidigung der Maispflanzen austrickst, um das eigene Überleben zu sichern. Sie suchen nach den Genen, die ihn dazu befähigen. Ein mögliches neues Pflanzenschutzkonzept könnte darin bestehen, die entsprechenden Gene stillzulegen und den Mechanismus damit auszuhebeln.

Dies ist ein Auszug aus einem Beitrag auf der Plattform transgen.de. Weitere Infos unter Explodierende Befallszahlen ( https://www.transgen.de/anbau/2684.maiswurzelbohrer-schaedling-nicht-aufzuhalten.html)