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PowerMix 2.0: Leistung und Kraftstoffverbrauch auf Feld und Straße

Vor zwei Jahren sind die Leistungs- und Verbrauchsmessungen an Traktoren von Teststrecke und Straße auf den DLG-PowerMix-Rollenprüfstand gewechselt. Wir stellen die wesentlichen Punkte des DLG-PowerMix 2.0 sowie die Änderungen vor.

Wenn man wie die DLG von ihrem PowerMix-Messverfahren als „Platin-Standard der Traktorleistungs- und Verbrauchsmessungen“ spricht, muss man von der Methode ganz schön überzeugt sein. Tatsächlich gibt es neben diesem Verfahren nur die Messungen nach OECD Tractor Code 2, die in verschiedenen Traktor-Testlaboren weltweit durchgeführt werden und die dank des „Tractor Test Act“ von 1919 in Nebraska bis heute Marktzulassungscharakter besitzen. Die Experten des DLG-Testzentrums Technik und Betriebsmittel können sich hier aber durchaus ein Urteil erlauben. Schließlich führen sie beide Testarten nicht nur durch: Mit dem DLG-PowerMix hat man natürlich ein Alleinstellungsmerkmal, aber viele OECD-Messungen gehören zu dieser Prüfung schon dazu. Außerdem wurden 2018 die weltweit meisten OECD-Prüfungen in Groß-Umstadt durchgeführt. 

Entscheidender Vorteil: Praxisrelevanz

Der wesentliche Unterschied zwischen der OECD-Prüfung und dem DLG-PowerMix sind die Lastwechsel. Während der OECD-Prüfung werden die Verbrauchs- und Leistungsmessungen quasi „statisch“ durchgeführt. Dies bedeutet, an verschiedenen, vorher festgelegten Motor-Betriebspunkten mit definierter Motordrehzahl, Leistungsabnahme, Fahrgeschwindigkeit bzw. Zapfwellendrehzahl werden die Verbrauchs- und Leistungsdaten erfasst. Nun weiß jeder, der schon den einen oder anderen Hektar Bodenbearbeitung absolviert hat, dass kein Quadratmeter Boden wie der andere ist. Auch bei 300 PS schlägt am Pflug der „Popometer“ an, wenn sich die Bodenverhältnisse ändern. Hier setzt der DLG-PowerMix an. Ausgehend von tatsächlichen Feldmessungen wurden zwölf Feld- und zwei Straßenzyklen definiert, die den Testkandidaten unter wechselnder Last mit Zugleistung, Zug- und Zapfwellenleistung sowie Zug-, Zapfwellen- und Hydraulikleistungen die typischen, auch kombinierten Belastungen eines echten Arbeitseinsatzes abverlangen. Der PowerMix umfasst somit vier Zyklen mit reiner Zugbelastung für die tiefe und flache Bodenbearbeitung mit Pflug und Grubber (100 % bzw. 60 % Belastung) und sechs Zyklen mit kombinierter Zug- und Zapfwellenbelastung, die von Kreiselegge bzw. Mähwerk abgeleitet wurden und 100 %, 70 % bzw. 40 % seiner Leistung abverlangen. Hinzu kommen mit Ballenpressen und Miststreuen zwei Zyklen mit kombinierter Zug-, Zapfwellen- und Hydraulikbelastung sowie die beiden Transportzyklen bergauf und in der Ebene. Bis 2017 wurden die zwölf Feldzyklen mit DLG-Bremswagen und PowerMix-Modul auf der Prüfbahn des DLG-Testzentrums gemessen, während man für die Transportmessungen auf einen 36 km langen Rundkurs über die Hügel des Odenwaldes, sprich auf die Straße ausweichen musste. Trotz kleinerer Einschränkungen, wie z. B. der Wetterabhängigkeit, waren bereits die Ergebnisse der „alten“ DLG-PowerMix-Messungen deutlich praxisrelevanter und damit aussagekräftiger als die OECD-Messungen mit ihren statischen Messpunkten. 

Fehlerquellen nochmals reduziert

Mit dem Wechsel auf den DLG-PowerMix-Rollenprüfstand konnten einige der bisherigen Einschränkungen nochmals reduziert werden. So gehören, dank der Messungen in der Halle, wetterbedingte Verzögerungen bei den Messungen der Vergangenheit an, was sich aber eher in den Planungen der Hersteller und den DLG-internen Abläufen bemerkbar macht. Für den Praktiker ist es schon relevanter, dass alle Testkandidaten in einer klimatisierten Halle bei standardisierten Bedingungen gemessen werden und sich somit Schwankungen der Außentemperatur nicht mehr auf die Verbrauchsmessungen auswirken können. Die Ergebnisse werden also noch vergleichbarer. Auch die Wärmeentwicklung bei der Messung der hydraulischen Leistung entfällt, weil diese heute über einen per Generator gebremsten Ölmotor abgefordert wird und nicht per Drosselblende Leistung in Wärme umgewandelt wird. Bei den Transportmessungen erfolgte eine recht deutliche Anpassung an die Realität, denn statt einer Steigerung der Anhängelast um rund 700 kg pro 10 kW Leistung des Traktors wird nun bereits ab 150 kW (200 PS) das maximal auf der Straße zulässige Gewicht des Gesamtzuges von 40 Tonnen erreicht. Für die Messung von Zugleistung und Verbrauch entfällt das Problem der richtigen Ballastierung, denn laut Prüfrahmen ist es erlaubt, mit ab Werk verfügbaren Gewichten bis zur technisch zulässigen Achslast aufzulasten. Außerdem kann die Gewichtsverteilung ggf. noch per hydraulischer Niederzugeinrichtung schnell und einfach korrigiert werden. Gegenüber der Messung mit dem Bremswagen mit teilweise unvorteilhafter Ballastierung und somit verfrüht einsetzendem Schlupf können dem Traktor so größere Zugkräfte mit geringeren Verlusten abverlangt werden – wie man das gerade von Feldarbeiten kennt. Gleichzeitig ist es erstmals möglich, den gesamten DLG-PowerMix unter Kontrolle der Abgasemissionswerte zu fahren. Genau an diesem Punkt setzt die DLG-Überlegung an, ob bei den gesetzlichen Regelungen künftiger Abgasnormen nicht nur der Motor, sondern das Gesamtsystem Traktor als Referenz gesetzt werden sollte. Schließlich kann man 15 % weniger Emissionen durch verbesserte Abgasreinigung oder durch einen entsprechenden Minderverbrauch mittels eines technisch verbesserten Antriebsstrangs erreichen. 

Vergleich und Fazit

Der Wechsel von Prüfbahn bzw. Straße auf die Rolle hat die Verbrauchs- und Leistungsmessungen am Gesamtsystem Traktor einen entscheidenden, weiteren Schritt nach vorne gebracht. Die Ergebnisse sind noch besser vergleichbar und vor allem noch praxisrelevanter geworden. Die Veränderungen an Messverfahren und -vorschriften haben prinzipiell einen geringfügig höheren spezifischen Verbrauch zur Folge. Nichtsdestotrotz bewegen sich die Verbrauchswerte auf einem ähnlichen Niveau wie unter den alten Messbedingungen, was sich auch in der DLG-PowerMix-App zeigt. In diesem Webtool (www.dlg.org/powermix) lassen sich Traktoren unter betriebseigenen Belastungsszenarien vergleichen.